Sonntag, 11. April 2010

Der letzte Krieg

..." Später konnten die anderen nicht sagen, ob sie wirklich etwas gesehen hatten. Vielleicht einen zuckenden Lichtschein am Himmel, eine blitzschnelle Bewegung. Vielleicht waren dort die Bomben und die Düsenflugzeuge, fünfzehn Kilometer, zehn Kilometer, einen Kilometer hoch, den Bruchteil einer Sekunde, wie Körner, von einer gewaltigen Hand über den Himmel gestreut, und die Bomben stürzten mit furchtbarer Geschwindigkeit, und doch plötzlich verlangsamt, auf die dämmrige Stadt hinab, die sie hinter sich gelassen hatten.
Eigentlich war alles schon geschehen, sobald die Flugzeuge ihr Ziel gesichtet und die Bomben ausgeklinkt hatten; so schnell wie der Schwung einer Sense war der Krieg aus. Hatte man einmal auf den Knopf gedrückt und die Bombenlast abgeworfen, so war auch schon alles vorbei.
Volle drei Sekunden, eine Ewigkeit, ehe die Bomben einschlugen, waren die gegnerischen Flugzeuge selber bereits wieder halb um die sichtbare Welt herum, wie Geschosse, an die ein Wilder wohl nicht glauben würde, da sie unsichtbar waren; und doch wird auf einmal das Herz zerschmettert, der Körper fällhauseinander, und das Blut ist erstaunt, ins Freie zu gelangen; das Gehirn verschleudert seine paar kostbaren Erinnerungen und stirbt, ohne zu verstehen. ..."

Ray Bradbury - Fahrenheit 451