Sonntag, 22. Juli 2012

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin – Kinder, Kinder!


Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin – Kinder, Kinder!


Es ist mal wieder an der Zeit darüber zu berichten, was doch diese kleinen, menschenähnlichen Wesen, die Tag ein Tag aus in den Stifteladen kommen, für abenteuerliche Geschichten mit sich bringen.
Gerade jetzt zu Zeiten des nahenden Schulanfangs wird es besonders lustig. Kinder, die ihren ersten Schulranzen bekommen, betreten den Laden mit Augen groß wie Untertassen, laufen staunend von Dino zu Transformers, wollen alle Ranzen am liebsten mit nach Hause nehmen... oder sind absolut unbeeindruckt. Ja, das gibt es auch. Während Luca S. seine Eltern versucht zu überzeugen, dass er auch in 5 Jahren noch immer den heißgeliebten (meist Liebe auf den ersten Blick) Schulranzen mit dem Traktor drauf zur Schule tragen wird, weil der ja sooo toll ist und überhaupt ist da ja auch ein Anhänger dran! Ist Celina K. völlig apathisch. Versteckt sich hinter dem Rücken ihrer Mutter, schaut nur auf den Boden und lässt sich wahllos Ranzen für Ranzen auf den Rücken schnallen um lustlos anzuprobieren, welcher am besten passt. Welcher ihr dann gefällt, lässt sich auch nur herausfinden, wenn die Eltern die ins Ohr geflüsterten Worte übersetzen. Aber selbst nach dem Kauf verhält sich ein solches Kind nicht gerade überschäumend vor Freude. Der Ranzen wandert in eine Tüte und das Kind verlässt den Laden, während die Eltern sich noch für die Geduld der Stiftverkäuferin bedanken. Luca S. wiederum mag den Ranzen zum Kassiervorgang gar nicht erst abnehmen. Da muss die Stiftverkäuferin die Zettel abschneiden, das Zubehör einladen und hoffen, dass der Ranzen bis zum Schulanfang nicht zum Alltagsaccessoire mutiert. Aber sie freut sich über die Eltern, die dann wieder kommen und berichten, dass der Ranzen mit im Bett schlafen muss und schon allen Verwandten und Freunden gezeigt wurde. So muss das eigentlich sein!
Überschäumende Kinder machen Spaß. Wie der kleine Tim, der während der Anprobe aus dem Nichts mitten im Gespräch in die Runde rief: Ich habe Schildkröten! * große Lolli-Augen *
Tja, was soll man dazu sagen. Kinder benötigen in manchen Augenblicken vollste Aufmerksamkeit. Und wenn sie die nicht bekommen, wird sie geschaffen. Egal was herum passiert.
Letztens kam ein kleiner Junge in den Laden, drängelte sich durch 5 Personen die an der Kasse standen durch, kämpfte sich zum Tresen, fixierte Frau G. mit den großen Lolli-Augen und rief: ICH HABE DAS!!! Ein verpacktes Etui hochhaltend, was er irgendwo anders erworben hatte. Auftrag erfüllt! Die Mutter, noch gerade am Eingang schmunzelte nur, denn sie war die Auftraggeberin. Wenn du das Etui nicht in der Tasche tragen willst, dann sag der Tante, dass du das mitgebracht hast. Sonst kommt die Polizei! Oder so ähnlich. Stiftverkäuferinnen wussten jetzt Bescheid. Fertig.
Und damit es nicht zu anderen Verwirrungen kommt, wird die Stiftverkäuferin auch gefragt, ob man das Etui denn auch auspacken darf. Hier im Laden. Unbedingt! Sowas kann spannender sein als ein Ü-Ei.
Verwirrungen gibt es auch manchmal an anderer Stelle. Wenn die Eltern Bekannte treffen, die die Kinder zum ersten Mal sehen. Ja, wer bist du denn?? Fragte der Onkel das kleine Kind mit den langen blonden Locken. Die Henriette? - Nein... * Gesicht versteck * Dann bist du die Barbara? - Nein! *zum Boden schau * Na wie heißt du denn dann? (Frau G. schrie in Gedanken Rumpelstielzchen!) … Maximilian... * hinterm Papa versteck *
Ja, das war für den Onkel ein peinlicher Moment, für die Stiftverkäuferin allerdings wieder ein Grund zum Lachen in den Keller zu verschwinden. Was müsst ihr Eltern auch euren Jungs die Haare lang wachsen lassen und dann asexuell einkleiden? Gelb und Grün... mit braunen Schühchen... Warum nicht die Lederjacke, Sonnenbrille auf den Kopf und ne nette Jeans dazu?
Lustige Accessoires an Kindern können sowieso Spaß machen.
In irgendeinem Masochistenladen gibt es pinkfarbene Zauberstäbe mit Sternchen am Ende, das lustig glitzert und beim Aufprall an diversen Dingen magische Geräusche von sich gibt.
Wenn man nun als Mutter enorme Nerven hat, masochistisch veranlagt ist oder die perfekte Medikamentenmischung entdeckt hat, kann man seinem Kind so etwas schenken. Es wird sich freuen und diesen Zauberstab gerne mit zum Einkaufen nehmen.
Quengelnderweise saß nun dieses Kind auf dem Arm der Mutter und fand es super ihr mit dem Zauberstab auf den Kopf zu hauen. Irgendwas muss man ja machen, wenn die große Schwester im Mittelpunkt steht und einen Füllhalter bekommt. Frau G. bediente zum Glück einen anderen Kunden, wunderte sich aber über die abnorme Geräuschkulisse.
* klonk*
FLUFLUFLUFLUUUUU
* klonk*
FRRRRRRRRPIIUUUUUUUUUU
* klonk*
FUUUAAAUUUAAAUUUAAAAAAAAAAA!!!!!
* klonk*
naja, wir kürzen das hier jetzt mal ab. Frau G. hätte zumindest gerne etwas von den Pillen ab bekommen, die die Mutter geschluckt haben muss, um dieses zu verkraften. Alternativ kann man aber auch so lange die Karten auf den Kartenständern vorm Laden sortieren. Und die arme Kollegin im Zenit des magischen Gewitters bemitleiden. Manch einer lacht hier jetzt. Frau G. nicht. … :D
Schulsachen kaufen mach ja sooo einen Spaß!
Dabei können Kinder aber auch sehr Selbstständig sein. Wie die kleine Pia, die jetzt in die Schule kommt. Nach betreten des Ladens, zuppelte sie ihrer Mutter die Einkaufsliste aus der Hand und kam mit den Worten „ Ich nehm mir ne Verkäuferin“ auf Frau G. zu. Warum auch nicht. Dafür ist sie ja da.
Aktuell musste die gemeine Stiftverkäuferin auch feststellen, dass vor 6 Jahren bei der Namensgebung gern gespart wurde. Waren es im letzten Jahr noch John-Lennard, Sophie-Miriella-Thabea, Hieronimus und Josephine Mercedes, sind es in diesem Jahr eher Pia, Mia, Tim, Luc oder Lea. Wunderlicherweise auch Luna, ein besonders hübscher Name. Kannte Frau G. bisher nur von Sailor Moons Katze und dem Hund einer Bekannten. Aber warum nicht. Frau G.s Kater heißt Paul. Vielleicht nennt sie ihr Kind später einfach auch so.

