Donnerstag, 13. Dezember 2012

Gut gefüllte Stiftverkäufer sind zufriedene Stiftverkäufer



Die Stiftverkäuferinnen waren selig. Das ganze Jahr hatten sie diverse Reklamationen der neuen Marke Ergorucksack behandelt und nun bekamen sie Besuch vom Ergochef. Da das Produkt relativ neu war, waren die Meinungen geteilt. Einerseits stand die absolut andere und fantastisch durchdachte Wanderrucksack-Form des Schulranzens, andererseits aber die bei einem neuen Produkt auftauchenden Fehler. Materialschwäche, zu schnelle Abnutzung von einzelnen Teilen, schiefe Nähte, etc. So kam es dass viele Kunden ein super Produkt bekamen, aber andere ständig diverse Dinge reklamieren mussten. Doch im Endeffekt sorgten diese Beschwerden dafür, dass jedes Jahr Verbesserungen vorgenommen wurden
Der Ergochef stellte den Stiftverkäuferinnen das überarbeitete Produkt vor, erklärte die verbannten Fehlerecken und stimmte sie auf ein neues, erfolgreicheres Verkaufsjahr ein. Als Wiedergutmachung des Reklamations-Stresses wollte er die Stiftverkäuferinnen auf dem Weihnachtsmarkt zu einer Bratwurst mit Glühwein einladen.
Doch leider regnete es in Strömen! Zum Leid des Ergochefes, zur Freude der Stiftverkäuferinnen, denn man beschloss in ein Restaurant zu gehen. Man platschte und triefte über den gerade schließenden Weihnachtsmarkt, der bei Starkregen nur von gut gefüllten Glühweinkunden bevölkert war, denen die Kälte nichts mehr ausmachte. Viele Wurstverkäufer und Mandelhändler hatten bereits die Läden geschlossen und es sich im Inneren der warmen und gemütlichen Holzlaube bequem gemacht, in der sie während der Weihnachtszeit wohnten. Umgeben von Süßgebäck, Kerzen und Kissen...
Während die gemeine Stiftverkäuferin so vor sich hinträumte, verschwanden die Stiftechefin und der Ergochef schon im Bierlokal.
Das Bierlokal – hier wurde Bier nicht nur ausgeschenkt, sondern auch hergestellt – war warm und heimelig. Doch auch sehr voll und das feuchte Grüppchen wurde zum Warten an den Tresen verwiesen. Dort bestellte man sich ein frisch gebrautes Bier und blätterte durch das Speisenangebot.
Der Tisch ließ nicht lange auf sich warten und die Speisen kamen auch und bald versank man in lustigen Gesprächen über „Dinge, die da einst geschehen waren“.
Dieses Thema wird oft und gern zur Sprache gebracht, besonders gegenüber nicht-Stiftverkäufern, denn es ist ebenso abwechslungsreich wie amüsant.
„Da war mal ein Mann, der stalkte die Kollegin...“
„Da war auch mal einer, der wollte in die Eier getreten werden...“
„Da war mal einer, der schenkte der gemeinen Stiftverkäuferin einen Kaktus...“
„Du gemeines Suppenhuhn!“
Und so weiter und so fort, begleitet von Gelächter und Gekicher. Die Augen des Ergochefes wurden immer größer, hätte er doch nie im Leben erwartet, dass das Leben an der Front nicht nur aus kleinen Kindern und ihren Ranzen, oder eleganten Herren mit Schnäuzer besteht, die ihren Edelfüllhalter kaufen wollen. Die Abenteuer der Reklamationen kannte er bereits. Doch nun kannte er auch die düsteren Abgründe.
Darauf musste man noch einen Abstecher zum Weihnachts-Wäldchen machen, in dem noch versteckt eine Glühweinbude auf hatte. Man wollte ja einen Glühwein trinken gehen und nach solchen Geschichten braucht der Körper das auch. So klang ein gemütlicher Abend aus. Die Stiftverkäuferinnen waren gut gefüllt und die Geldbörse des Ergochefes gut geleert.
Ergo: Reichst du Stiftverkäuferinnen den kleinen Finger, schleppen sie dich ins nette Restaurant!

Und als ob man vom Teufel sprach, der daraufhin sein Gesicht zeigen muss, geschahen Tags darauf gleich Dinge, die man sich das nächste Mal erzählen konnte.

