Sonntag, 5. Mai 2013

Der Frühling und die Düfte


Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße wohlbekannte Düfte...
obwohl. Wohlbekannt waren sie schon, süß jedoch nicht.

Der Frühling im Stifteladen. Herrlich. Die dunklen Winterfarben verschwinden und fröhliches Quietschgrün, elegantes Rosé und peppiges Pink fluten die trüben Flure. Es könnte so herrlich sein. Wären da nicht die Kunden. Nein, nicht alle. Aber manche.

Zwei Studenten betraten den Laden. Sie schlürften fruchtige Milchshakes vom gelben M und sahen sich ein wenig in der Stifteabteilung um. Sie waren auf der Suche nach hyperbelbionischen Quadratverrundungsschablonen. Nennen wir es jetzt mal so, für die unstudierte Stiftverkäuferin kam es im Endeffekt aufs gleiche hinaus. Aber sie hatte zumindest schon davon gehört und kramte sogleich in der Bestellvorgangsschublade mit den Schablonenkatalogen. Und siehe da: da waren sie.
„Was kosten die denn und können Sie die bestellen? *schlürf *“
Frau Comorph blätterte und beschloss sich Rat vom Einkaufskollegen zu holen. Sie wählte und wartete. Die Studenten warteten ebenfalls *schlürf *.
Ansonsten war es sehr ruhig, alle 5m Stand eine weitere Stiftekollegin an einem Tisch und blätterte, bestellte und notierte zu bestellende und notierende Dinge.
Ja, was kosten die...? Welche Menge... ? Welche Lieferzeit...?“
Frau Comorph telefonierte und notierte und roch...
Verbrannter Radiergummiarsch nochmal! Auf einmal kroch ein gar unglaublich garstiger Geruch unter ihren Nasenflügeln entlang, grinste ihr frech ins Gesicht und drehte eine Extrarunde um die Nasenspitze. Sie blickte zu den Unschuldsmienen der Studenten *schlürf *. Von da kamen Preiserwartende Blicke. Sie sah zur nächsten Stiftekollegin – die blätterte, stutzte und schaute kurz auf. Woher kam dieser finstere Gruftgeruch? Sie roch erneut... Es war ein Furz! Vermutlich war es die Mutter aller Furze, der Godfather of Pups, eine Blähung aus der Hölle! Kein normaler Mensch konnte so etwas produzieren. *schlürf *
Doch sie hatte die Täter im Blick. Würden sie nur nicht so unschuldig schauen. Sie waren perfekte Schauspieler der perfidesten Art.
Nunja, eine akkurate und gewissenhafte Stiftverkäuferin kann auch in Extremsituationen so tun also ob nichts wär. Innerlich ein aufgewühlter Ozean, ein Malstrom, ein Tsunami... und äußerlich kühl wie der Hintern eines Pinguins.
Irgendwie verlief das Gespräch im Dunkel der brodelnden Wolke weiter, aber den Studenten *schlürf * war der Preis zu hoch und die Lieferzeit zu lang (man hatte ja verpennt, dass man die Schablone in 2 Tagen zur Prüfung braucht!). Sie wollten es sich jedoch überlegen und am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.
Man verabschiedete sich und die Studenten *schlürf * verließen mit ihren Milchgetränken den Stifteladen. Leider ließen sie ihren Geruch dort. Und wie ein Band der Frühlingsdüfte zog er lachend durch die Lüfte. Nun kam auch die zweite Stiftekollegin um die Ecke geschossen und fragte, was der wunderliche Duft wohl sei. ...Ihre Worte waren zumindest ähnlich.
Was mag wohl in den Bechern gewesen sein? Waren nerdige Studenten unumgänglich unwissende Laktoseintollerante? Gelernt sich zu benehmen haben sie zumindest nicht! Hier ein böser Fingerzeig der gemeinen Stiftverkäuferin.

Was die Jugend jedoch gelernt hat ist: Fragen stellen. Diesbezüglich werfen wir heute einen Blick auf die Rückfrage einer absoluten Verneinung. Es gibt mehrere Arten einer Verneinung. Eine ist nicht absolut (ich glaub ich hab heut keine Lust, ein Eis zu essen) und lässt sich mit gezielter Hinterfragung doch auf eine positive Antwort bringen (ja, ok, weil du es bist..).
Aber es gibt auch absolute Verneinungen ( Er lebt nicht mehr) die sich nicht zum positiven bringen können. (Wirklich nicht? - Ach, jetzt wo ich genau hinschaue...) Nein, manchmal ist ein Nein, einfach ein Nein.
Hier nun mehrere Beispiele von Kundenanfragen:
Haben Sie Holzperlen?“
Nein.“
Garnicht?“
Oder:
Haben Sie Filz?“
Nein.“
Garnicht?“
Interessanterweise fragen junge Leute immer mit dem gleichen Wort-of-hell nach. Auch die nette Praktikantin, die den Stifteladen für kurze Zeit besuchte, verstand sich geschickt darin dieses lustige Fragespiel zu spielen.
Haben Sie Kinder?“ Blickt die gemeine Stiftverkäuferin und ihre Kollegin an.
Nein.“ antworten beide.
Garnicht?“
... ach wo Sie so fragen, ich glaube, ich habe da vermutlich schon so ein-zwei uneheliche Kinder, die irgendwo bei den Vätern leben könnten...! NEIN!“
Merkt euch also folgendes: Wenn ihr im Stifteladen einkaufen geht und irgendeinen Stifteladenunkompatiblen Artikel nachfragt wie Perlen, Stoffe, Häkelnadeln, Blumentöpfe und ähnliches, und ihr ein „Nein“ zur Antwort bekommt, dann ist das „Nein“ auch ein „Nein“ und kein „ach, ich guck doch mal eben, ich kenn mich hier nicht aus, vielleicht in der Schublade mit den Kugelschreiberminen...“-Nein. Aber da die gemeine Stiftverkäuferin eine nette solche ist, antwortet sie auf die absolute Hinterfragung: „Nein, wirklich nicht. Schauen Sie da bitte im diesbezüglichen Spezialgeschäft.“

So zieht der Frühling nicht nur Düfte
sondern gern auch Fragen durch die Lüfte,
die den Verkäuferinnen die Haare sträuben
während Bienen die Blumen bestäuben,
Träumen Veilchen schon
-Horch, ein genervter Unterton!-
Den habt ihr schon vernommen.
Frühling, ja du bist's, jetzt kannste kommen.