Jetzt zumindest hat Frau G. erstmal Sommerurlaub, erholt sich vom Stress des Stifteladens und freut sich auf 2 Wochen Kinderfreie Zeit. Also: wegsperren!

Donnerstag, 19. Juli 2012

Der Tag an dem die Stiftverkäuferin auszog um eine Hose zu kaufen


Der Tag an dem die Stiftverkäuferin auszog um eine Hose zu kaufen
Bzw die Tage


Es geschah zu einer Zeit, die ungünstiger nicht sein konnte. Sommeranfang. Frau Comorph's Hose riss entzwei. Ja, Frau Comorph ist in Wirklichkeit die gemeine Stiftverkäuferin, wer hätts gedacht!

Es war ihre Lieblingsjeans *schnüff *, mittelblau, leicht verwaschen, perfekter Sitz und perfekte Länge. Nicht zu modisch und nicht zu langweilig. Einfach ideal für Beruf und Freizeit. Doch eines Tages kommt immer der Augenblick, an dem man feststellen muss, dass die Hose an der ein oder anderen Stelle fadenscheinig wird. Und dieses stellte Frau Comorph schon seit längerem fest und infolge dessen etwas aktueller, eine Lochbildung an dieser fadenscheinigen Stelle.
Groß war die Trauer und groß der Kummer.
Aber was soll man lange trauern, wenn die Auswahl der Jeansverkaufenden Läden in der kleinen Stadt doch so groß ist, dass es Sommerlicherweise doch kein Problem sein sollte eine identische Hose zu finden. Wir erinnern uns, der Auftrag lautete: Kauf eine Hose, eine Jeans, mittelblau, gerades Bein, leicht verwaschen, perfekter Sitz. Sollte nicht so schwer sein, da Frau Comorph schlank, gerade gewachsen und proportional optimal ist.
So war der Plan.

Die Ausführung.
Die gemeine Stiftverkäuferin hat pro Tag 45 Minuten Mittagspausenzeit um eine Hose kaufen zu gehen. Eine Hose zu finden und anzuprobieren sollte viel weniger Zeit in Anspruch nehmen.

Tag 1: Da Frau Comorph noch einen Restgutschein hatte, versuchte sie ihr Glück zuerst in dem kleinen pinkfarbenen Lädchen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte sie dort eine Jeans erworben, die von relativ guter Qualität ist. Und sie erinnerte sich an Unmengen von Jeans, die dort zur Erwerbung ausgestellt waren. Diese Unmengen fand sie auch. Doch bestanden sie meist aus großen Größen. 4 Hosen allerdings hatten die richtige Größe und wurden mit in die Umkleidekabine genommen. Perfekterweise waren sie sogar reduziert und kosteten weniger als die Hälfte!
Hose 1: zu groß. Hm, Größe 36...seltsam.
Hose 2: zu groß und zu lang. Ebenfalls Größe 36
Hose 3: zu klein. Auch eine Größe 36
Hose 4: der Favourit vom Ausehen, Größe 34, aber zu groß.
Verärgert hing sie die Hosen zurück und suchte in der Ecke mit aktueller Mode. Doch dort befanden sich nur Röhrenjeans. Und die wollte Frau Comorph nicht. Hatte sie schon.
Auf dem Rückweg machte sie noch Stopp im großen Warenhaus der Stadt, das nach dem Umbau mit frischem und neuem Design warb. Doch die Modeabteilung war weder frisch noch vom Design für die junge und modische Stiftverkäuferin geeignet. Denn altbacken und Bauchnabelhoch hingen dort Hosen für Frauen jenseits der Menopause. Aber man kann bei der Gelegenheit bei den super teuren BHs schaun, denn sowas wollte man ja auch mal immer anprobieren. Doch, der Tag stand nicht unter guten Sternen, selbst ein BH jenseits des erträglichen Preises war nicht gewillt sich dem Körper der Frau Comorph anzupassen. Vielleicht wäre dies der Zeitpunkt für eine spontane und verkaufswillige Unterwäscheverkäuferin gewesen, aus dem Nichts vor der Umkleidekabine zu erscheinen und sofort den passenden BH aus der Rocktasche zu zaubern. Aber Verkäuferinnen gab es hier nicht, die versteckten sich lieber.
Damit war die Pause auch vorbei.

Tag 2: Heute hatte die gemeine Stiftverkäuferin frei und war mit dem Captain in dessen Heimatstadt unterwegs. Er besuchte seinen Großvater und Frau Comorph nutzte die Zeit um etwas einzukaufen. Geplant waren Lebensmittel, aber die gab es neben dem tollen Laden mit der lauten Musik. Nach dem Eintreten befand sie sich in einem Hosen-Mekka. Hunderte von Farben, Formen und alles reduziert. Naja, fast alles. Es gab Millioooonen, reduzierte Hosen, die man duchgucken konnte! Und Zeit im Überfluss. Also, durchgucken. Und gucken. Und Hosen blättern wie Buchseiten auf der Suche nach der Stelle wo man gestern eingeschlafen ist. Zu groß, zu groß, zu klein, hässlich. Wer trägt bitteschön Schlumperhosen-Jeans? Leider war ein Großteil der Jeans entweder in der falschen Größe oder mal wieder eine Röhrenjeans. Hier lernte Frau Comorph auch den Unterschied zwischen Skinny Jeans und Super-Slim-Skinny und diversen anderen lustigen Bezeichnungen. Draußen ging derweil die Welt unter in einem tosenden Gewittersturm. Doch im Laden war es, bis auf die lästige Musik, ganz angenehm. Mit 5 Hosen begab sie sich in eine Umkleidekabine.
Hose 1: zu groß.
Hose 2-5: ebenfalls, wir kürzen das hier jetzt etwas ab. Seltsamerweise waren die Hosen an den Beinen passend, nur am Bauch standen sie ab. Was muss eine Frau für eine Figur haben um dort hineinzupassen?
Verfrustet stieg sie wieder in die eigenen Hosenbeine und schaute was es noch so gab. Immerhin gab es hier passende BHs. Ja, und dieser befand sich außerordentlich unter dem gewillt zu bezahlenden Betrag. Immerhin ein Erfolg der Woche.
Am anderen Ende des Ladens befanden sich ebenfalls Jeans, doch beim genaueren Hinschauen, waren es genau die gleichen, die sich schon am entgegengesetzten Ende befanden. Seltsame Warenpräsentation.
So freute sich Frau Comorph zumindest über den kleinen Sieg der Unterwäsche.