Kurz nach Ladenöffnung klingelte das Stiftephon und die Kollegin nahm das Gespräch entgegen.
„Hier ist der nette Stifteladen, was kann ich für sie tun?“
„Hallo... ich hole mir gerade einen runter... wollen Sie zuhören?“
„O.o Nein danke!“
Eine halbe Stunde gackerte Gegröhle durch den Stifteladen, während immer neue Argumente gefunden wurden, das Gespräch das nächste mal zu halten, um mit kollektivem Lachanfall des Mannes Eigentümlichkeit zu belohnen.
Die Gute Laune hielt auch den Tag über an, die gemeine Stiftverkäuferin trieb ihre Späße mit den Kunden und alle waren froh und feierlich. Gegen 17:00 Uhr kam sogar ein verspäteter Paketmann um den Stiftverkäuferinnen ein lang erwartetes Paket aus den Niederlanden zu bringen, was dementsprechend gefeiert wurde.
„Oh! Da warten wir drauf. Unsere Päckchen aus Holland sind da!“ rief die gemeine Stiftverkäuferin. Der Paketmann und der Kunde daneben freuten sich über diese Freude. Der Paketmann entschuldigte sich noch über die späte Uhrzeit.
„Ach, das kommt ja auch aus den Niederlanden, das hatte einen weiten weg! Aber jetzt ist es ja da.“
Was da wohl drin ist, fragte der Gesichtsausdruck des Paketmannes, auch der Kunde schaute schief.
„Naa, ist unser Haschisch da?“ rief die Stiftekollegin von weiter hinten.
„jahaaa!“ antwortete die gemeine Stiftverkäuferin. Paketmann und Kunde verließen den Laden. Und noch immer lachten die Stiftekolleginnen! Ob sie denn gewusste hätte, dass der Kunde bei der Polizei arbeite, fragten sie die gemeine Stiftverkäuferin.
Nein...DAS hat sie nicht gewusst...

Dienstag, 11. Dezember 2012

Bodenpflege



Wie letztens schon erwähnt muss im Falle eines vorkommenden Schneefalles auch der Boden öfter gewischt werden, um ein Kundenfallen zu vermeiden. Im Falle eines Kundenfalles könnten schlimme Dinge ins Haus fallen. Das gilt zu vermeiden.

Eines Abends wischte die gemeine Stiftverkäuferin den Boden, gemächlich vor sich hin, man muss ja genau sein und jeden Schmutz erwischen, mag er sich noch so verstecken.
Ein älteres Ehepaar betrat den Laden und sprach den berühmten Satz: „Oh? Schließen Sie schon?“ Scheinbar geht Bodenpflege mit Feierabend anderswo gemeinsame Wege.
„Nein, kommen Sie herein!“
Daraufhin begann ein amüsant anzuschauendes Balancieren auf Fußspitzen, denn man möchte ja nicht in „das Nasse“ treten. Tapp, tapp, torkel... tapp.
Wie die gemeine Stiftverkäuferin schon öfter feststellen musste, hat scheinbar die gesamte Menschheit ein unheimlich schlechtes Gewissen über frisch gewischten Boden zu laufen. Geht dann gern auch mal Umwege um nicht in die nassen Flächen zu treten, oder wird gelegentlich davon hilflos eingeschlossen und muss dann doch über den sauberen Boden laufen. Meist mit den Worten: „Ach, das tut mir so leid... jetzt ist hier schon gewischt... und ich mach alles wieder dreckig...aaach... weeeh...!“ Tapp, tapp, torkel... tapp. Und läuft wie ein Storch im Sumpf durch den Laden.
Manchmal überlegte die gemeine Stiftverkäuferin auch: Man könnte um dieses ganze Schauspiel herumkommen, wenn man die Kunden an der Tür beten würde, die Schuhe auszuziehen um dann Leihpantoffeln anzuziehen. Dann würde der Boden auch bei Schnee und Scheißwetter sauber bleiben. Keiner müsste sich über frisch gepflegte Böden wagen und gelegentlich Fegen hätte das Thema abgehakt.
So. Jedenfalls: tapp, tapp, torkel... tapp. Die Kunden ließen sich von der Stiftekollegin bedienen und ein Geschenk einpacken. Dabei sprach man über das Wischen, und die Dame betonte, wie ungern sie wischte, fragte die gemeine Stiftverkäuferin, ob sie denn auch so ungern wischen würde.
„Nunja.. man muss es doch machen...“
Und was sie am meisten ekeln würde, wäre das Wasser mit dem Lappen drin. Stiftverkäuferin wrang gerade den Lappen aus. Ekelig?? Eigentlich nur nass.
Es gäbe ja so Auswringautomaten... und die wären ja vielleicht besser.
„...Nunja, die mag ich nicht, diese Wischmopps.“ teilte die Stiftverkäuferin mit.
Hätte die Kundin schon gehabt, war gar nicht so schlecht. Stiftekollegin berichtete vom Vergleich von Billigmarken zu Markenprodukten und ihren Erfahrungen damit.
„Es gibt doch noch diese flachen. Diese, die man auch ausdrücken kann, mit so einem Gerät!“
„Ja.“ antwortete die Stiftverkäuferin, „die werden ja auch von Putzfrauen in großen Gebäuden benutzt. Schlecht sind die nicht.“
„Ja, DAS wäre doch was für Sie! Dann bräuchten Sie nicht mehr in das ekelige Wasser zu fassen.“
„Wir wischen hier trotzdem retro. Immerhin mit Micorfasertuch statt Baumwoll-Lappen, aber das klappt auch super.“
Die Kunden begaben sich dann zur Kasse und verabschiedeten sich. Sie wünschten allen noch einen schönen Abend und einen schöne Adventszeit.
„Und Ihnen“ die Dame klopfte der gemeinen Stiftverkäuferin auf die Schulter „wünsche ich einen neuen Wischmopp!“


Sonntag, 9. Dezember 2012

apart

….apart?

