Aus dem Leben der gemeinen
Stiftverkäuferin – Kinder, Kinder!
Es ist mal wieder an der Zeit darüber
zu berichten, was doch diese kleinen, menschenähnlichen Wesen, die
Tag ein Tag aus in den Stifteladen kommen, für abenteuerliche
Geschichten mit sich bringen.
Gerade jetzt zu Zeiten des nahenden
Schulanfangs wird es besonders lustig. Kinder, die ihren ersten
Schulranzen bekommen, betreten den Laden mit Augen groß wie
Untertassen, laufen staunend von Dino zu Transformers, wollen alle
Ranzen am liebsten mit nach Hause nehmen... oder sind absolut
unbeeindruckt. Ja, das gibt es auch. Während Luca S. seine Eltern
versucht zu überzeugen, dass er auch in 5 Jahren noch immer den
heißgeliebten (meist Liebe auf den ersten Blick) Schulranzen mit dem
Traktor drauf zur Schule tragen wird, weil der ja sooo toll ist und
überhaupt ist da ja auch ein Anhänger dran! Ist Celina K. völlig
apathisch. Versteckt sich hinter dem Rücken ihrer Mutter, schaut nur
auf den Boden und lässt sich wahllos Ranzen für Ranzen auf den
Rücken schnallen um lustlos anzuprobieren, welcher am besten passt.
Welcher ihr dann gefällt, lässt sich auch nur herausfinden, wenn
die Eltern die ins Ohr geflüsterten Worte übersetzen. Aber selbst
nach dem Kauf verhält sich ein solches Kind nicht gerade
überschäumend vor Freude. Der Ranzen wandert in eine Tüte und das
Kind verlässt den Laden, während die Eltern sich noch für die
Geduld der Stiftverkäuferin bedanken. Luca S. wiederum mag den
Ranzen zum Kassiervorgang gar nicht erst abnehmen. Da muss die
Stiftverkäuferin die Zettel abschneiden, das Zubehör einladen und
hoffen, dass der Ranzen bis zum Schulanfang nicht zum
Alltagsaccessoire mutiert. Aber sie freut sich über die Eltern, die
dann wieder kommen und berichten, dass der Ranzen mit im Bett
schlafen muss und schon allen Verwandten und Freunden gezeigt wurde.
So muss das eigentlich sein!
Überschäumende Kinder machen Spaß.
Wie der kleine Tim, der während der Anprobe aus dem Nichts mitten im
Gespräch in die Runde rief: Ich habe Schildkröten! *
große Lolli-Augen *
Tja,
was soll man dazu sagen. Kinder benötigen in manchen Augenblicken
vollste Aufmerksamkeit. Und wenn sie die nicht bekommen, wird sie
geschaffen. Egal was herum passiert.
Letztens
kam ein kleiner Junge in den Laden, drängelte sich durch 5 Personen
die an der Kasse standen durch, kämpfte sich zum Tresen, fixierte
Frau G. mit den großen Lolli-Augen und rief: ICH HABE DAS!!! Ein
verpacktes Etui hochhaltend, was er irgendwo anders erworben hatte.
Auftrag erfüllt! Die Mutter, noch gerade am Eingang schmunzelte nur,
denn sie war die Auftraggeberin. Wenn du das Etui nicht in der Tasche
tragen willst, dann sag der Tante, dass du das mitgebracht hast.
Sonst kommt die Polizei! Oder so ähnlich. Stiftverkäuferinnen
wussten jetzt Bescheid. Fertig.
Und
damit es nicht zu anderen Verwirrungen kommt, wird die
Stiftverkäuferin auch gefragt, ob man das Etui denn auch auspacken
darf. Hier im Laden. Unbedingt! Sowas kann spannender sein als ein
Ü-Ei.
Verwirrungen
gibt es auch manchmal an anderer Stelle. Wenn die Eltern Bekannte
treffen, die die Kinder zum ersten Mal sehen. Ja, wer bist du denn??