Tag 3: Da Frau Comorph aufs Mittagessen verzichtete hatte sie nun etwas mehr Zeit und begann ihre Suche im großen schwedischen Modehaus. Doch ein schneller Blick zeigte: hier gibt’s nur Röhrenjeans. Ärgerlich. Farblich wären sie zwar ganz nett, aber eine Röhre wollten wir ja nicht.
Weiter geht’s zum schicken kleinen Lädchen an der Ecke. Dort hingen tatsächlich die perfekten Jeans, aber den Preis war Frau Comorph nicht bereit zu zahlen! Unverschämtheit. Was denken die sich? Weiter in den bunten Laden mit der lauten Musik – den gab es hier auch -, doch hier gab es die gleichen Hosen noch einmal, die sie einen Tag zuvor anprobiert hat.
Langsam kroch die Überlegung durch die staubigen Hirnwindungen: was, wenn es gar keine Hose gibt, so wie die alte war? Was, wenn man nun doch nur eine Röhrenjeans nehmen muss? Eine enge, modische, zu der man nie die passenden Schuhe hat? Aber zumindest hätte man dann eine Hose...
Zurück zum schwedischen Modeladen. Dort hingen viele verschiedene Röhrenjeans. Beim Durchschauen fand sich sogar eine gerade geschnittene, mittelblaue, leicht verwaschene Jeans. Doch nun stand Frau Comorph vor dem nächsten Problem: Verdammt.. welche Größe?? 34, 32, 28, 29?
Also anprobieren. Sie nahm die kleinste Größe mit, eine 29, dazu ein paar gleichgrößige (ja, gleichgrößige!) Röhrenjeans, annehmbarem Designs. Doch, das kannten wir schon: alles zu groß! Was für eine Welt ist das eigentlich?? Die kleinste Hose war eine 26, die war allerdings zu klein. Eine 27 gab es, die passte auch, gefiel aber nicht, war auch 30cm zu lang. Wie traurig. Dann war die Pause auch schon wieder vorbei.
Wieder ein Tag ohne Hose.

Tag 4.
Langsam machte sich Frau Comorph Gedanken, ob sie tatsächlich noch eine Hose finden würde. Oder ob es gänzlich unmöglich sei, zumindest in diesem Sommer.
Viele Möglichkeiten blieben nicht mehr. Das Internet, so groß es auch war, wurde schon früh ausgeschlossen, da einfach die Möglichkeit des Anprobierens nicht gegeben war. Und bei den seltsamen Hosengrößen war es absolut unumgänglich.
2 Geschäfte gab es noch, die man in der Pause aufsuchen konnte. Doch standen die Chancen schlecht. Bei Clemens und August hatte sie selten etwas schönes gefunden. Und dann gab es noch den bunten Teenie Laden. Doch die Zeiten waren eigentlich vorbei.
Aber es gab noch Zeichen und Wunder in dieser seltsamen Welt. Denn als Frau Comorph den grellen Laden mit laut tönender Musik betrat, schien ein Licht vom Himmel und leuchtete auf eine Hose, die einer Offenbarung gleich kam.
Gut, man sollte nicht übertreiben. Sie war mittelblau, leicht verwaschen und günstig. Allerdings war sie doch eine Röhre. Oder Slim-Skinny-Style. Aber sie war günstig und bestand aus so einem zauberhaft weichen Stoff, dass Frau Comorph es bis heute nicht satt ist, über ihre Beine zu streichen und sich an der Weichheit des Jeansstoffes zu erfreuen. Negativerweise sollte hier aber auch die kleine böse Stimme im Hinterkopf erwähnt werden: Jaaa, dann hält sie aber auch nicht lange!
Aber sie war nicht teuer, hatte ein schönes Blau, die perfekte Länge und überhaupt sind Röhrenjeans der letzte Schrei und fetzen total.
So soll uns diese Geschichte einer Frau, die auszog um eine Hose zu kaufen, nahebringen, wie doch die Welt von der Modeindustrie dominiert wird. Sagt noch einmal, ihr werdet nie bunt karierte Schlumperhosen tragen, bis es überall nur noch bunt karierte Schlumperhosen gibt. Dann findet ihr die so genial! Gut, das trifft jetzt nicht auf jede Modesünde zu.
Aber Frau Comorph für ihren Teil hat aus der Mode gelernt. Sie besitzt nun 3 Röhrenjeans und hat nicht ein perfektes Paar Schuhe dazu. Außer den Ballerina. Aber die kann man ja nicht bei Regen tragen.....


Sonntag, 17. Juni 2012

Neues von der Stiftverkäuferin - Männer, Mysterien, Marder



Es geschah in einer Woche, in der eh schon komische Dinge geschahen.
Die Stiftekollegin Frau S. hatte einen Stalker, der jeden Tag um die gleiche Uhrzeit vorm Laden stand um sie anzuschaun. Ein Mann, wie er sonst nur in amerikanischen Trailerparks zu sehen ist, wie er mit einer Schrotflinte auf Bierdosen schießt.
Unheimlich, unangenehm, unnötig! Aber sowas von. Man regte sich auf und notierte jeden Schritt des Stalkers und stalkte damit zurück.

Ein furchtbar kitschiger Glas-Chihuaha entschloss sich zum Selbstmord durch spontane Selbstexplosion. Seit Wochen hing er an der Kasse und stellte seine glitzernde Fürchterlichkeit zur Schau und eines Donnerstag Nachmittages war es dann soweit: * Peng * sein Leben endete und die Stiftverkäuferinnen hatten was zu fegen.
Natürlich wurde der gemeinen Stiftverkäuferin Frau G. die Schuld in die Schuhe geschoben, obwohl sie den Tag garnicht da war, hätte sie den Vorfall per unheiligem Ritual von zu Hause aus verursachen können. Eine andere Erklärung gab es ja schließlich nicht.

