Kaum war der Urlaub vorbei, war der
Alltag wieder da. Frau Comorph schlüpfte ins
Stiftverkäuferinnen-Kostüm und betreute wieder verlorene Seelen und
bedürftige Menschen. Während des Schulanfangs war der Laden
geproppt voll und die Stiftverkäuferinnen rannten hin und her, wie
emsige kleine Bienchen um die Wünsche der Schul-Muttis zu erfüllen.
Als dann die Schule wieder anfing,
kehrte auch wieder Ruhe im Stifteladen ein. Jetzt tauchten auch die
älteren Damen und Herren wieder im den Laden auf, denn zum
Schulanfang sah man sie nur kurz den Laden betreten, den Kopf
schütteln und wieder verlassen. Es war zeitweilig sogar so ruhig,
dass Frau G.'s Kollegin in einer ruhigen Minute den Furz eines
Rentners hören konnte. Das wäre noch vor einiger Zeit nicht
passiert.
Man begann also sich Abwechslung zu
wünschen. Doch wünsche dir nie, was du nicht auch wirklich willst!
Denn so kamen auch die Freaks wieder.
Eines Tages stand ein Mann vor der
gemeinen Stiftverkäuferin und bedankte sich dafür, dass sie sich
seine eigenartigen Musikvideos angesehen hatte. Wir erinnern uns...
lustiges Telefonat, durchgeben des Video-Kanals auf Videoseite,
anschauen des Musikvideos, tränenlachen, herumkringeln und Mitleid
haben.
Freundlicherweise trug er einen Kaktus
bei sich, den er der gemeinen Stiftverkäuferin schenkte. Als
Dankeschön für ihre Meinung. Meinung? Welche? fragte sie sich, denn
sie hatte ihm nicht gesagt was sich darüber dachte.
Leider war der Laden leer, die
Wortfülle des Kunden unendlich und Frau G.'s Laune gnädig. Und
diverse Minuten später wusste sie Bescheid über Verschwörungen und
Verheimlichungen, Verfolgung und Verrat in der kleinen Stadt über
die das Lied handelte. Handelte? Sie gab dem unglücklichen Mann den
Tipp seine Hinweise genauer zu platzieren. Hat sie davon nichts in
den Videos gefunden.
Der Mann ging, Frau G. ging ebenfalls,
in den Keller zum Lachen. Der Kaktus ging mit zu ihr nach Haus und
bekam den Namen: Familie Firlefanz. Familie, da er aus vielen
kleinen, Knöllchen besteht und sich auch Bodendecker nennt.
Kack-Tus.
Als nächstes bekamen die
Stiftverkäuferinnen Besuch von der Eigenartigen Dame. Diese, Frau G.
kannte sie schon, war sehr eigenartig, aber auch interessant. Die
neue Kollegin Frau F bediente sie diesmal – Frau G. lauschte.
„Ja, die sind ja so böse, so böse
alle sind böse..“ murmelte sie, während Frau F. Briefumschläge
darbot und Frau G. hinterm Regal kicherte. Hätte sie doch zu gern
gesehen, was sich dort abspielte aber das wäre zu auffällig
gewesen.
„Sie haben ja keine Ahnung, was der
tut! Sie können das ja nicht wissen.“ zeterte die Eigenartige
Dame, während sie wieder zur Kasse gingen. Frau F., konfus,
versuchte herauszufinden, wovon das Gespräch handelte, aber
scheinbar war sie nicht die Gesprächspartnerin. Sie lächelte und
nickte, besser kann man in solchen Fällen nicht reagieren.
Frau F. kassierte und steckte die
Briefumschläge in eine Tüte. „Das Mädchen“ - Eigenartige Dame
zeigte auf die Abbildung auf der Tüte - „ist auch böse! Aber Sie
wissen das ja nicht! Das können Sie nicht wissen. Die sind alle
böse. Böse sind die. Das können Sie nicht wissen...“
Frau F. verwirrt, checkte aber
inzwischen die Lage! Ja, es handelte sich um einen der Freaks. Kundin
verließ murmelnd den Laden, bis sie vorm Kalenderständer stehen
blieb. „The Rabbit- böse, böse...“ *murmel *
Ach, und kannten Sie schon den
Unterschied zwischen einem Wurmi und einem Wurli?
Die gemeine Stiftverkäuferin auch
nicht – und wurde von einem ca 6jährigen Jungen aufgeklärt.
