Eine wundervolle Urlaubswoche ging
vorbei. Frau Comorph und der Captain waren in Hamburg unterwegs und
haben dort diverses Sightseeing betrieben. Sie liefen fröhlich und
Geldausgebend durch die große Stadt und bewunderten Museen, Gebäude
und Stifteabteilungen in Kaufhäusern – Jaa, manchmal vergisst man
doch Dinge, die man unbedingt braucht und muss fremdkaufen gehen. Der
Captain lachte über die Unanwesenheit der örtlichen Verkäuferinnen
und bemerkte:
„Wenn dir langweilig ist, kannst du
dich ja einen Tag lang hier hinstellen und Kunden bedienen – die
wundern sich nachher, über den abrupten Umsatzanstieg!“
Doch leider ging auch diese hübsche
Zeit vorbei.
Montagmorgen. Manchmal gibt es kein
schlimmeres Schimpfwort oder Adjektiv um etwas ungeliebtes
darzustellen.
Frau Comorph, geistig wieder auf
Stiftverkäuferin gepolt und wichtige Dinge im Kopf, wuselte sich zu
Hause zurecht und irgendwas musste in diesem Moment die
Wirklichkeitslinie der ultimativen Erdanziehungsstrahlungen geändert
haben.
Frau Comorphs Handy fiel auf den Boden.
Von da an wies es einen merkwürdigen Fehler auf, denn es speicherte
SMS und Fotos hinter den alten Dateien, statt wie gehabt, davor.
Nunja.
Im Stifteladen ging es in der Art
weiter, wechselte sich aber mit Telefonaten und Kunden ab. In etwa
so:
Telefon klingelt – Gemeine
Stiftverkäuferin telefoniert, schreibt Auftrag.
Kunde kommt in den Laden, benötigt
Dinge.
Telefon klingelt – Kunde hat sich
verwählt.
Stiftverkäuferin lässt eine Tüte
fallen.
Kunde kommt in den Laden – erwirbt
Dinge.
Stiftverkäuferin lässt einen
Briefumschlag fallen. Einen weiteren und eine passende Karte dazu,
ebenfalls ein falsch einsortiertes Einlegeblatt. Einer der Umschläge
trifft sie empfindlich mit der Ecke im Gesicht.
Stiftverkäuferin ruft Außenstelle an.
Stiftverkäuferin ruft Außenstelle
erneut an, fragt Kundenwunsch an.
Stiftverkäuferin ruft Außenstelle an
und teilt Kundenwünsche mit.
Stiftverkäuferin ruft Außenstelle an
und reklamiert Artikel – beide Gesprächsteilnehmer beraten sich
über Standleitung.
Stiftverkäuferin lässt Geld fallen.
Diverse Kunden und diverse Telefonate.
Glücklicherweise waren alle Kunden an
diesem gräusligen Montag kooperationsbereit und mißmutfrei.
Endlich endete der endlos elende erste
Arbeitstag und Frau Comorph durfte nach Hause.
Doch das Schicksal folgte auf dem Fuße
als sie sich eine Wärmflasche wärmenden Wassers gefüllt auf den
Bauch legte um abzuschalten. Denn als sie aufsprang um in die Küche
zu springen, die Wärmflasche hinabsprang und kaputtsprang, sprang
ihr die Geduld und sie beschloss lieber ins Bett zu gehen um diesen
Tag zu vergessen!
Doch dann kam der Dienstag.
Als die freundlich verpennte Frau
Comorph das Frühstück vorbereitete, fiel ihr das Glas fruchtige
Marmelade aus der Hand. Ein finsteres Deja-vu breitete sich aus.
Aber dafür war heute keine Zeit. Die
Stiftekollegin hatte Geburtstag gehabt und daher wollte Frau Comorph
ein paar Minuten früher da sein.