Dann schlug die Uhr Samstag. Nicht viel war bis Mittag passiert und 4 Stunden noch trennten die Stiftverkäuferinnen vom Feierabend. Frau G. stand hinterm Kassentresen als ein Marderbaby den Laden betrat (Unwissenderweise wurde es die erste Zeit als Frettchen bezeichnet). Durch die Tür trat es ein und wandte sich dem Kundenstrom anpassend nach rechts Richtung Schulbedarf. Nach einem großen imaginären Fragezeichen und diversen Ausrufezeichen die über Frau G.'s Kopf erschienen startete der Samstagsspaß.
Stellen Sie sich nun zu folgenden beschriebenen Aktionen eine lustige Zirkusmelodie im Hintergrund vor, die alles hübsch bunt untermalt.
„Frettchen??“ „Oh!“ „Huuh?“ „Waaah!“ schallte es durch den Laden. Das Frettchen huschte von einem Regal zum nächsten, genialerweise boten alle eine 2cm hohe drunterhusch-Lücke. So huschte es hin und her und lachte über die tollpatschigen Tanten, die es zu fangen versuchten.
Die Akteure: Frau S. mit einer Tüte Kekse in der Hand, streute hier und da einen Keks aus um das Tierchen anzulocken. Kundin 1 lief mit Papierkorb hinterher. Ihre Söhne jeweils mit Regenschirm und Papierkorb in der Hand. Eine weitere Kundin fand alles sehr amüsant und versuchte trotzdem Servietten zu finden. Stiftechefin lief mit einer Schultüte zwischen den Regalen um es gegebenenfalls einzutüten. Frau G. fing das gescheuchte Frettchen mit bloßen Händen, nur um in den Finger gebissen zu werden. Windenderweise und furchtbaren Gestank verbreitend flüchtete es allerdings wieder.
Eine Horde Clowns die auf Einrädern durch den Laden fahren hätte in diesem Moment nicht kurioser gewirkt.
Letztendlich saß das Marderbaby unter einem Regal fest. Frau G. baute Türme aus Kopierpapier und Schachteln auf um es an der Flucht zu hindern, doch es flüchtete hinter die Regalkonstruktion der Rückwand. Da dieses der einzige Zugang war, konnte es nun nicht mehr ungesehen raus. Aber es fühlte sich dort wohl.
Stiftechefin tat den Vorgang im Internet kund, dadurch wurde eine Lebendfalle vorbeigebracht, die allerdings zu groß für ein Marderbaby war. Ein zufällig im Laden stehender Feuerwehrmann bekam ein Gespräch mit, lag anschließend auf dem Boden unter die Regale spähend, gab Tipps und Infos über das Marderverhalten. Dank ihm und einer anderen Kundin wussten die Stiftverkäuferinnen nun auch, dass Marder keine Kekse mögen, sondern lieber Fleisch fraßen. Der Laden wurde von Kekskrümeln befreit.
Frau S. machte Feierabend, Stiftechefin und Frau G. noch immer ratlos.
Eine Leiter! Man könnte ja mal hinters Regal schaun.
Erinnern Sie sich nun wieder an die Zirkusmelodie!
Frau G. steigt auf die Leiter, stellt fest, dass der Kopf nicht zwischen Holzrückwand und Decke passt. Staub verfängt sich in Wimpern und Frisur. Stiftechefin mit schmalerem Kopf, steigt auf die Leiter und linst in den Hintergrund, findet aber auch keinen Marder. Ist für den außergewöhnlichen Körpereinsatz mit einem schwarzen Staubstreifen im Gesicht belohnt.
Leiter rauf, Leiter runter, Leiter wird hin und her gerückt. Leiter bringt es doch nicht weiter!
Gesicht reinigen, neuer Plan.
Nach Feierabend sollte eine Rattenfalle besorgt werden, die mit Fleischköder gespickt das Tierchen fangen soll. Lebend natürlich, man ist ja kein Unmensch.

Zwischendrin in diesem Chaos geschah auch noch ein Vater mit seinem Sohn, die die gemeine Stiftverkäuferin um Rat baten, wo man denn eine Sängerin herbekommen könne, man sei eine Band aus Hannover und auf der Suche bla und blubb.
Frau G. natürlich hilfsbereit, schickt sie zur Musikschule.
Kurz vor Feierabend ist der werte Herr am Telefon, bedankt sich für den Tipp und bat die gemeine Stiftverkäuferin doch auch um ihre Meinung zu dem Song, zu finden unter folgender, diktierter Youtube Adresse. In 4 Wochen seien sie wieder in der Stadt und wollen dann die Meinung erfragen. Natürlich! Frau G. ist ja immer bereit für weiterführende Musik Beurteilungen.


Dann... war auch endlich Feierabend und die gemeine Stiftverkäuferin konnte sich in ihrem Haus einigeln und über die Begebenheiten der Woche nachdenken.

Fortsetzung folgt.

Freitag, 11. Mai 2012

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin - Wir warten aufs Gewitter


Es gibt ja solche Tage, da weiß man morgens schon, dass nichts gutes geschehen wird. Wenn der Akku der Zahnbürste leer ist, man unter der Dusche gegen die Mischbatterie stößt und mit eiskaltem Wasser erschreckt wird oder man mal wieder vor dem absolut leeren Kleiderschrank steht und absolut nichts zum Anziehen hat, absolut nichts! Obwohl der Schrank voll ist.
Einen solchen Start in den Tag hatte die gemeine Stiftverkäuferin Frau G. . Natürlich kam sie auch viel zu spät aus dem Haus, da besagte Dinge die Zeit verbrauchten. Aber man muss auch anmerken, dass das Wetter an allem schuld war. Denn wenn man aus dem Fenster guckt und Wolken, Wind und potentiellen Regen sieht, denkt man nicht daran, dass es draußen knappe 20°C sein können, selbst wenn das Thermometer dieses behauptet. Außerdem sagte die nette Radiotante, dass es Regen, Gewitter, Hagel, Sturm und Weltuntergang gäbe!
Eiligerweise stürmte die Stiftverkäuferin also aus der Wohnung, in den Keller, aufs Rad und zur Arbeit. Dort angekommen stellte sie fest, dass das Thermometer doch recht hatte und pellte sich erstmal aus diversen Kleidungsschichten.
Der Tag konnte also beginnen!
Voller Elan räumten die Kolleginnen die Kartenständer aus dem Laden und warteten auf den ersten Kunden. Und warteten. … und warteten...
Zumindest der Postbote kam und brachte Päckchen. Aber der Rest der Bevölkerung saß vermutlich in irgendeinem Bunker und wartete den Sturm ab.
Naja, dachte sich die gemeine Stiftverkäuferin, tun wir halt andere Dinge. Und begann etwas herumzukramen, Listen zu fertigen, Dinge zu bestellen. Und schwupp war der Laden voll. Man muss den Kunden nur ignorieren, dann kommt er! Denn wenn er weiß, man hat keine Zeit für ihn, will er bedient werden.
Die Kunden des Prä-Gewitter-Weltuntergangtages waren eigenartig, aber normal. Sie hinterfragten Dinge und waren nicht Kaufentschlossen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Nach der Mittagspause.

