Sonntag, 22. Juli 2012

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin – Kinder, Kinder!


Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin – Kinder, Kinder!


Es ist mal wieder an der Zeit darüber zu berichten, was doch diese kleinen, menschenähnlichen Wesen, die Tag ein Tag aus in den Stifteladen kommen, für abenteuerliche Geschichten mit sich bringen.
Gerade jetzt zu Zeiten des nahenden Schulanfangs wird es besonders lustig. Kinder, die ihren ersten Schulranzen bekommen, betreten den Laden mit Augen groß wie Untertassen, laufen staunend von Dino zu Transformers, wollen alle Ranzen am liebsten mit nach Hause nehmen... oder sind absolut unbeeindruckt. Ja, das gibt es auch. Während Luca S. seine Eltern versucht zu überzeugen, dass er auch in 5 Jahren noch immer den heißgeliebten (meist Liebe auf den ersten Blick) Schulranzen mit dem Traktor drauf zur Schule tragen wird, weil der ja sooo toll ist und überhaupt ist da ja auch ein Anhänger dran! Ist Celina K. völlig apathisch. Versteckt sich hinter dem Rücken ihrer Mutter, schaut nur auf den Boden und lässt sich wahllos Ranzen für Ranzen auf den Rücken schnallen um lustlos anzuprobieren, welcher am besten passt. Welcher ihr dann gefällt, lässt sich auch nur herausfinden, wenn die Eltern die ins Ohr geflüsterten Worte übersetzen. Aber selbst nach dem Kauf verhält sich ein solches Kind nicht gerade überschäumend vor Freude. Der Ranzen wandert in eine Tüte und das Kind verlässt den Laden, während die Eltern sich noch für die Geduld der Stiftverkäuferin bedanken. Luca S. wiederum mag den Ranzen zum Kassiervorgang gar nicht erst abnehmen. Da muss die Stiftverkäuferin die Zettel abschneiden, das Zubehör einladen und hoffen, dass der Ranzen bis zum Schulanfang nicht zum Alltagsaccessoire mutiert. Aber sie freut sich über die Eltern, die dann wieder kommen und berichten, dass der Ranzen mit im Bett schlafen muss und schon allen Verwandten und Freunden gezeigt wurde. So muss das eigentlich sein!
Überschäumende Kinder machen Spaß. Wie der kleine Tim, der während der Anprobe aus dem Nichts mitten im Gespräch in die Runde rief: Ich habe Schildkröten! * große Lolli-Augen *
Tja, was soll man dazu sagen. Kinder benötigen in manchen Augenblicken vollste Aufmerksamkeit. Und wenn sie die nicht bekommen, wird sie geschaffen. Egal was herum passiert.
Letztens kam ein kleiner Junge in den Laden, drängelte sich durch 5 Personen die an der Kasse standen durch, kämpfte sich zum Tresen, fixierte Frau G. mit den großen Lolli-Augen und rief: ICH HABE DAS!!! Ein verpacktes Etui hochhaltend, was er irgendwo anders erworben hatte. Auftrag erfüllt! Die Mutter, noch gerade am Eingang schmunzelte nur, denn sie war die Auftraggeberin. Wenn du das Etui nicht in der Tasche tragen willst, dann sag der Tante, dass du das mitgebracht hast. Sonst kommt die Polizei! Oder so ähnlich. Stiftverkäuferinnen wussten jetzt Bescheid. Fertig.
Und damit es nicht zu anderen Verwirrungen kommt, wird die Stiftverkäuferin auch gefragt, ob man das Etui denn auch auspacken darf. Hier im Laden. Unbedingt! Sowas kann spannender sein als ein Ü-Ei.
Verwirrungen gibt es auch manchmal an anderer Stelle. Wenn die Eltern Bekannte treffen, die die Kinder zum ersten Mal sehen. Ja, wer bist du denn?? Fragte der Onkel das kleine Kind mit den langen blonden Locken. Die Henriette? - Nein... * Gesicht versteck * Dann bist du die Barbara? - Nein! *zum Boden schau * Na wie heißt du denn dann? (Frau G. schrie in Gedanken Rumpelstielzchen!) … Maximilian... * hinterm Papa versteck *
Ja, das war für den Onkel ein peinlicher Moment, für die Stiftverkäuferin allerdings wieder ein Grund zum Lachen in den Keller zu verschwinden. Was müsst ihr Eltern auch euren Jungs die Haare lang wachsen lassen und dann asexuell einkleiden? Gelb und Grün... mit braunen Schühchen... Warum nicht die Lederjacke, Sonnenbrille auf den Kopf und ne nette Jeans dazu?
Lustige Accessoires an Kindern können sowieso Spaß machen.
In irgendeinem Masochistenladen gibt es pinkfarbene Zauberstäbe mit Sternchen am Ende, das lustig glitzert und beim Aufprall an diversen Dingen magische Geräusche von sich gibt.
Wenn man nun als Mutter enorme Nerven hat, masochistisch veranlagt ist oder die perfekte Medikamentenmischung entdeckt hat, kann man seinem Kind so etwas schenken. Es wird sich freuen und diesen Zauberstab gerne mit zum Einkaufen nehmen.
Quengelnderweise saß nun dieses Kind auf dem Arm der Mutter und fand es super ihr mit dem Zauberstab auf den Kopf zu hauen. Irgendwas muss man ja machen, wenn die große Schwester im Mittelpunkt steht und einen Füllhalter bekommt. Frau G. bediente zum Glück einen anderen Kunden, wunderte sich aber über die abnorme Geräuschkulisse.
* klonk*
FLUFLUFLUFLUUUUU
* klonk*
FRRRRRRRRPIIUUUUUUUUUU
* klonk*
FUUUAAAUUUAAAUUUAAAAAAAAAAA!!!!!
* klonk*
naja, wir kürzen das hier jetzt mal ab. Frau G. hätte zumindest gerne etwas von den Pillen ab bekommen, die die Mutter geschluckt haben muss, um dieses zu verkraften. Alternativ kann man aber auch so lange die Karten auf den Kartenständern vorm Laden sortieren. Und die arme Kollegin im Zenit des magischen Gewitters bemitleiden. Manch einer lacht hier jetzt. Frau G. nicht. … :D
Schulsachen kaufen mach ja sooo einen Spaß!
Dabei können Kinder aber auch sehr Selbstständig sein. Wie die kleine Pia, die jetzt in die Schule kommt. Nach betreten des Ladens, zuppelte sie ihrer Mutter die Einkaufsliste aus der Hand und kam mit den Worten „ Ich nehm mir ne Verkäuferin“ auf Frau G. zu. Warum auch nicht. Dafür ist sie ja da.
Aktuell musste die gemeine Stiftverkäuferin auch feststellen, dass vor 6 Jahren bei der Namensgebung gern gespart wurde. Waren es im letzten Jahr noch John-Lennard, Sophie-Miriella-Thabea, Hieronimus und Josephine Mercedes, sind es in diesem Jahr eher Pia, Mia, Tim, Luc oder Lea. Wunderlicherweise auch Luna, ein besonders hübscher Name. Kannte Frau G. bisher nur von Sailor Moons Katze und dem Hund einer Bekannten. Aber warum nicht. Frau G.s Kater heißt Paul. Vielleicht nennt sie ihr Kind später einfach auch so.

Jetzt zumindest hat Frau G. erstmal Sommerurlaub, erholt sich vom Stress des Stifteladens und freut sich auf 2 Wochen Kinderfreie Zeit. Also: wegsperren!

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