Donnerstag, 3. Dezember 2009

Schwimmen - Massenwahn im Chlorparadies

Manchmal gehe ich gerne schwimmen. Aber manchmal nicht.
Wer gerne durch unberührten Schnee stapft und das Gefühl von Freiheit, Unberührtheit und Einsamkeit liebt, weiß wie schön es ist, allein im Schwimmerbecken zu sein. Ok, das Glück ist so selten wie ein 6er im Lotto. Sagen wir lieber: fast allein. So allein, dass das Wasser zeit hat, sich von Bahn zu Bahn zu beruhigen, bis man wieder hindurchkämmt. Herrlich. Ruhig, Entspannend, die Welt hinter sich lassen... einfach mal Zeit für sich und seine Bahnen haben.
Heute hatte ich dieses Erlebnis. Ganze 15 Minuten lang.

Es gibt nicht viele Arten von Leuten, die ins Schwimmbad gehen. Aber in jedem Schwimmbad in dem ich jemals war, waren es die gleichen Gruppen.
Am Auffälligsten sind Kinder. Kinder sind laut, schnell, überall und machen viel Wellen und Krach. Krach, Kreischen, Krähen! Dinge, die sich im Hallen(!)Bad besonders gut anhören. Kinder können unberechenbar sein, wenn sie plötzlich vom Rand neben einem ins Wasser plumsen oder besser noch Arschbomben vom 1m Brett auf der Nebenbahn machen. Macht große Wellen und viel Krach und überhaupt viele Spritzer und Krach!
Am häufigsten sind Rentner. Rentner sind immer schon da, wenn man kommt und sind noch da, wenn man wieder geht. Obs die gleichen sind, weiß meist keiner, denn graue Locken und kahle Schädeln sehen im Wasser sowieso gleich aus.
Rentner schwimmen langsam. Bedächtig, wie es scheint. Um jede Bewegung nochmal voll auszukosten. Oder um die Haare nicht nass werden zu lassen. Rentner treten immer einzeln auf und verteilen sich gleichmäßig im Becken. Bloß nicht zu dicht dran lang schwimmen, dann gibts böse Blicke. Herren ziehen oft eine penetrante Briese altem Aftershafe hinter sich her, die über die verursachten Wellen surft um nebenan schwimmenden Personen zu belästigen. Wenn zwei ältere Damen tatsächlich mal zusammen auftauchen, mimen sie Bojen, die von einer Seite des Beckens zur anderen treiben und sich dabei viel und angeregt unterhalten. Noch langsamer als der übliche Rentner. Wenn die Anzahl der Rentner jedoch zu hoch ansteigt, sollte man Wörter wie Granufink und Tena-Lady aus seinen Gedanken bannen. Fängt man erst darüber an, zu sinnieren, wie sich Harnfunktion und Geschwindigkeit des Schwimmens im Zusammenhang stehen, Muskeln der Beine und deren Bewegungen oder Entspannung in Kombination mit inkontinentem Harnfluss stehen...
ahnee. Lassen wir das.
Männer. Männer sind öfters im Schwimmbad als Frauen. Ich rede jetzt nicht von Rentnern, sondern von Personen ab 30. Männer nutzen die Chance, ihre Muskeln - oder was sie dafür halten - in der glitzernden Chlorflüssigkeit spielen zu lassen. Ein Mann betritt den Schwimmerbereich mit langsamen Schritten, angespannten Muskeln und schweifendem Blick. Er geht nicht sofort ins Becken, sondern beobachtet erst. Manch einer muss sich noch dehnen. Wenn er das Becken betritt, dann nicht über eine Treppe, sondern mit gewagtem Kopfsprung. Er schwimmt eine Bahn und lässt sich am anderen Ende nieder und beobachtet weiter. Das kann er über einen längeren Zeitraum durchhalten, bis es ihm irgendwann zu kalt wird und er sich mit einem gekonnten Schwung muskelbewegend, tattoopräsentierend, wasserabstreifend ins Nichtschwimmerbecken begibt um sich dort an den Massagedüsen zu räkeln.
Wobei wir wieder bei den Kindern sind, die diesem Bild jegliche Art von Erotik zu nehmen wissen. Bei Kindern und ihrem Kinderschwimmbecken gelten gleiche Überlegungen wie bei Rentnern und Granufink-Überlegungen. Mal drüber nachdenken.
Frauen sind selten im Schwimmbad anzutreffen. Und wenn doch sind es meist muskulöse Profischwimmerinnen in Adidas Badeanzügen. Unspektakulär. Unauffällig. Gelegentlich in Begleitung von ebenfalls muskulösen -diesmal echte Muskeln- Männern, die in atemberaubendem Tempo von einer Seite des Beckens zur anderen schwimmen, gern in auffälligen und schwappenden, wellenschlagenden Stilen. Der Schmetterlingsstil macht besonders viel Wellengang!Solche Leute sind arrogant, intolerant gegenüber Schwimmern wie mir und rempeln einen sogar gerne an. Schweine! pff.
Aber trotz allem, ich bleib ja nur ne Stunde. schwimme meine Bahnen, versuche nicht aufzufallen und halte mich aus jeglichem Stress raus. Bin hinterher zwar etwas genervt...aber verglichen damit, was das Festland einem bietet ist es jedes mal ein wenig wie Urlaub.


