Betrunkenheit passiert manchmal. Uns
zum Glück eher abends wenn alles dunkel ist. Die meisten Leute
schlafen dann und nur sehr, sehr wenige bekommen mit, wie man sich
daneben benimmt. Zum Glück.
Doch anderen Leuten passiert
Betrunkenheit tagsüber, und in der alles sehenden Öffentlichkeit.
Ihnen ist das wohl egal. Zumindest zu diesem Zeitpunkt.
Eines schönen Sommernachmittages
betrat ein junger Mann den Stifteladen, sang nette Lieder mit
falschen Tönen von Matthias Reim und sprach zur Stiftekollegin:
„Verdammt ich lieb dich! *sing
* Hei, ich brauch so Karten, wo man seine Adresse draufdrucken kann,
weißt du? So die man den Leuten dann geben kann.“
Stiftekollegin
wurde leicht benebelt von der Fahne, die ihr der fröhliche Mann
entgegenhauchte und schlug vor:
„Meinen Sie
Visitenkarten?“
„Jaaah, da haste
Recht!“ und er strahlte. Sie begaben sich zum Ende des Ladens um
aus der Großen Auswahl an Visitenkartenpackungen eine Packung
auszuwählen.
„Welche möchten
Sie?“ fragte sie ihn.
„Aaach, ganz
egal. Gib mir die da!“ und wies auf eine Packung. Sie begaben sich,
begleitet von wehenden Fahnen, zurück zum Kassenbereich, wo die
gemeine Stiftverkäuferin lauerte. Man muss ja manchmal auf sich
aufpassen, denn manchmal passieren Dinge im Stifteladen, da braucht
eine Stiftverkäuferin Beistand.
„Yeah! Ach, ich
hab son bisschen getrunken!“ lachte er ihnen entgegen, während er
das zu bezahlende Geld auf den Tresen blätterte.
„Ihr habt nicht
noch zufällig ein Glas Wodka?“ kicherte er und verließ den Laden,
da sie dieses verneinten. Seine Fahne war so lang, dass sie noch eine
Weile im Laden wehte, bevor sie seinem Herren folgte.
Zum Glück war es
warm, so dass man die Ladentür öffnen konnte.
Eine Tag später.
Ein netter junger
Mann betrat den Laden und steuerte auf die Stiftverkäuferin zu.
„Hei! Ich brauch
so Karten, wo man seine Adresse drauf stehen hat, weißt du? So die
man den Leuten dann geben kann.“
Da die gemeine
Stiftverkäuferin nicht an Fehler in der Matrix glaubt und auch ein
Deja-vu nicht so hyperreal erscheint, erwiderte sie:
„Waren Sie nicht
gestern schon hier und haben welche gekauft?“
Der Mann stutzt
und überlegt.
„Also ich hatte
ein bisschen was getrunken. Hab ich die gestern echt gekauft? Ich
wollte ja welche kaufen... ha.“
„Jaa...“
Gut gelaunt, da er
kein Geld ausgeben musste, verließ der Kunde den Laden.
Also wir merken
uns: Trinke nie Alkohol, während die Geschäfte auf haben!
Es gibt also nette
Menschen, denen Betrunkenheit zustößt. Auch Menschen, denen
Betrunkenheit regelmäßig zustößt, können nett sein, wie die
Stiftverkäuferin feststellte. Denn als zwei lustige Welche dieser
Sorte den Laden betraten und nach Kugelschreiberminen fragten, und
auch noch nett bedient worden, schrieben sie nette Dinge auf den
Testzettel. Zwar war dieses nur ein „Danke“ aber das war schon
mehr als andere Kunden tun.
Doch es gibt auch
andere Personen... einst betrat ein Mann den Laden, missmutig und
sehr dem Genuss hochprozentiger Getränke verfallen, der die
Stiftekollegin um einen Gefallen bat.
„Hast du'n
bisschen Geld für mich? Ich will was zu Essen kaufen!“
Mitten im Gespräch
unterbrochen antwortete die Kollegin:
„Nein,
tut mir leid, wenden sie sich doch bitte an die XY Stelle, da
bekommen Sie etwas zu essen...“
Ungehalten über
so eine unfreundliche und absolut unerwartete Antwort, plusterte sich
der nicht wohlriechende Mann auf und rief:
„Na dann schönen
DANK, du altes SUPPENHUHN!“
und verließ den
Laden.
Glücklicherweise
sind ungehaltene Personen, denen Betrunkenheit zustößt meist
außerhalb des Stifteladens anzutreffen. So wie der dezent gekleidete
Mann, den die gemeine Stiftverkäuferin beobachtete, da ihr sein Hut
auffiel. Denn der war hübsch geformt und mit einer Feder verziert.
Doch als der Mann auf einmal laut „STADTRATTEN!“ über die Straße
brüllte und Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht zu bekommen
schien, war der Hut weniger interessant. Interessanter war nun
herauszufinden, wen er denn so betitelte. Denn er war alleine.
„RATTEN!“ Die
Stiftverkäuferinnen liefen an den Fenstern entlang und beobachteten,
wo der Mann den hinginge. „VERDAMMTE RATTEN!“ Man hörte ihn gut,
denn er war laut und die Oberlichter geöffnet. (Wer an dieser Stelle
nicht weiß, was Oberlichter sind, dem geht es nicht besser als der
Stiftverkäuferin vor einigen Jahren. Es handelt sich um die
Klappfenster, die über den Fenstern sind, die sich nicht öffnen
lassen)
Der Mann zog
vorbei, wurde von einer Hauswand angerempelt und verschwand aus den
Stiftverkäuferinnen Blickfeld. Sie warfen sich diverse Blicke zu,
die der Situation angemessen waren und begaben sich wieder in den
vorderen Teil des Ladens. Doch, Hölle und Rattenkot! Durch die
Oberlichter schwappte ein gar fürchterlicher Gestank von
Betrunkenheit und Dingen, deren Namen nicht genannt werden dürfen!
Entsetzt flüchteten sie vor diesem Teufelsduft.
Wir merken uns:
Selbst was da nicht nah ist, kann einem trotzdem den Magen umdrehen.
Unglücklicherweise
trifft das auch auf die Hinterlassenschaften betrunkener Leute zu.
Denn Montag morgens kann es vorkommen, dass diese von den
Stiftverkäuferinnen entfernt werden müssen. Gerüche in Hausecken,
Bierflaschen in Blumenkübeln (andererseits, man könnte auch eine
Beobachtung über die potentielle Alkoholabhängigkeit von
Buchsbäumen starten, da diese auf mysteriöse Weise ständig von
leeren Schnapsflaschen umgeben sind. Zufall? Oder Beweismaterial?)
und netterweise nur selten Erbrochenes.
Also Leute, hört
gut her: Betrunkenheit ist selten schwer. Doch übel wird es, glaubt
es mir, trinkt ihr des Tags nicht nur ein Bier. Und lauft danach noch
draußen rum, die Welt hält euch geschwind für dumm! So trinkt des
nachts schön euer Zeuch, die Stiftverkäufer danken's euch.