„Sie verkaufen den WurLi, der ist
nicht gut. WurMi ist besser. Der hat einen schwarzen Faden und WurLi
hat einen durchsichtigen, der reißt schneller. WurMi hat ein
weicheres Fell und WurLi hat hinten eher Borsten. Bei WurMi steht auf
der Packung die Beschreibung Soundso und bei WurLi steht das anders,
daran kann man das erkennen. WurMi ist das Original und WurLi ist
nachgemacht. WurLi hatte ich schon und der war doof und WurMi hab ich
jetzt, der ist besser. Weil wenn man den über die Hand laufen lässt,
sieht das aus wie echt und bei WurLi war das nicht so und der geht
auch schneller kaputt....“ blah ohne luftzuholen, darum kürzen wir
hier jetzt ab. Frau G. konnte das im sehr einseitigen Gespräch mit
dem illustren Knaben nicht, darum malte sie sich aus, wie seine
späteren Schulkameraden auf so ein Problem wohl reagieren würden...
Das Gespräch handelte hier übrigens
von bunten Fusselwürmern am Faden. Nichts lebenswichtiges. Nur ein
profanes 2€ Produkt für Kinder! Der Vater des Knaben stand daneben
und lauschte ergeben der Wortwelle die da rauschte. Die gemeine
Stiftverkäuferin hoffte, dass er irgendwann den Mut fand, seinen
Sohn einzuschränken. Oder zum Psychologen zu gehen. Was Kinder von
heute doch für Probleme haben, wenn die gekauften Produkte nicht das
Japanische Original sind, sondern eine Thailändische Kopie.
Letztendlich erreichte ein Fax den
Stifteladen, mit dem Wunsch eines Syrischen Arzt-Soldaten, der von
einer Syrischen verlorenen Familie 24Millionen Euro bekommen hatte,
dieses Geld aber nicht behalten durfte, da Syrische Arzt-Soldaten
kein Geld besitzen dürfen. Ist ja logisch. Folglich suchte er eine
Deutsche Firma, der er das Geld überlassen konnte. Natürlich suchte
er sich den kleinen Stifteladen in der kleinen Kleinstadt am
Mittelgebirge aus. Vermutlich wusste er um die dortigen Gegebenheiten
und wollte den Stiftverkäuferinnen was gutes Tun, in dem sie einen
riesigen Stiftekonzern mit dem Geld der verlorenen Familie gründen
können. Was auch immer eine verlorene Familie war. Frau G.
unterzeichnete das Fax mit den Worten: Vielen Dank, wir nehmen das
Angebot an und werden in Syrien einen Stifteladen eröffnen, damit
Syrische Kinder auch tolle Stifte haben! Und schickte es an die
Geschäftsleitung weiter. Vielleicht verlor eine verlorene Familie
tatsächlich Geld, aber das Fax verlor seine Glaubwürdigkeit bei
erreichen des Ladens. Verloren hatte hier nur das Fax:
Tonerverschwendung.
Doch es geht auch anders: Ein Telefonat
huschte die Stiftverkäuferin wieder aus ihrem Trott, nur ein paar
Tage später!
Ein finsterer Mann von der Behörde für
Urheberrechtsverletzungen rief an und beschuldigte die gemeine
Stiftverkäuferin einen illegalen Download von Musik und Video aus
dem WWW betrieben zu haben. Er hatte angeblich Tipps aus ihrem
Bekanntenkreis bekommen. Auf den Einwurf: „Das glaube ich nicht!“
reagierte er mit „Lassen Sie mich ausreden!“ und nachdem mehrere
seltsame knaarzer und knirscher Frau G. auf einmal richtig zuhören
ließen, ärgerte sie sich über diesen tristen Tonband-Terror und
legte lieber auf. Was sich die Leute nur dachten!
Sodenne, sprach auch ein weiser Mann,
wünsche dir nie, zu leben in interessanteren Zeiten. Denn auch
wahnwitzig wackeres Wunschwollen kann manchmal in Erfüllung gehen!
Ich mag deinen Schreibstil echt so sehr!
AntwortenLöschenUnd deswegen ein kleiner Award von mir ;)
http://tormented-design.blogspot.de/2012/10/ich-danke-der-economy.html
Oh, welch eine Ehre! *freu* Vielen Dank! :)
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