Ein Junger Mann betrat den Laden, schätzungsweise 17 Jahre alt, in der Blüte seiner Jungend und Schüler. Sah die Stiftverkäuferin an und fragte nach Plakatpapier.
Ich brauch Plakatpapier. (Stiftverkäuferin im Geiste scheltend: das heißt PlakatKARTON!)
Egal. Grün!
Ist das A3?
< Das ist 50x70 cm (Bengel, du malst doch in Kunst auf nem A3 Block,oder??)
Ist das A3??
< Nein. Das ist etwa das doppelte.
Ich brauch A3!
< Dann müssen Sie sich das durchschneiden (herrgottimhimmelkanndassoschwersein)
Kassiert und verabschiedet. Leichtes Kribbeln im Nacken.

Kunde betritt den Laden. Männlich, Mitte 40.
Ich brauche Etiketten für den Briefkasten. Keine Werbung. Ham Sie das?
< Ja, die sind draußen, am Etikettenständer.
Wo?
< Draußen.
Kunde dreht sich verwirrt, und schaut Richtung Tür.
Wo denn?
< draußen, draußen! (und zeigt ihm den Weg aus dem Laden)
Leichtes Kribbeln im Nacken verstärkt sich.
Etwas später: Eine Kundin, blond, gelockt, hübsch, betritt den Laden und sagt:
ich brauche karten für ein konzert von andrea berg in braunschweig ich glaube in der stadthalle oder so haben sie da noch karten ich brauche zwei stück (mehr oder weniger in einem Wort)
< Frau G. guckt verwirrt und sortiert die Worte.
< Nein. Da müssen sie zum Kartenvorverkauf.
Ich dachte immer SIE wären das! (und guckt vorwurfsvoll, warum ich es denn nun nicht sei)
< wir haben auch Karten. Aber das sind andere. (und schwenkt den Arm in einer Geste, die zum Umschauen animieren soll)
Kundin verlässt den Laden.
Nackenkribbeln!
Aber wir können das noch besser! Dachte sich der nächste Kunde.
Das Wetter draußen schlug langsam um auf noch mehr Wolken und noch mehr Sturm, Kastanienblüten betraten den Laden und Frau G. hatte Angst um die Kartenständer. Der Aufmerksame Leser erinnert sich.
Wie gesagt, der nächste Kunde. Männlich, um die 40, scheinbar normal.

Ich hätte gern einen Tintenroller. Schwarz. Der gut schreibt.
< Dieser schreibt gut. Ist aber ein Einwegstift. (Zeigt Stift in schwarz) Für 2,50.
Was heißt das?
< Der ist nicht nachfüllbar.
Haben Sie was nachfüllbares?
< Dieser von Lamy (zeigt neuen Stift) Der ist nachfüllbar.
Ah. (schreibt) Schreibt gut. Was kostet die Patrone?
< Das ist dann eine Mine, die kostet 2,50.
Was hat der andere gekostet?
< 2,50
Ah, genauso viel. Haben sie auch was mit günstigeren Patronen?
< (zeigt neuen Stift für Kinder der mit Patronen nachfüllbar ist)
< Dieser hier, wenn es Sie nicht stört, dass der für Kinder ist.
Nee, der ist eh für meinen Sohn. (Schreibt) Ja, der schreibt gut. Aber der schreibt blau...
< Da können Sie eine schwarze Patrone rein tun.
Können Sie das machen?
< (nimmt anderen Stift, tut schwarze Patrone rein.)
(schreibt jetzt in schwarz) Ja, der ist gut! Den nehm ich
< (Frau G. kassiert. Kunde zufrieden)
… und der ist jetzt auch radierbar, ja?
< (Frau G. stockt, überlegt) Radierbar ist der nicht. Das ist ein ganz anderer.
Ja, ich brauch den radierbaren.
< x.x Warum sagen Sie das denn dann nicht? (gemeine Stiftverkäuferin holt radierbaren Stift)
Ja, genau den. Den hat mein Sohn. Aber da ist die Mine so schnell leer
< Das ist da leider nunmal so, da ist nicht viel drin.
Ah. Kann ich das umtauschen?
< Den Stift schon, aber die Patronen jetzt nicht. Die ist ja schon angefangen.
(Kunde versteht das Problem und tauscht nur den Stift um)
Dann brauch ich dafür aber nur die Mine!
< Die ist gerade ausverkauft...
(Kunde geht)
Gemeine Stiftverkäuferin genervt.

Die letzten Kunden des Tages beschwerten sich glücklicherweise nur noch über das Wetter. Dass es ja so heiß sei. Und so schwül! Und dass es ja mal regnen müsse, denn der Garten ist ja so trocken. Und die Dahlienwurzeln bekommen ja auch in der Tiefe kein Wasser, weil die Erde ja soooo (handmaß) tief trocken ist! Bei dem Winter ja kein Wunder. Hoffentlich regnet es mal.
Die gemeine Stiftverkäuferin dachte sich nur, hoffentlich regnet es, wenn sie zu Hause ist. Denn mit dem Rad ist das kein Spaß. 

 Aber am Ende des Tages hatte sie noch Glück, kam trocken nach Hause und konnte später im Dunkel der Nacht das Gewitter beobachten, wie es herumzog. Hier und da blitzte und grummelte es. Ein Regenguss kühlte die Luft, während sie mit Herrn Kater am Fenster stand und sich wunderte, wie das Wetter doch die Menschen beeinflusst.
Gewitterwetter naht! Foto wurde zwar von der Stiftverkäuferin aufgenommen, allerdings nicht in ihrem Wohngebiet!

Freitag, 6. April 2012

Hamburg – ein Traum wird wahr


Der Traum eines Urlaubes, gemeinsam, die Welt unsicher machen, einfach weg, egal wohin... planten wir seit etwa 10 Jahren.
Und in diesem Frühling, 2012 am 30.März war es nun soweit. Chry und ich fuhren in den Urlaub.

