Die Stiftverkäuferinnen waren selig.
Das ganze Jahr hatten sie diverse Reklamationen der neuen Marke
Ergorucksack behandelt und nun bekamen sie Besuch vom Ergochef. Da
das Produkt relativ neu war, waren die Meinungen geteilt. Einerseits
stand die absolut andere und fantastisch durchdachte
Wanderrucksack-Form des Schulranzens, andererseits aber die bei einem
neuen Produkt auftauchenden Fehler. Materialschwäche, zu schnelle
Abnutzung von einzelnen Teilen, schiefe Nähte, etc. So kam es dass
viele Kunden ein super Produkt bekamen, aber andere ständig diverse
Dinge reklamieren mussten. Doch im Endeffekt sorgten diese
Beschwerden dafür, dass jedes Jahr Verbesserungen vorgenommen wurden
Der Ergochef stellte den
Stiftverkäuferinnen das überarbeitete Produkt vor, erklärte die
verbannten Fehlerecken und stimmte sie auf ein neues, erfolgreicheres
Verkaufsjahr ein. Als Wiedergutmachung des Reklamations-Stresses
wollte er die Stiftverkäuferinnen auf dem Weihnachtsmarkt zu einer
Bratwurst mit Glühwein einladen.
Doch leider regnete es in Strömen!
Zum Leid des Ergochefes, zur Freude der Stiftverkäuferinnen, denn
man beschloss in ein Restaurant zu gehen. Man platschte und triefte
über den gerade schließenden Weihnachtsmarkt, der bei Starkregen
nur von gut gefüllten Glühweinkunden bevölkert war, denen die
Kälte nichts mehr ausmachte. Viele Wurstverkäufer und Mandelhändler
hatten bereits die Läden geschlossen und es sich im Inneren der
warmen und gemütlichen Holzlaube bequem gemacht, in der sie während
der Weihnachtszeit wohnten. Umgeben von Süßgebäck, Kerzen und
Kissen...
Während die gemeine Stiftverkäuferin
so vor sich hinträumte, verschwanden die Stiftechefin und der
Ergochef schon im Bierlokal.
Das Bierlokal – hier wurde Bier nicht
nur ausgeschenkt, sondern auch hergestellt – war warm und heimelig.
Doch auch sehr voll und das feuchte Grüppchen wurde zum Warten an
den Tresen verwiesen. Dort bestellte man sich ein frisch gebrautes
Bier und blätterte durch das Speisenangebot.
Der Tisch ließ nicht lange auf sich
warten und die Speisen kamen auch und bald versank man in lustigen
Gesprächen über „Dinge, die da einst geschehen waren“.
Dieses Thema wird oft und gern zur
Sprache gebracht, besonders gegenüber nicht-Stiftverkäufern, denn
es ist ebenso abwechslungsreich wie amüsant.
„Da war mal ein Mann, der stalkte die
Kollegin...“
„Da war auch mal einer, der wollte in
die Eier getreten werden...“
„Da war mal einer, der schenkte der
gemeinen Stiftverkäuferin einen Kaktus...“
„Du gemeines Suppenhuhn!“
Und so weiter und so fort, begleitet
von Gelächter und Gekicher. Die Augen des Ergochefes wurden immer
größer, hätte er doch nie im Leben erwartet, dass das Leben an der
Front nicht nur aus kleinen Kindern und ihren Ranzen, oder eleganten
Herren mit Schnäuzer besteht, die ihren Edelfüllhalter kaufen
wollen. Die Abenteuer der Reklamationen kannte er bereits. Doch nun
kannte er auch die düsteren Abgründe.
Darauf musste man noch einen Abstecher
zum Weihnachts-Wäldchen machen, in dem noch versteckt eine
Glühweinbude auf hatte. Man wollte ja einen Glühwein trinken gehen
und nach solchen Geschichten braucht der Körper das auch. So klang
ein gemütlicher Abend aus. Die Stiftverkäuferinnen waren gut
gefüllt und die Geldbörse des Ergochefes gut geleert.
Ergo: Reichst du Stiftverkäuferinnen
den kleinen Finger, schleppen sie dich ins nette Restaurant!
Und als ob man vom Teufel sprach, der
daraufhin sein Gesicht zeigen muss, geschahen Tags darauf gleich
Dinge, die man sich das nächste Mal erzählen konnte.
Kurz nach Ladenöffnung klingelte das
Stiftephon und die Kollegin nahm das Gespräch entgegen.
„Hier ist der nette Stifteladen, was
kann ich für sie tun?“
„Hallo... ich hole mir gerade einen
runter... wollen Sie zuhören?“
„O.o Nein danke!“
Eine halbe Stunde gackerte Gegröhle
durch den Stifteladen, während immer neue Argumente gefunden wurden,
das Gespräch das nächste mal zu halten, um mit kollektivem
Lachanfall des Mannes Eigentümlichkeit zu belohnen.
Die Gute Laune hielt auch den Tag über
an, die gemeine Stiftverkäuferin trieb ihre Späße mit den Kunden
und alle waren froh und feierlich. Gegen 17:00 Uhr kam sogar ein
verspäteter Paketmann um den Stiftverkäuferinnen ein lang
erwartetes Paket aus den Niederlanden zu bringen, was dementsprechend
gefeiert wurde.
„Oh! Da warten wir drauf. Unsere
Päckchen aus Holland sind da!“ rief die gemeine Stiftverkäuferin.
Der Paketmann und der Kunde daneben freuten sich über diese Freude.
Der Paketmann entschuldigte sich noch über die späte Uhrzeit.
„Ach, das kommt ja auch aus den
Niederlanden, das hatte einen weiten weg! Aber jetzt ist es ja da.“
Was da wohl drin ist, fragte der
Gesichtsausdruck des Paketmannes, auch der Kunde schaute schief.
„Naa, ist unser Haschisch da?“ rief
die Stiftekollegin von weiter hinten.
„jahaaa!“ antwortete die gemeine
Stiftverkäuferin. Paketmann und Kunde verließen den Laden. Und noch
immer lachten die Stiftekolleginnen! Ob sie denn gewusste hätte,
dass der Kunde bei der Polizei arbeite, fragten sie die gemeine
Stiftverkäuferin.
Nein...DAS hat sie nicht gewusst...