Hier jedoch schaltete sich das nächste
morgendliche, mysteriöse Paradoxon ein: Die gemeine Stiftverkäuferin
schafft es NIE ein paar Minuten früher das Haus zu verlassen. Jedes
mal wenn sie pünktlich dran ist, passiert irgendetwas. Etwas! Etwas
womit man nicht rechnet.
Nennen wir es (hier erklingt jetzt ein
düsterer Gong) „Das 8:45 Syndrom“.
An diesem Morgen jedenfalls stand Frau
Comorph fertig winterlich eingekleidet im Flur und schulterte die
Schultertasche, wünschte dem Captain einen schönen Tag und befand
sich plötzlich in einem Gespräch über das Öffnen eines PCs. Wo
sich das Werkzeug befände, wo genau und wieso sie davon nichts
wüsste. Wieso man dort in den Eingeweiden nichts berühren sollte
und wie man sich denn erden soll, wieso man sich auflädt und wer von
wem keinen Elektroschlag kriegen sollte.
Verwirrt und verunsichert verließ sie
den Captain.
Doch aus dem Hausflurfenster sah sie
die gelben Säcke auf der Straße liegen, der in der Küche
befindliche war voll und damit fing eine wilde Jagd an. Ja, solch
Dinge passieren während des 8:45 Syndroms!
Frau Comorph lief zurück in die Küche
und schnappte den gelben Sack. Doch als sie zurück zur Wohnungstür
eilte, stockte sie, Aug in Aug mit dem Katertier, der sich im
Hausflur befand.
„Husch, zurück!“ Rief sie und
„Captain, zu Hilf!“ (doch der hörte nicht) (Der Kater aber auch
nicht)
Der Kater rannte die erste Treppe
hinunter und blickte herausfordernd die hinterhereilende Frau Comorph
an. Er hielt seinen Vorsprung und xlief Treppe Nummer zwei hinab,
blickte zurück und wartete was geschähe. Frau Comorph eilte
schimpfend hinterher. Kater lief Treppe Nummer drei hinab und wartete
brav. Frau Comorph eilte, finstere Flüche fluchend hinterher. Kater
lief die vierte Treppe hinab und schnüffelte interessiert an des
Nachbarn Fußmatte. Frau Finstercomorph befahl ihm stehen zu bleiben.
Kater rannte die fünfte Treppe hinab und wartete, den Schalk im
Nacken, was wohl jetzt passieren würde. Frau Comorph rannte
hinterher. Kater lief die sechste Treppe hinab und begutachtete eine
Topfpflanze. Als er jedoch der dort liegenden Fußmatte etwas zu viel
Aufmerksamkeit schenkte, konnte Frau Comorph ihn packen und zeternd
die Treppe hinaufbringen. Damit waren dann die überflüssigen
Minuten vorbei und sie eilte, ein Zuspätkommen befürchtend zum
Stifteladen.
Weitere Möglichkeiten für das 8:45
Syndrom wären übrigens:
- Treffen von freundlichen Nachbarn
- vergessen des Mülls
- Treffen von ehemaligen, garstigen
Nachbarn
- Treffen von Kunden aus dem
Stifteladen
- Vergessen des Schirms und
Feststellen, dass es regnet und man zu Fuß gehen muss.
Und hier noch eine Liste der Dinge, die
die gemeine Stiftverkäufern an diesem diabolischen Dienstag fallen
lies:
- einen Taschenrechner
- eine Packung Briefumschläge
- ein Geodreieck
- einen Millimeterblock
- Briefpapier
Demnächst beschäftigen wir uns dann
mit den Zusammenhängen dieser ungewünscht den Boden berührenden
Dinge und warum sie gerade in dieser absonderlich sonderbaren
Konstellation auftraten, nicht zerbrachen oder defekteten.
Ausgenommen Frau Comorphs Handy, dafür aber der etwaigen
Fehlerbehebung und was das alles mit den Erdanziehungsstrahlungen zu
tun hat!
In diesem Sinne: Fröhlichen Mittwoch!