Idealerweise begann ich meinen Trip mehrere Stunden vorher und kam Donnerstags um 17:00 in Hannover an, um dort die Nacht bei Chry zu verbringen. Denn man weiß ja nie, wie weit Hamburg von einem weg ist und wie lange man unterwegs ist. Nach einem gesunden Frühstück mit Tee, Kaffee und Saft begannen wir langsam die Dinge zu sortieren und die Zelte abzubrechen.
Freitag 10:30 Start in Hannover, List.
Da man allerdings noch den Tank füllen musste und die Blase entleeren (McD-Filialen, seid gepriesen) fuhr man noch ein wenig herum, bis man die Stadt verließ.
Erstaunlicherweise zeigte das Navi eine Restzeit von 1,5h an. Soo weit wars anscheinend garnicht.

Da das Hotel uns allerdings eine Ankunftzeit von 15:00 nannte, machten wir einen Abstecher zur örtlichen Freundin, Fräulein Mar. Dort tranken wir eine Schorle, lachten über ihre Tochter und plauschten ein Weilchen, bis wir uns dann wieder auf den Weg machten.
Gegen 13:00 kamen wir dann im Hotel an, die uns jedoch um etwas Geduld baten, denn die Suite war noch nicht fertig. Also ließen wir die Koffer im Auto und machten uns auf den Weg zur S-Bahn.
Hier sei noch unsere Örtliche Unkenntnis erwähnt: wir standen etwa 7 Minuten im Foyer und studierten eine Karte, bis ich die Dame der Rezeption um Hilfe bat, die Bahn zu finden. Es befanden sich weder Hotel noch Bahn auf der Karte, doch bekamen wir eine örtliche zur orientierung. Mutig stampften wir los, 300m weit und standen vor einem Fashion - Outlet! Ballkleider zu Spottpreisen. Mit großen Augen schlichen wir durch die Gänge und bewunderten Stoffe und Schnitte und Preisschilder! Bräuchten wir doch nur... Hätten wir doch nur... aber schön, mal drin gewesen zu sein.
Weiter gings zur Bahn.
Nachdem wir den Fahrkartenautomaten verstanden hatten, kam die Bahn und brachte uns zu den Landungsbrücken.
Dort angekommen war das Staunen groß. Hamburg hatte ja echt was zu bieten! Und dabei haben wir kaum was gesehen! Wir schlenderten hin und her, schauten hier und da und fanden auch ein Cafè in dem wir uns ein spätes Mittagsmahl genehmigten. LatteM und Muffin, Tee und Franzbrötchen. Dann gings weiter in die Speicherstadt wo wir staunenderweise durch die Häuserschluchten liefen. Wir besichtigten ein Gewürzmuseum und fanden das Meßmer Momentum. Tee hätten wir hier trinken sollen, wäre viel exklusiver gewesen. Schließlich liefen wir die Strecke zurück und warfen noch einen Blick in den alten Elbtunnel bevor wir wieder Richtung Hotel fuhren.
Ein Zwischenstopp im Edeka brachte uns Müsliriegel, Wasser, Physalischips und Fisherman's Friend ein. Ein paar Jährchen früher hätte es Wodka, Energy, Chips und Kippen gegeben. Aber wir sind ja jetzt erwachsen ^^.
Einchecken! Große Augen! Großes Staunen. Persönlicher Willkommensbrief auf dem Schreibtisch, persönliche Begrüßung im Flatscreen TV, Badewanne, riesen Doppelbett, begehbarer Kleiderschrank, alles auf 30m².
Wir zogen uns wärmer an (war echt kalt) und machten uns wieder auf den Weg in die Stadt.
Diesmal gings zum Hbf. Kleiner Rundgang in der falschen Richtung, dann Richtung Westen über Jungfernstieg und Mö- Wir suchten ein Restaurant. Gabs dort nicht sooo häufig. Für die schlechte Hungerlaune gabs einen Bubbles Tea! Das ist ja die Offenbarung. Süßer Frucht-Tee mit lustigen Frucht-Bubbles... die eindeutig nicht Bio sind. Aber lecker.
Schlürfend waren wir Zuckermäßig wieder on Top, und suchten weiter.
Gaaanz weit hinten, noch hinterm Apple Store fanden wir ein kleines Italienisches Restaurant und aßen dort endlich zu Abend! War ja schon nach 20:00.
Ich bat die nette Bedienung dann auch uns den Weg zu einer Cocktailbar zu beschreiben, denn wir hatten echt kein bock mehr weiter irgendwas zu suchen!
Cocktailbar gefunden, ohne Probleme. Laut, Musik, endlose Cocktails!
Da wir aber sooo müde waren, machten wir uns bald auf den Heimweg. Zum Glück war die Bar über einer Bahnhaltestelle.
um 23:30 waren wir im Zimmer. Ich suchte vergeblich nach einer Bibel. Sollte es tatsächlich auch Hotelzimmer ohne christlichen Einfluss geben?
Endlos müde und mit wunden Füßen sanken wir in einen erholsamen Schlaf.

Samstag.
*gähn *
Nach langem schlaf krochen wir erst nach halb 10 aus den Federn. Fertigmachen, Müsliriegel und dann wieder ab zur Bahn. Kurzer Stopp im Fashion Outlet, ob nicht doch etws dabei ist...
Die Fahrt ging nach Altona zum Bahnhof. Dort frühstückten wir Brötchen und leckeren Tee im Bahnhofscafè.
Dann gings auf zum Kleidermarkt. Der Weg war weit, kalt und windig. Als wir ankamen waren wir über die kleine Fensterfront verwundert, doch nachdem wir den Laden betreten haben staunten wir nicht schlecht über die Fabrikhallengroßen Ausmaße! Wir stöberten in den letzen 40 Jahren der Modegeschichte und probierten das ein oder andere aus. Verließen dann eine Stunde später mit vollen Tüten den Laden. Nieselregen! Schneeregen! Wuäääh.
Wir fanden einen Bus, der uns zurück zum Bhf brachte. Und die Bahn dort zum Hbf. Da wir inzwischen wussten, in welche Richtung die Shoppingmöglichkeiten lagen, starteten wir einen niegesehenen Shoppingmarathon. Von Karstadt Sport's Dach betrachteten wir die kleinen Menschen, wunderten uns über den Hauseigenen Golfabschlagplatz auf dem Dach und wanderten anschließend über Promod, Vero Moda, Schuhgeschäfte in die Europapassage, dort rauf und runter usw. Fanden lustige kleine Geschäfte und aßen ein Eis, schlenderten an der Alster entlang und waren am Ende des Tages sowas von kaputt! Von neuem begann die Suche nach einem Restaurant. Aber Chry war schlau und fragte ihr Applephone, welches uns den Weg zu einem Sushiladen zeigte. Dort angekommen, freuten wir uns über vorbeifahrende Leckereien, die man sich nur angeln brauchte. Dazu gab es eine Mangolimonade und Cola. Jaa, wieder alkoholfrei!
Auf dem Weg zum Hbf erwarben wir noch einen Bubbles Tea. *flup * sehr lecker!
Nach insgesamt 9 Stunden Shoppen erreichten wir um 19:30 wieder das Hotel und lagen auf dem Bett. Und lagen. Und lagen... und wollten eigentlich nochmal los. 2h später hatten wir erneut die Kraft zur S-Bahn zu laufen und zur Reeperbahn zu fahren. Gehört ja schließlich auch zu den must-see-things in HH. In der Haltestelle hingen Schilder, die diverse Waffen verbieten mitzuführen. Pistolen, Messer, Schlagstöcke und Plastikflaschen. Letztere aber nur an Wochenenden. Ich hatte nur 2 Dosen Sekt in der Tasche. Die waren als Wurfgeschosse ungeeignet und zählten nicht zu den verbotenen Waffen. Was Pistolen anging, entdeckten wir später den passenden Laden, der davon diverse Modelle zur Auswahl im Schaufenster hatte. Wie sollte man die denn dann nach Hause kriegen, wenn nicht mit der Bahn?? Naja. Prostituierte gab es dort auch, jeweils im Abstand von 2m. Wir bewunderten den Beatles Platz und das Beatles Museum leider nur von außen. Schlenderten über die große Freiheit und tranken in der Bar-Ock einen Tequila Sunrise. Weiter gings dann ins O'Brian's, einem dem Aussehen nach irischen Pub. Doch irisch war er nur dem Aussehen und dem Namen nach. Drinnen lief aktuelle Popmusik, tanzten lustige Leute und hatten Spaß. Wir auch. Man kann überall lästern.
Zu früh für den Abend und erst recht für die Reeperbahn verließen wir den Ort und fuhren ins Hotel. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fanden wir den Weg inzwischen im Halbschlaf. Das nächste Mal, nahmen wir uns vor: Entweder Shoppen, oder Feiern!