Was ist „apart“?
Der deutsche Duden sagt: a) von eigenartigem Reiz; besonders reizvoll, geschmackvoll
b) ungewöhnlich, pikant

Wir schreiben Dezember. Ein nicht auffälliger, weder von Wetterlagen oder Kunden her.
Eines Tages betrat eine ältere Dame den Stifteladen und sprach die gemeine Stiftverkäuferin an:
„Ich suche ein apartes Lesezeichen. Was haben Sie da?“
In einem kurzen, ratlosen Moment ratterten sämtliche Artikel vor der Stifverkäuferin innerem Auge herunter. Sie kombinierte die Bedeutung des Wortes „apart“ mit dem Artikel „Lesezeichen“ um ein passendes Produkt zu finden. Man stelle sich das jetzt so ähnlich wie die grünen Nummern und Buchstaben eines Matrix-Computers vor. Doch nichts wollte zusammenpassen.
Also zeigte die Stiftverkäuferin der Dame die vorhandenen Lesezeichen, in absteigender Folge sortiert nach geschätzter Übereinstimmung mit dem Adjektiv „apart“. Zuerst zeigte sie ein elegantes Set aus schwarzen, Schreibfederförmigen Klammern, die auf die Seiten des Buches gesteckt werden können.
„Nein, das ist nicht schön. Außerdem gehen davon die Buchseiten kaputt.“
Als nächstes folgte ein schlichtes „zwischen-die-Blätter-lege-Lesezeichen“ in Aluminium mit glänzenden Herzen.
„Nein. Das ist nicht apart genug.“ Jetzt war die Stifverkäuferin ratlos. Der letzte Artikel, ein Set, bestehend aus 3 magnetischen Lesezeichen mit je einem Apfel darauf. Rustikal, schlicht, äpfelig.
„Ach, na da haben Sie ja was schönes gefunden. Das ist genau DAS, was ich gesucht habe!“
Verwundert über diese Aussage, begleitet sie die Dame zur Kasse und verabschiedete sich nach einem standart-Kassiervorgang.
Das Lesezeichen war weder elegant, noch reizvoll, geschmackvoll oder sonst besonders schön. Es waren Äpfel darauf. Es war vielleicht niedlich. Oder eignete sich für Kochbücher mit Apfelkuchenrezepten, die von einer rundlichen Frau mit karierter Schürze gebacken werden. Da aber Apfelkuchen weder pikant noch ungewöhnlich waren, trifft auch Bedeutung b) weniger zu.
Ein anderes mal, fragte eine ältere Dame nach aparten Aufklebern. Aufkleber um damit Geschenke oder Briefumschläge zu verzieren. Auch sie entschied sich für schlichte, rosafarbene Blümchen. Apart im Sinne eines eleganten, rosafarbenen, seidenen Abendkleides? Mit Blümchen?

Der Nikolaustag begann und die Stiftekolleginnen fanden es nett, sich Weihnachtsmützen auf den Kopf zu setzen. Oder in dem Fall Nikolausmützen.
Eine Kundin betrat den Laden und schmunzelte über das Bild zweier, die da standen mit roten Mützen auf dem Kopf.
„Oh, wie apart!“ freute sie sich.
Später wurde die Aussage noch diskutiert, in wie fern die Bezeichnung „apart“ auf Weihnachtsmannmützen angewendet werden kann. Sie waren weder elegant noch besonders reizvoll.

Vielleicht geschieht hier mal wieder eine Änderung der Bedeutung eines deutschen Wortes. Schon oft wurde ja ein veraltetes Wort ausgegraben um im alltäglichen Wortschatz einen neuen Platz zu bekommen.
Man denke nur an das Wort „geil“. Bezeichnete es vor 50 Jahren die Läufigkeit einer Hündin (im englischen „bitch“- heute auch anders verwendet), so wird es heute von der Jungend für sämtliche anderen Gelegenheiten verwendet. Gefolgt von „konkret“, „Pfosten“, „Tacho“, „Wayne“ und wie sie nicht alle heißen und uns um den letzten Nerv bringen.
Möglicherweise entsteht aus der Jungendwort-Kultur ebenso eine ältere-Damenwörter-Kultur. In der das Wort „apart“ einen zweiten Frühling erlebt.
Und möglicherweise versuchen sich die älteren Damen auf die Art und Weise ebenso aus der Masse hervorzuheben wie eine Gang 16jähriger, die „Yalla!“ und „Käferfrühstück“ röhrt.

Beobachten wir also das Ganze und bleiben auf dem Boden der Tatsachen, der im Winter auch mal öfter gewischt werden muss und schauen was der Dezember noch so mit sich bringt.