Sonntag, 17. Juni 2012

Neues von der Stiftverkäuferin - Männer, Mysterien, Marder



Es geschah in einer Woche, in der eh schon komische Dinge geschahen.
Die Stiftekollegin Frau S. hatte einen Stalker, der jeden Tag um die gleiche Uhrzeit vorm Laden stand um sie anzuschaun. Ein Mann, wie er sonst nur in amerikanischen Trailerparks zu sehen ist, wie er mit einer Schrotflinte auf Bierdosen schießt.
Unheimlich, unangenehm, unnötig! Aber sowas von. Man regte sich auf und notierte jeden Schritt des Stalkers und stalkte damit zurück.

Ein furchtbar kitschiger Glas-Chihuaha entschloss sich zum Selbstmord durch spontane Selbstexplosion. Seit Wochen hing er an der Kasse und stellte seine glitzernde Fürchterlichkeit zur Schau und eines Donnerstag Nachmittages war es dann soweit: * Peng * sein Leben endete und die Stiftverkäuferinnen hatten was zu fegen.
Natürlich wurde der gemeinen Stiftverkäuferin Frau G. die Schuld in die Schuhe geschoben, obwohl sie den Tag garnicht da war, hätte sie den Vorfall per unheiligem Ritual von zu Hause aus verursachen können. Eine andere Erklärung gab es ja schließlich nicht.

Dann schlug die Uhr Samstag. Nicht viel war bis Mittag passiert und 4 Stunden noch trennten die Stiftverkäuferinnen vom Feierabend. Frau G. stand hinterm Kassentresen als ein Marderbaby den Laden betrat (Unwissenderweise wurde es die erste Zeit als Frettchen bezeichnet). Durch die Tür trat es ein und wandte sich dem Kundenstrom anpassend nach rechts Richtung Schulbedarf. Nach einem großen imaginären Fragezeichen und diversen Ausrufezeichen die über Frau G.'s Kopf erschienen startete der Samstagsspaß.
Stellen Sie sich nun zu folgenden beschriebenen Aktionen eine lustige Zirkusmelodie im Hintergrund vor, die alles hübsch bunt untermalt.
„Frettchen??“ „Oh!“ „Huuh?“ „Waaah!“ schallte es durch den Laden. Das Frettchen huschte von einem Regal zum nächsten, genialerweise boten alle eine 2cm hohe drunterhusch-Lücke. So huschte es hin und her und lachte über die tollpatschigen Tanten, die es zu fangen versuchten.
Die Akteure: Frau S. mit einer Tüte Kekse in der Hand, streute hier und da einen Keks aus um das Tierchen anzulocken. Kundin 1 lief mit Papierkorb hinterher. Ihre Söhne jeweils mit Regenschirm und Papierkorb in der Hand. Eine weitere Kundin fand alles sehr amüsant und versuchte trotzdem Servietten zu finden. Stiftechefin lief mit einer Schultüte zwischen den Regalen um es gegebenenfalls einzutüten. Frau G. fing das gescheuchte Frettchen mit bloßen Händen, nur um in den Finger gebissen zu werden. Windenderweise und furchtbaren Gestank verbreitend flüchtete es allerdings wieder.
Eine Horde Clowns die auf Einrädern durch den Laden fahren hätte in diesem Moment nicht kurioser gewirkt.
Letztendlich saß das Marderbaby unter einem Regal fest. Frau G. baute Türme aus Kopierpapier und Schachteln auf um es an der Flucht zu hindern, doch es flüchtete hinter die Regalkonstruktion der Rückwand. Da dieses der einzige Zugang war, konnte es nun nicht mehr ungesehen raus. Aber es fühlte sich dort wohl.
Stiftechefin tat den Vorgang im Internet kund, dadurch wurde eine Lebendfalle vorbeigebracht, die allerdings zu groß für ein Marderbaby war. Ein zufällig im Laden stehender Feuerwehrmann bekam ein Gespräch mit, lag anschließend auf dem Boden unter die Regale spähend, gab Tipps und Infos über das Marderverhalten. Dank ihm und einer anderen Kundin wussten die Stiftverkäuferinnen nun auch, dass Marder keine Kekse mögen, sondern lieber Fleisch fraßen. Der Laden wurde von Kekskrümeln befreit.
Frau S. machte Feierabend, Stiftechefin und Frau G. noch immer ratlos.
Eine Leiter! Man könnte ja mal hinters Regal schaun.
Erinnern Sie sich nun wieder an die Zirkusmelodie!
Frau G. steigt auf die Leiter, stellt fest, dass der Kopf nicht zwischen Holzrückwand und Decke passt. Staub verfängt sich in Wimpern und Frisur. Stiftechefin mit schmalerem Kopf, steigt auf die Leiter und linst in den Hintergrund, findet aber auch keinen Marder. Ist für den außergewöhnlichen Körpereinsatz mit einem schwarzen Staubstreifen im Gesicht belohnt.
Leiter rauf, Leiter runter, Leiter wird hin und her gerückt. Leiter bringt es doch nicht weiter!
Gesicht reinigen, neuer Plan.
Nach Feierabend sollte eine Rattenfalle besorgt werden, die mit Fleischköder gespickt das Tierchen fangen soll. Lebend natürlich, man ist ja kein Unmensch.

Zwischendrin in diesem Chaos geschah auch noch ein Vater mit seinem Sohn, die die gemeine Stiftverkäuferin um Rat baten, wo man denn eine Sängerin herbekommen könne, man sei eine Band aus Hannover und auf der Suche bla und blubb.
Frau G. natürlich hilfsbereit, schickt sie zur Musikschule.
Kurz vor Feierabend ist der werte Herr am Telefon, bedankt sich für den Tipp und bat die gemeine Stiftverkäuferin doch auch um ihre Meinung zu dem Song, zu finden unter folgender, diktierter Youtube Adresse. In 4 Wochen seien sie wieder in der Stadt und wollen dann die Meinung erfragen. Natürlich! Frau G. ist ja immer bereit für weiterführende Musik Beurteilungen.


Dann... war auch endlich Feierabend und die gemeine Stiftverkäuferin konnte sich in ihrem Haus einigeln und über die Begebenheiten der Woche nachdenken.

Fortsetzung folgt.