Sonntag.
Schon kurz nach 8 war die Nacht vorbei. Wir packten unsere Siebensachen, horteten unsere Einkaufstüten und machten uns schick für unser Luxus Frühstück!
Denn wenn ein Frühstücksbuffet in einem Hotel pro Person 18,- kosten soll, musste es ja auch Luxus pur sein. Der anzugtragende indische Kellner wies uns den Tisch, der schon eingedeckt war. Ich befand mich im Tee-Himmel, während für Chry eine Kanne Kaffee serviert wurde. Dann schlemmten wir mini Croissants, mini Brötchen, mit diversen Lachs, Käse und Marmellade-Sorten. Rührei, gekochte Eier und Omelettes. Man hätte sogar Weißwürste wählen können. Aber wir waren nicht so südländisch. Es gab Obstsalat aus aussergewöhnlichen Früchten, diverse Fruchtquarks und Müslisorten. Ein Glas Champagner hätte uns nur 5,50 extra gekostet! Wir verzichteten und wählten stattdessen aus dem Angebot der frischgepressten Säfte. Yummy!!
Viel zu früh waren wir viel zu satt.
Und ebenfalls viel zu früh verließen wir das schicke Hotel und saßen wieder im Auto Richtung Heimat!
Der Trip war super, das Wetter eine Woche zu früh sonnig und die Pläne: das machen wir mal wieder!

Montag, 20. Februar 2012

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin - Hatschi!

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin
Hatschi!

Jahrzehnte ist es her, dass meine Mutter mir beibrachte: Kind, wenn du niesen musst, halt dir die Hand vor den Mund. Ebenso beim Husten. Warum? Selbst das wurde mir erzählt: wenn du Niest, fliegen hunderte von fiesen Krankheitsbazillen durch die Luft und stecken alle Leute an. Und es ist unhygienisch.

Heutzutage interessiert das scheinbar niemanden. Im Stifteladen wird während der Wintermonate gehustet, geniest und geröchelt was das Zeug hält. Vermutlich eine neue Art der Erziehung oder eine ignorante Art gegenüber Mitmenschen, oder ein fehlen der eigenen Erziehung ist unser heutiges Thema hier.
Fall 1: Frau G. die gemeine Stiftverkäuferin hat munter dekoriert, kleine niedliche und glänzende Autos mit Schraubenziehern, Mororräder mit Uhr, LKWs mit Notizzetteln und diverse Schlüsselanhänger hergerichtet damit des den potentiellen Kunden zum Kauf anregt. Alles blitzt und blinkt und läd zum Anschauen ein. Auch zum Anfassen, darum hält die gemeine Stiftverkäuferin jedes Mal ein Auge auf kleine Kinder, die nur „Auto“ sehen und nicht „teures Auto mit Schraubenzieher für Erwachsene“. So stand sie auch neben dem kleinen Paul, als er mit den Autos spielen wollte. Seine Mutter stand im hinteren Teil des Ladens und lies sich beraten, hatte also in dem Moment kein Auge für ihren Sohn. Paul, gerade 2 geworden, hatte klebrige Hände, eine laufende Nase und kein Interesse für die ermahnenden Worte der gemeinen Stiftverkäuferin.
„Das ist nicht zum Spielen“ , „Nein, lass das mal lieber...“ und dann: „HATSCHII!“ Und „HATTTSCHHHI!!“
Dinge flogen auf die neue glänzende Ware und benässten alles. Freudige Bazillen stiegen in LKWs ein und fuhren auf Motorraduhren um die Wette. „Üäääh!“ dachte sich Frau G. Warf der Mutter einen bösen Blick zu, denn diese hatte es doch tatsächlich am Rande mitbekommen und rief ihren Paul zum Naseputzen. Und was ist mit den Schlüsselanhängern? Rotztriefenden Briefklammernspendern? Die musste Frau G. reinigen.
Und schwor sich, ihre Kinder zu erziehen!

Einen anderen Tag stellte die gemeine Stiftverkäuferin fest, dass nicht nur 2jährige Kinder das Frei-Niesen beherrschen. Selbst 5jährige konnten Erziehungslos zu Warenbefeuchtern mutieren. Denn der kleine Jason bewunderte einige Porzellan Artikel, als ihn der Niesreiz überkam. Bäm! Warum drehen sich Kinder dann nicht weg? Warum wird geniest wo man steht und guckt? Und warum hat auch seine Mutter nicht ein Wort gesagt?

