Donnerstag, 19. Juli 2012

Der Tag an dem die Stiftverkäuferin auszog um eine Hose zu kaufen


Der Tag an dem die Stiftverkäuferin auszog um eine Hose zu kaufen
Bzw die Tage


Es geschah zu einer Zeit, die ungünstiger nicht sein konnte. Sommeranfang. Frau Comorph's Hose riss entzwei. Ja, Frau Comorph ist in Wirklichkeit die gemeine Stiftverkäuferin, wer hätts gedacht!

Es war ihre Lieblingsjeans *schnüff *, mittelblau, leicht verwaschen, perfekter Sitz und perfekte Länge. Nicht zu modisch und nicht zu langweilig. Einfach ideal für Beruf und Freizeit. Doch eines Tages kommt immer der Augenblick, an dem man feststellen muss, dass die Hose an der ein oder anderen Stelle fadenscheinig wird. Und dieses stellte Frau Comorph schon seit längerem fest und infolge dessen etwas aktueller, eine Lochbildung an dieser fadenscheinigen Stelle.
Groß war die Trauer und groß der Kummer.
Aber was soll man lange trauern, wenn die Auswahl der Jeansverkaufenden Läden in der kleinen Stadt doch so groß ist, dass es Sommerlicherweise doch kein Problem sein sollte eine identische Hose zu finden. Wir erinnern uns, der Auftrag lautete: Kauf eine Hose, eine Jeans, mittelblau, gerades Bein, leicht verwaschen, perfekter Sitz. Sollte nicht so schwer sein, da Frau Comorph schlank, gerade gewachsen und proportional optimal ist.
So war der Plan.

Die Ausführung.
Die gemeine Stiftverkäuferin hat pro Tag 45 Minuten Mittagspausenzeit um eine Hose kaufen zu gehen. Eine Hose zu finden und anzuprobieren sollte viel weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Tag 1: Da Frau Comorph noch einen Restgutschein hatte, versuchte sie ihr Glück zuerst in dem kleinen pinkfarbenen Lädchen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte sie dort eine Jeans erworben, die von relativ guter Qualität ist. Und sie erinnerte sich an Unmengen von Jeans, die dort zur Erwerbung ausgestellt waren. Diese Unmengen fand sie auch. Doch bestanden sie meist aus großen Größen. 4 Hosen allerdings hatten die richtige Größe und wurden mit in die Umkleidekabine genommen. Perfekterweise waren sie sogar reduziert und kosteten weniger als die Hälfte!
Hose 1: zu groß. Hm, Größe 36...seltsam.
Hose 2: zu groß und zu lang. Ebenfalls Größe 36
Hose 3: zu klein. Auch eine Größe 36
Hose 4: der Favourit vom Ausehen, Größe 34, aber zu groß.
Verärgert hing sie die Hosen zurück und suchte in der Ecke mit aktueller Mode. Doch dort befanden sich nur Röhrenjeans. Und die wollte Frau Comorph nicht. Hatte sie schon.
Auf dem Rückweg machte sie noch Stopp im großen Warenhaus der Stadt, das nach dem Umbau mit frischem und neuem Design warb. Doch die Modeabteilung war weder frisch noch vom Design für die junge und modische Stiftverkäuferin geeignet. Denn altbacken und Bauchnabelhoch hingen dort Hosen für Frauen jenseits der Menopause. Aber man kann bei der Gelegenheit bei den super teuren BHs schaun, denn sowas wollte man ja auch mal immer anprobieren. Doch, der Tag stand nicht unter guten Sternen, selbst ein BH jenseits des erträglichen Preises war nicht gewillt sich dem Körper der Frau Comorph anzupassen. Vielleicht wäre dies der Zeitpunkt für eine spontane und verkaufswillige Unterwäscheverkäuferin gewesen, aus dem Nichts vor der Umkleidekabine zu erscheinen und sofort den passenden BH aus der Rocktasche zu zaubern. Aber Verkäuferinnen gab es hier nicht, die versteckten sich lieber.
Damit war die Pause auch vorbei.

Tag 2: Heute hatte die gemeine Stiftverkäuferin frei und war mit dem Captain in dessen Heimatstadt unterwegs. Er besuchte seinen Großvater und Frau Comorph nutzte die Zeit um etwas einzukaufen. Geplant waren Lebensmittel, aber die gab es neben dem tollen Laden mit der lauten Musik. Nach dem Eintreten befand sie sich in einem Hosen-Mekka. Hunderte von Farben, Formen und alles reduziert. Naja, fast alles. Es gab Millioooonen, reduzierte Hosen, die man duchgucken konnte! Und Zeit im Überfluss. Also, durchgucken. Und gucken. Und Hosen blättern wie Buchseiten auf der Suche nach der Stelle wo man gestern eingeschlafen ist. Zu groß, zu groß, zu klein, hässlich. Wer trägt bitteschön Schlumperhosen-Jeans? Leider war ein Großteil der Jeans entweder in der falschen Größe oder mal wieder eine Röhrenjeans. Hier lernte Frau Comorph auch den Unterschied zwischen Skinny Jeans und Super-Slim-Skinny und diversen anderen lustigen Bezeichnungen. Draußen ging derweil die Welt unter in einem tosenden Gewittersturm. Doch im Laden war es, bis auf die lästige Musik, ganz angenehm. Mit 5 Hosen begab sie sich in eine Umkleidekabine.
Hose 1: zu groß.
Hose 2-5: ebenfalls, wir kürzen das hier jetzt etwas ab. Seltsamerweise waren die Hosen an den Beinen passend, nur am Bauch standen sie ab. Was muss eine Frau für eine Figur haben um dort hineinzupassen?
Verfrustet stieg sie wieder in die eigenen Hosenbeine und schaute was es noch so gab. Immerhin gab es hier passende BHs. Ja, und dieser befand sich außerordentlich unter dem gewillt zu bezahlenden Betrag. Immerhin ein Erfolg der Woche.
Am anderen Ende des Ladens befanden sich ebenfalls Jeans, doch beim genaueren Hinschauen, waren es genau die gleichen, die sich schon am entgegengesetzten Ende befanden. Seltsame Warenpräsentation.
So freute sich Frau Comorph zumindest über den kleinen Sieg der Unterwäsche.