Fragte der Onkel das kleine Kind mit den langen blonden Locken. Die
Henriette? - Nein... * Gesicht versteck * Dann bist du die Barbara? -
Nein! *zum Boden schau * Na wie heißt du denn dann? (Frau G. schrie
in Gedanken Rumpelstielzchen!) … Maximilian... * hinterm Papa
versteck *
Ja,
das war für den Onkel ein peinlicher Moment, für die
Stiftverkäuferin allerdings wieder ein Grund zum Lachen in den
Keller zu verschwinden. Was müsst ihr Eltern auch euren Jungs die
Haare lang wachsen lassen und dann asexuell einkleiden? Gelb und
Grün... mit braunen Schühchen... Warum nicht die Lederjacke,
Sonnenbrille auf den Kopf und ne nette Jeans dazu?
Lustige
Accessoires an Kindern können sowieso Spaß machen.
In
irgendeinem Masochistenladen gibt es pinkfarbene Zauberstäbe mit
Sternchen am Ende, das lustig glitzert und beim Aufprall an diversen
Dingen magische Geräusche von sich gibt.
Wenn
man nun als Mutter enorme Nerven hat, masochistisch veranlagt ist
oder die perfekte Medikamentenmischung entdeckt hat, kann man seinem
Kind so etwas schenken. Es wird sich freuen und diesen Zauberstab
gerne mit zum Einkaufen nehmen.
Quengelnderweise
saß nun dieses Kind auf dem Arm der Mutter und fand es super ihr mit
dem Zauberstab auf den Kopf zu hauen. Irgendwas muss man ja machen,
wenn die große Schwester im Mittelpunkt steht und einen Füllhalter
bekommt. Frau G. bediente zum Glück einen anderen Kunden, wunderte
sich aber über die abnorme Geräuschkulisse.
*
klonk*
FLUFLUFLUFLUUUUU
*
klonk*
FRRRRRRRRPIIUUUUUUUUUU
*
klonk*
FUUUAAAUUUAAAUUUAAAAAAAAAAA!!!!!
*
klonk*
naja,
wir kürzen das hier jetzt mal ab. Frau G. hätte zumindest gerne
etwas von den Pillen ab bekommen, die die Mutter geschluckt haben
muss, um dieses zu verkraften. Alternativ kann man aber auch so lange
die Karten auf den Kartenständern vorm Laden sortieren. Und die arme
Kollegin im Zenit des magischen Gewitters bemitleiden. Manch einer
lacht hier jetzt. Frau G. nicht. … :D
Schulsachen
kaufen mach ja sooo einen Spaß!
Dabei
können Kinder aber auch sehr Selbstständig sein. Wie die kleine
Pia, die jetzt in die Schule kommt. Nach betreten des Ladens,
zuppelte sie ihrer Mutter die Einkaufsliste aus der Hand und kam mit
den Worten „ Ich nehm mir ne Verkäuferin“ auf Frau G. zu. Warum
auch nicht. Dafür ist sie ja da.
Aktuell
musste die gemeine Stiftverkäuferin auch feststellen, dass vor 6
Jahren bei der Namensgebung gern gespart wurde. Waren es im letzten
Jahr noch John-Lennard, Sophie-Miriella-Thabea, Hieronimus und
Josephine Mercedes, sind es in diesem Jahr eher Pia, Mia, Tim, Luc
oder Lea. Wunderlicherweise auch Luna, ein besonders hübscher Name.
Kannte Frau G. bisher nur von Sailor Moons Katze und dem Hund einer
Bekannten. Aber warum nicht. Frau G.s Kater heißt Paul. Vielleicht
nennt sie ihr Kind später einfach auch so.
Jetzt
zumindest hat Frau G. erstmal Sommerurlaub, erholt sich vom Stress
des Stifteladens und freut sich auf 2 Wochen Kinderfreie Zeit. Also:
wegsperren!


