Dienstag, 24. Mai 2016

Wie viele Verkäufer braucht man...


...um einem Kunden das gewünschte Produkt zu verkaufen?

Wenn es nach dem roten Technikmarkt geht, viele. Sehr viele.
Heute war ich dort um ein Geschenk zu kaufen. Fallout 4 + Season Pass für den PC sollte es sein, laut Internet auch verfügbar, also sollte das ja kein so großer Aufwand sein. Kein größerer als sonst, wenn man mit zu leichter Ungeduld neigendem Kleinkind einkaufen geht.

Wir waren um 9:40 das erste mal am Laden und ich wunderte mich eine ganze Weile, warum die Türen nicht aufgingen. Ja, es war Dienstag und nicht Sonntag. Und Feiertag war auch nicht... ach, ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir 20 Min zu früh dran waren.
Also wieder Kind ins Auto, und ab zum nahe gelegenen Supermarkt um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Auch hier waren wir fast die ersten. Wenn man jeden Tag (ja, jeden, auch an Sonn- und Feiertagen) um 7:00 geweckt wird und aufstehen muss, weil Frühstück und Spielen, dann kommt man leicht mal aus dem Konzept was Ladenöffnungszeiten angeht.

Kurz nach 10 waren wir erneut beim Technikmarkt und mit einem „schwoooof“ gingen diesmal auch die Türen auf.
„Oooooh!“ staunte mein Kind.
Ja, denn überall blinkte es, eine freundliche Dame begrüßte uns im Eingangsbereich und überall blinkten Lichter und leuchteten Fernseher und es blinkte hier und da und das war glatt eine Techno-world-overdose fürs Kind. Sie konnte sich nicht entscheiden ob sie alles anfassen sollte oder lieber bei mir an der Hand blieb, weils ja doch etwas groß und beeindruckend war.
„DA!“ und „Da!“ und „DA!“ ging es dann, während wir in den zweiten Stock hoch gingen.
Kurzer Stopp um mich zu orientieren, denn große Märkte bauen regelmäßig alles um, damit der selten vorbeischauende Kunde jedes Mal aufs neue verwirrt wird.
„Windmühlen!“ Ganz fasziniert betrachtete sie die Ventilatoren während ich fasziniert feststellte dass die Schilder für „PC Spiele“ nicht zu sehen waren. Also grob in Richtung DVD orientiert losgelaufen. Ich fand auch drei Reihen PC spiele und Merchandise und nach dem ich alle Regale abgesucht hatte, fand ich auf einem Warenträger etwas abseits auch Fallout 4. Jetzt nur noch den Season Pass finden...
Meine Tochter fand ein pinkfarbenes, großaugiges Einhorn-Irgendwas und wir diskutierten eine Weile über das Pro und Kontra des Erwerbs, bis ich mich durchsetzte, denn ich sah eine Verkäuferin.
„Hallo, ich suche den Fallout 4 Season Pass.“ Und hielt ihr das Spiel entgegen.
„Öhm.. ja, ich guck mal....“ und tippte im PC herum.
„Hier drüben.“ wir gingen los und sie präsentierte mir den Season Pass für die PSX.
„Jaaa, aber, ich brauche den für den PC.“ Gut, ich hätte das dazu sagen können, aber sie hätte ja auch fragen können.
„Ja dann müssen Sie mal unten gucken, im Kassenbereich, da könnte noch was sein.“
Also gingen wir runter und suchten alle 5 Kassenbereiche ab, fanden aber nur diverse Gutscheinkarten anderer Anbieter. Also fragte ich die Dame am Empfangstresen.
„Hallo, ich suche den Season Pass für Fallout 4 für den PC!“ man lernt ja dazu.
„...(große Augen)“
„Was?“
„Den Season Pass für Fallout 4 für den PC.“
„hmm...“ sie dreht sich um und fragt die Kollegin an der Kasse. „Den Season Pass?“
„Was?“
„Season Pass, sucht die Kundin.“
„Keine Ahnung. Ruf mal oben an.“
„Sie müssten nach Oben in die Games Abteilung, evtl.“
„Da komme ich gerade her und die schickten mich hier runter, weil der an der Kasse sein soll.“
„Dann fragen Sie mal Frau R., die steht da hinten.“ Sie zeigte in die Staubsaugerabteilung.
Also suchten wir Frau R.
„Hallo, ich suche den Season Pass für Fallout 4 für den PC. Der soll hier irgendwo sein.“
„Fragen Sie mal am Empfangstresen!“ War die Antwort.
„Die hat mich gerade zu Ihnen geschickt.“ erwiderte ich, langsam doch etwas genervt.
„Und haben Sie oben geguckt? Das müsste ja bei den Spielen sein.“
„Die haben mich runter zum Kassenbereich geschickt!“
„Ja, das ist ja auch nicht schön, wenn man Sie so herumschickt...“ Ja...was Sie nicht sagen...dachte ich nur.
Sie ging los und suchte den Bereich der letzten Kasse ab. Fand nichts, und ging zum Empfangstresen.
„Kannst du mal Frau M. Oben anrufen und nach dem Season Pass fragen?“
Natürlich rief die nette Dame dann oben an.
„Hallo, ich habe hier eine Kundin die sucht den Season Pass für Follow.“
… „Ja, Followwt.“
„FALLAUT!“
…“Haben die auch nicht.“ GNNN ja, ist ja nicht wahr!
„Können Sie das denn evtl bestellen?“
….
….
… es dauerte diesmal etwas länger, vermutlich habe ich eine nicht ganz so bekannte Frage gestellt.
„Gehen Sie mal hoch und nach ganz hinten rechts, da stehen zwei Kollegen, die bestellen Ihnen das.“
Gut. „Trinken!!“ tönte es von weiter unten und ich versprach, nicht mehr all zulange zu brauchen, konnte dieses aber wirklich nur halbherzig sagen, denn ich kam mir vor wie in einer schlechten Komödie.
Wir kamen wieder oben an. „Windmühlen!! Pustet!“
Ich guckte rechts in der Waschmaschinenabteilung und ging dann nach links in die Games Abteilung. Sah dort die Verkäuferin vom Anfang.
„Hallo, hatten Sie gerade telefoniert...?“
„Ja, genau!“
„Na das war ja dann links und nicht rechts!“ muffelte ich ein wenig.
Sie bestellte mir jetzt den gewünschten Season Pass und auch den richtigen und versprach sich in 2 Werktagen zu melden, wenn er da sei.

Inzwischen kann ich gut verstehen, wenn die Kunden ihre Waren lieber online bestellen. Man erspart sich ja wirklich eine gute Stunde Zeit, die man sinnvoller verbringen kann.
Vielleicht ist es aber auch so, dass das Verkaufspersonal gezielt darauf trainiert wird den Kunden so zu verwirren, damit einmal die Leute an den Überwachungsmonitoren was zu lachen haben (und so wie ich mich heute fühlte muss da ein ganzer Kinosaal voll gegröhlt haben).
Nach diesem nervenaufreibendem Erlebnis führen wir zumindest schnell nach Hause um uns ein großes Stück Anti-Frust-Schokolade zu gönnen.