Tag 3: Da Frau Comorph aufs Mittagessen verzichtete hatte sie nun etwas mehr Zeit und begann ihre Suche im großen schwedischen Modehaus. Doch ein schneller Blick zeigte: hier gibt’s nur Röhrenjeans. Ärgerlich. Farblich wären sie zwar ganz nett, aber eine Röhre wollten wir ja nicht.
Weiter geht’s zum schicken kleinen Lädchen an der Ecke. Dort hingen tatsächlich die perfekten Jeans, aber den Preis war Frau Comorph nicht bereit zu zahlen! Unverschämtheit. Was denken die sich? Weiter in den bunten Laden mit der lauten Musik – den gab es hier auch -, doch hier gab es die gleichen Hosen noch einmal, die sie einen Tag zuvor anprobiert hat.
Langsam kroch die Überlegung durch die staubigen Hirnwindungen: was, wenn es gar keine Hose gibt, so wie die alte war? Was, wenn man nun doch nur eine Röhrenjeans nehmen muss? Eine enge, modische, zu der man nie die passenden Schuhe hat? Aber zumindest hätte man dann eine Hose...
Zurück zum schwedischen Modeladen. Dort hingen viele verschiedene Röhrenjeans. Beim Durchschauen fand sich sogar eine gerade geschnittene, mittelblaue, leicht verwaschene Jeans. Doch nun stand Frau Comorph vor dem nächsten Problem: Verdammt.. welche Größe?? 34, 32, 28, 29?
Also anprobieren. Sie nahm die kleinste Größe mit, eine 29, dazu ein paar gleichgrößige (ja, gleichgrößige!) Röhrenjeans, annehmbarem Designs. Doch, das kannten wir schon: alles zu groß! Was für eine Welt ist das eigentlich?? Die kleinste Hose war eine 26, die war allerdings zu klein. Eine 27 gab es, die passte auch, gefiel aber nicht, war auch 30cm zu lang. Wie traurig. Dann war die Pause auch schon wieder vorbei.
Wieder ein Tag ohne Hose.

Tag 4.
Langsam machte sich Frau Comorph Gedanken, ob sie tatsächlich noch eine Hose finden würde. Oder ob es gänzlich unmöglich sei, zumindest in diesem Sommer.
Viele Möglichkeiten blieben nicht mehr. Das Internet, so groß es auch war, wurde schon früh ausgeschlossen, da einfach die Möglichkeit des Anprobierens nicht gegeben war. Und bei den seltsamen Hosengrößen war es absolut unumgänglich.
2 Geschäfte gab es noch, die man in der Pause aufsuchen konnte. Doch standen die Chancen schlecht. Bei Clemens und August hatte sie selten etwas schönes gefunden. Und dann gab es noch den bunten Teenie Laden. Doch die Zeiten waren eigentlich vorbei.
Aber es gab noch Zeichen und Wunder in dieser seltsamen Welt. Denn als Frau Comorph den grellen Laden mit laut tönender Musik betrat, schien ein Licht vom Himmel und leuchtete auf eine Hose, die einer Offenbarung gleich kam.
Gut, man sollte nicht übertreiben. Sie war mittelblau, leicht verwaschen und günstig. Allerdings war sie doch eine Röhre. Oder Slim-Skinny-Style. Aber sie war günstig und bestand aus so einem zauberhaft weichen Stoff, dass Frau Comorph es bis heute nicht satt ist, über ihre Beine zu streichen und sich an der Weichheit des Jeansstoffes zu erfreuen. Negativerweise sollte hier aber auch die kleine böse Stimme im Hinterkopf erwähnt werden: Jaaa, dann hält sie aber auch nicht lange!
Aber sie war nicht teuer, hatte ein schönes Blau, die perfekte Länge und überhaupt sind Röhrenjeans der letzte Schrei und fetzen total.
So soll uns diese Geschichte einer Frau, die auszog um eine Hose zu kaufen, nahebringen, wie doch die Welt von der Modeindustrie dominiert wird. Sagt noch einmal, ihr werdet nie bunt karierte Schlumperhosen tragen, bis es überall nur noch bunt karierte Schlumperhosen gibt. Dann findet ihr die so genial! Gut, das trifft jetzt nicht auf jede Modesünde zu.
Aber Frau Comorph für ihren Teil hat aus der Mode gelernt. Sie besitzt nun 3 Röhrenjeans und hat nicht ein perfektes Paar Schuhe dazu. Außer den Ballerina. Aber die kann man ja nicht bei Regen tragen.....


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