Doch am Schlimmsten war der kleine Jannes. Jannes bekam einen Ranzen, denn er wurde bald eingeschult. Frau G. hockte sich vor ihn um den Ranzen einzustellen, Träger zu richten und Sitz zu überprüfen, als sie von einer weiteren Kundin angesprochen wurde und die Katastropfe nicht nahen sah. Ja, Katastropfe!
Denn ehe sie sich versah, nieste der kleine Jannes ihr ins Gesicht. Des Jannes Mutter saß daneben, doch auch hier wartete man vergebens auf eine erzieherische Reaktion. Die gemeine Stiftverkäuferin wiederum war so verdattert und verekelt dass sie kein Wort des Scheltens herausbekam und sich nur angewidert den Schleim von der Backe wischte.
In der darauf folgenden Nacht, während Frau G. ruhte, begannen des Jannes Mikroben munter in ihr zu toben. Daraus entstand eine Erkältung wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. 3 Tage Halsweh, 5 Tage Schnupfen und 3 Tage Husten! Und Gedanken der Rache die hier aus jugendschutzgründen nicht genannt werden. Und unbeantwortete Fragen der Respektlosigkeit gegenüber fremden Menschen. Und mögliche, bessere Gegenreaktionen, wie Zurückspucken, Ohrfeigen, Elternbezetern... doch im Grunde tat sie nichts. Denn es ist nicht ihr Kampf der hier gefochten wird. Es ist der Kampf der allgemeinen Vernachlässigung der Erziehung der Kinder. Und Gedanken des Weltunterganges kreisen durch den Geist, hervorgerufen durch die Idee einer Armee von pöbelnder Idioten, verschnupft, sich gegenseitig ansteckend, autoritätslos in der Zukunft der Menschheit herum vegetierend. Was soll nur aus uns werden...?

Montag, 13. Februar 2012

Aus dem Leben der gemeinen Stiftverkäuferin - Der Zirkel des Lebens

Es war ein normaler, etwas ruhiger Tag im Leben der gemeinen Stiftverkäuferin, als gen Nachmittag eine Familie den Laden betrat.
„Schönen guten Tag. Kann ich Ihnen helfen, oder schauen sie erst einmal...?“ war die Frage, die sie sich hätte lieber verkneifen sollen.
Ja, war die Antwort, wir brauchen einen Zirkel.
Der Junge im Alter von ca 10 Jahren bekam von der Lehrerin die Mitteilung einen Zirkel zum Unterricht mitzubringen.
Diese Aufgabe zu erfüllen würde den normalen Menschen etwa 10Min seines Lebens kosten. Rein in den Markt, hin zum Regal, Farbe aussuchen, Preis ok? Dann ab zur Kasse.
Nicht so in der Familie X bei der daraus ein kleiner Nachmittagsausflug wurde.
Stiftverkäuferin: „Hier haben wir die Zirkel. Entweder die von FC oder von Ro.“ Hinweisender Fingerzeig auf Modell und Farbe.
Mutter: „Welche sind denn besser?“
Stiftverkäuferin: „Im Prinzip sind beide gleich gut, die einen sind bunt gemustert, die anderen nicht, lassen sich aber im Schenkel abknicken.“
Der Sohn fand den blauen von Ro am besten und nahm ihn aus dem Regal.
Mutter: „Was kosten die denn?“  Preise wurden genannt.
„Ah ja. Und worin unterscheiden sie sich?“ Stiftverkäuferin weist erneut auf abknickende Schenkel und Muster hin.
„Ben (Name geändert), schau mal, welcher gefällt dir denn?“
Ben zeigt blauen Zirkel von Ro.
„Können wir den mal aus der Packung nehmen? Dass wir mal schaun können, der muss ja auch gut in der Hand liegen und leicht zu bedienen sein.“ Stiftverkäuferin nimmt Zirkel aus der Packung.
„Jetzt nimm den mal in die Hand. Lässt der sich leicht bewegen?“
Stiftverkäuferin verneint: „Der muss sich nicht leicht bewegen können, sonst verändert der beim Kreiseziehen den Durchmesser...“
Ben bedient den Zirkel. Großer Durchmesser, kleiner Durchmesser.
Mutter: „Du darfst den aber nicht so auf machen, dafür ist das Rädchen zum Verstellen da.“
Stiftverkäuferin erklärt den Sinn von Schnellverstellbarkeit ohne Rädchengekurbel.
„Ben, jetzt guck mal wie der in der Hand liegt, oder ob du da abrutscht.“
Zirkel hat Schenkelseitengummierung mit Noppenbesatz.
„Jetzt guck mal ob du die Schenkel auch gut abknicken kannst. Oder ob das schwer geht.“
Ben dreht an den Schenkelschrauben, verstellt die Schenkel, knick ein, knick aus.
„Ben, oder willst du den anderen?“
Stiftverkäuferin kriegt Panik.
„Guck mal Ben, der andere hat ein Muster. Was meinen Sie denn, welcher ist denn gut?“
Da sich Ben schon seit 10Min für den blauen Ro Zirkel entschieden hat, zeigt die Stiftverkäuferin auf den blauen Ro Zirkel.
Mutter guckt Vater an. „Herbert, was meinst du denn dazu?“
Herbert guckt sich die Zirkel an. Nimmt den blauen von Ro, Schenkel knick ein, knick aus, großer Durchmesser, zusammendrücken.
„Ja, das muss doch Ben wissen. Ben, welchen möchtest du denn?“
Ben total gelangweilt.
Mutter nimmt gemusterten Zirkel von FC aus dem Regal.
„Schau mal Ben, der ist auch nicht schlecht.“
Ben: „Nein, ich will den blauen.“
Mutter: „Naja, wenn du das sagst. Was kostet der ? Na das ist ja auch ok.“
Und dann sagte sie den Satz, den man in diesem Moment nicht mehr fürchten könnte:
„Wir wollten dann aber auch noch mal nach einem neuen Ranzen gucken. Ben? Du brauchst ja noch einen neuen Ranzen für die 5. Klasse.“
Damit resignierte die gemeine Stiftverkäuferin und begann ein noch längeres, komplizierteres und aufwendigeres Gespräch über einen Schulrucksack.
Denn da gab es 3 unterschiedliche Modelle, von denen 2 mit Schulsachen gepackt werden mussten, die Eltern beide aufsetzten, sich entschieden dass der eine besser als der andere sei. Dabei aber viele Gurte herunterhingen (Verlängerung der Trageriemen) in denen sich das Kind ja verfangen kann. Welcher denn den besseren Rücken hat, welcher bunter ist, welcher billiger ist, aber länger hält... etc, etc, etc.
Und als die Familie nach einer weiteren Stunde, die man sich hätte sparen können wenn man auf den Geschmack des Knaben gehört hätte, endlich den Laden verließ, dachte die gemeine Stiftverkäuferin ernsthaft darüber nach, eine Flasche Schluck im Kühlschrank zu deponieren.