Es geschah in einer Woche, in der eh
schon komische Dinge geschahen.
Die Stiftekollegin Frau S. hatte einen
Stalker, der jeden Tag um die gleiche Uhrzeit vorm Laden stand um sie
anzuschaun. Ein Mann, wie er sonst nur in amerikanischen Trailerparks
zu sehen ist, wie er mit einer Schrotflinte auf Bierdosen schießt.
Unheimlich, unangenehm, unnötig! Aber
sowas von. Man regte sich auf und notierte jeden Schritt des Stalkers
und stalkte damit zurück.
Ein furchtbar kitschiger Glas-Chihuaha
entschloss sich zum Selbstmord durch spontane Selbstexplosion. Seit
Wochen hing er an der Kasse und stellte seine glitzernde
Fürchterlichkeit zur Schau und eines Donnerstag Nachmittages war es
dann soweit: * Peng * sein Leben endete und die Stiftverkäuferinnen
hatten was zu fegen.
Natürlich wurde der gemeinen
Stiftverkäuferin Frau G. die Schuld in die Schuhe geschoben, obwohl
sie den Tag garnicht da war, hätte sie den Vorfall per unheiligem
Ritual von zu Hause aus verursachen können. Eine andere Erklärung
gab es ja schließlich nicht.
Dann schlug die Uhr Samstag. Nicht viel
war bis Mittag passiert und 4 Stunden noch trennten die
Stiftverkäuferinnen vom Feierabend. Frau G. stand hinterm
Kassentresen als ein Marderbaby den Laden betrat (Unwissenderweise
wurde es die erste Zeit als Frettchen bezeichnet). Durch die Tür
trat es ein und wandte sich dem Kundenstrom anpassend nach rechts
Richtung Schulbedarf. Nach einem großen imaginären Fragezeichen und
diversen Ausrufezeichen die über Frau G.'s Kopf erschienen startete
der Samstagsspaß.
Stellen Sie sich nun zu folgenden
beschriebenen Aktionen eine lustige Zirkusmelodie im Hintergrund vor,
die alles hübsch bunt untermalt.
„Frettchen??“ „Oh!“ „Huuh?“
„Waaah!“ schallte es durch den Laden. Das Frettchen huschte von
einem Regal zum nächsten, genialerweise boten alle eine 2cm hohe
drunterhusch-Lücke. So huschte es hin und her und lachte über die
tollpatschigen Tanten, die es zu fangen versuchten.
Die Akteure: Frau S. mit einer Tüte
Kekse in der Hand, streute hier und da einen Keks aus um das Tierchen
anzulocken. Kundin 1 lief mit Papierkorb hinterher. Ihre Söhne
jeweils mit Regenschirm und Papierkorb in der Hand. Eine weitere
Kundin fand alles sehr amüsant und versuchte trotzdem Servietten zu
finden. Stiftechefin lief mit einer Schultüte zwischen den Regalen
um es gegebenenfalls einzutüten. Frau G. fing das gescheuchte
Frettchen mit bloßen Händen, nur um in den Finger gebissen zu
werden. Windenderweise und furchtbaren Gestank verbreitend flüchtete
es allerdings wieder.
Eine Horde Clowns die auf Einrädern
durch den Laden fahren hätte in diesem Moment nicht kurioser
gewirkt.
Letztendlich saß das Marderbaby unter
einem Regal fest. Frau G. baute Türme aus Kopierpapier und
Schachteln auf um es an der Flucht zu hindern, doch es flüchtete
hinter die Regalkonstruktion der Rückwand. Da dieses der einzige
Zugang war, konnte es nun nicht mehr ungesehen raus. Aber es fühlte
sich dort wohl.
Stiftechefin tat den Vorgang im
Internet kund, dadurch wurde eine Lebendfalle vorbeigebracht, die
allerdings zu groß für ein Marderbaby war. Ein zufällig im Laden
stehender Feuerwehrmann bekam ein Gespräch mit, lag anschließend
auf dem Boden unter die Regale spähend, gab Tipps und Infos über
das Marderverhalten. Dank ihm und einer anderen Kundin wussten die
Stiftverkäuferinnen nun auch, dass Marder keine Kekse mögen,
sondern lieber Fleisch fraßen. Der Laden wurde von Kekskrümeln
befreit.
Frau S. machte Feierabend, Stiftechefin
und Frau G. noch immer ratlos.
Eine Leiter! Man könnte ja mal hinters
Regal schaun.
Erinnern Sie sich nun wieder an die
Zirkusmelodie!
Frau G. steigt auf die Leiter, stellt
fest, dass der Kopf nicht zwischen Holzrückwand und Decke passt.
Staub verfängt sich in Wimpern und Frisur. Stiftechefin mit
schmalerem Kopf, steigt auf die Leiter und linst in den Hintergrund,
findet aber auch keinen Marder. Ist für den außergewöhnlichen
Körpereinsatz mit einem schwarzen Staubstreifen im Gesicht belohnt.
Leiter rauf, Leiter runter, Leiter wird
hin und her gerückt. Leiter bringt es doch nicht weiter!
Gesicht reinigen, neuer Plan.
Nach Feierabend sollte eine Rattenfalle
besorgt werden, die mit Fleischköder gespickt das Tierchen fangen
soll. Lebend natürlich, man ist ja kein Unmensch.
Zwischendrin in diesem Chaos geschah
auch noch ein Vater mit seinem Sohn, die die gemeine Stiftverkäuferin
um Rat baten, wo man denn eine Sängerin herbekommen könne, man sei
eine Band aus Hannover und auf der Suche bla und blubb.
Frau G. natürlich hilfsbereit, schickt
sie zur Musikschule.
Kurz vor Feierabend ist der werte Herr
am Telefon, bedankt sich für den Tipp und bat die gemeine
Stiftverkäuferin doch auch um ihre Meinung zu dem Song, zu finden
unter folgender, diktierter Youtube Adresse. In 4 Wochen seien sie
wieder in der Stadt und wollen dann die Meinung erfragen. Natürlich!
Frau G. ist ja immer bereit für weiterführende Musik Beurteilungen.
Dann... war auch endlich Feierabend und
die gemeine Stiftverkäuferin konnte sich in ihrem Haus einigeln und
über die Begebenheiten der Woche nachdenken.
Fortsetzung folgt.
