Kalenderwegschmeißtag
Heute, Kinder, wird’s was geben!
Denn heute, Guten Morgen erstmal, ist Kalenderwegschmeißtag!!
Seit früh morgens wird in Hochhaushausen, Stadteil Comorphien gewerkelt und gewischt, gewuselt und gewurschtelt.
Der Tag beginnt bei allen Bewohnern traditionell mit einem Nutellatoast. Dabei wird der große Nutellaerzeuger gepriesen und auch um weiterhin unaufhörliche Haselnusscremezufuhr im neuen Jahr gebeten. Dabei stößt man mit einem Glas alkoholfreien Sekt an, dessen Reste man sich vom Vorabend kaltgestellt hat. Man möcht ja im Rauschzustand nichts falsches wegwerfen!
Denn man erinnert sich gern an damals, als man Dinge wegwarf, im Frohgemut der Übermut und im Rausche des Wegwerfwahns... die man einige Monate später händeringend zurückverlangt hat.
Ein Großteil der Bevölkerung beginnt sich nun für die Arbeit fertig zu machen. Denn nicht alle Leute haben an diesem Feiertag frei. Viele müssen sich auch um die Armen und Bedürftigen des Landes kümmern und reisen hinfort um Gutes zu tun.
Der Rest kümmert sich nun um die weiteren traditionellen Dinge, die getan werden müssen. Zuerst sucht man den Boden der Tatsachen ab um diverse Fellknäuel zu finden, die während der Nacht von umher laufenden Katzen ausgewürgt worden sind. Diese werden aufgesammelt und in Plastiktüten aufbewahrt.
Anschließend trinkt man eine Tasse English Breakfast Tea um dem Tag den gehörigen Schwung zu geben. Zu den Klängen von Auld Lang Syne springen die Bewohner durch die Räume und sammeln alte Kalender ein. Die Tante mit den Krähen aufm Kopp, die Brüste des Dezembers, die kleinen Katzen, die winterlichen Bäume, und natürlich die kleinen Büchlein mit den Notizen des letzten Jahres. All dieses wird nun auf einen großen Haufen geworfen.
Inzwischen geht in den Köpfen der Bewohner der getrunkene Tee mit dem alkoholfreien und sehr sauren Sekt eine lustige Verbindung ein, und man beginnt, schräg und schauderlich mit der Auld Lang Syne - Dame zu singen. Ob die sich darüber freut, weiß keiner, denn glücklicherweise weiß sie es selber nicht.
Im Laufe des Tages haben nun alle Bewohner sich ihrer Kalender entledigt und der Bilderhaufen türmt sich meterhoch in den grauen Nieselhimmel. An den Händen gefasst tanzt man herum um den Haufen und beschwört die bösen Geister, sich ebenfalls auf dem Haufen niederzulassen. Schließlich liegen dort die schönsten Bäume, die herrlichsten Landschaften, die prallsten Brüste, die niedlichsten Hunde usw.
Langsam lässt sich ein Schleier herab auf den Haufen. Dunstige Dämse dringt durch die Luft. Geheimerweise haben die Bewohner hinter ihren Rücken das Schwarzpulver aus nicht explodierten und übriggebliebenen Knallern und Raketen geschüttelt und in einer umher gereichten Schüssel gesammelt. Diese Schüssel wird nun an die Dorfälteste weitergegeben, die mit Schimpf und Zeter und Krach und Donner den Inhalt über die gruseligen und gebannten Geister gießt. Zeitgleich werfen die anderen Bewohner Wunderkerzen auf den Haufen.
Und in einer riesigen Explosion verschwinden Kalender, Geister mit alte Gewohnheiten, erledigen Aufgaben, versäumten Terminen und Zahnarztterminen im schwarzen Rauch des Kalenderwegwerftages.