Dienstag, 1. Dezember 2009

7. Dinge, die lieber ungesagt bleiben sollten

7. Dinge, die lieber ungesagt bleiben sollten.


Oder Tage, an denen man seine Klappe nicht halten konnte. Manchmal gerät die gemeine Stiftverkäuferin in Situationen, die einfach verlangen, jetzt mal STILL zu sein. Aber wie das nun mal so ist, klappt das meist minder.


Eines Tages betrat eine Kundin den Laden, der das Leid des Lebens ins Gesicht geschrieben stand. Sie erzählte von ihrer kleinen, niedlichen Tochter, die ständig ihren Anspitzer verliert, oder dessen bestohlen wird.

"Haben Sie nicht einen, den ich ihr einfach ans Bein nageln kann??" fragte sie mit sorgenvoller Mine.

"Also einen aus Holz." antwortete die Verkäuferin und drehte sich um um einen solchen zu finden.


Auch gibt es Situationen, wo der Beobachter der Szene denkt: Jetzt sag bloß nicht das, wo jeder weiß, das es das dümmste ist, was man sagen kann.

Ein männlicher Kunde steht vor einem Regal, und betrachtet einen Ranzen, der dort oben steht.

Die gemeine Stiftverkäuferin hat in diesem Fall natürlich nur das Euro-Zeichen in den Augen, und wittert einen möglichen Ranzenverkauf.

Natürlich sagt sie diesen Satz. Diesen einen Satz!!! Der Satz, bei dem der Kunde sofort anfängt zu schmunzeln.

"Soll ich Ihnen einen runterholen?" natürlich bei gleichzeitigem Rot anlaufen, weil der Verstand sich wieder von Cash auf Sprache umstellt.


"Kann Ihre Alte weg?" sollte man ältere Herren in Begleitung ihrer Frau nur fragen, wenn sie Humor haben und darauf gekonnt zu reagieren wissen. Auch wenn die gemeine Stiftverkäuferin noch an die leergeschriebene Mine denkt, die sie in der Hand hat.


Mit Daumen und Zeigefinger eine Spanne von ca 8 cm zeigend, einen Kunden fragen: "Wie lang ist Ihrer denn?", ist ebenfalls nich immer angebracht. Zum Glück meinte die Verkäuferin ein Heftgerät und der Käufer war zu alt für solche Wortspiele.


Besonders gefährlich wird es, wenn ein recht blöder Satz ständig bei den Kollegen angewandt wird. "Ja, das hat sie aber feiiin gemacht!" Bei Frau M. war der Satz noch witzig, ebenfalls bei Frau S. Aber als die gemeine Stiftverkäuferin mit ihrem Vorgesetzten telefonierte und er ihr eine gute Nachricht mitteilte, konnte sie den Satz zum Glück auf ein "fein!" kürzen.

Manchmal schafft sie es, haarscharf am Krater der Peinlichkeit entlangzuflitzen.


Obwohl der Satz:

"Ach, Sie unterhalten sich gerade über unseren Stuhlgang."

Gemeint war, wie er lautete, an die Chefin gerichtet war und überhaupt das merkwürdigste war, dass die gemeine Stiftverkäuferin jemals zu ihr gesagt hat.

Hintergründlich ist zu erwähnen, dass das Klo Igor manchmal Probleme hat mit der Verarbeitung und sich gerne übergibt. Deswegen das Verbot zu Stuhlgang auf der Arbeit angesprochen wurde. Chefin allerdings Probleme mit zu hartem hatte und dieses mit den Worten: "ist der Stuhlgang zu hart, ist Igor zu schwach!" kommentierte. Und gerade an diesem Tag hatte die gemeine Stiftverkäuferin auch Probleme mit der Verdauung, über die sie sich gegenseitig beklagten.

Zum Zeitpunkt der Entstehung des Satzes befand sich nun Chefin mit Frau S. im Keller und berichtete ihr von den allgegenwärtigen Verdauungsproblemen.


Früher war Frau G., die gemeine Stiftverkäuferin eine ruhige Person, die Worte mied.

Manchmal wünscht sie sich das heute noch.