Frau G. ist tierlieb. Sie wohnt selber mit einem dicken, eigensinnigen und fast menschlichen Kater Paul zusammen und der eigentümlichen Bartagame Ätna. Fremden Tieren gegenüber ist sie auch immer freundlich und zuvorkommend. Z.B. bekommen Hunde die den Laden im Sommer betreten und deren Herrchen sich langen Verkaufsgesprächen leidenschaftlich hingeben einen Napf Wasser und etwas Aufmerksamkeit. Auch wenn Frau G. hinterher den Boden wischen muss, damit weitere Kunden nicht in den hinterlassenen Wasserpfützen ausrutschen.
Nur einmal hat ein Hund Pfützen hinterlassen, über die sich Frau G. geärgert hat. Er hat einen Kartenständer mit einem Baum verwechselt. Zum Glück hat das Frauchen schnell genug reagiert und beim Reinigen geholfen.
Hunde jeder Größe und Form betreten täglich den Laden. Stammhunde laufen, ihre Leine hinter sich her ziehend, ihren Frauchen hinterher. Erschöpfte Hunde lassen sich mitten im Weg fallen und mutieren zu einer Art riesigem Bettvorleger, zur Belustigung anderer Kunden, die drüber hinweg steigen müssen.
Und manchmal mögen die Hunde den netten Verkäuferinnen mehr als ihr Herrchen. Dana-Bleib ist so ein Fall. Dana-Bleib wird immer hinter ihrem Herrchen Herrn S. hergezogen. Nur im Laden befreit er sie von ihrer Leine und sie trottet für sich durch die Regale, wird dabei immer mit ihrem Namen angeschrien, reagiert aber nicht. Stattdessen erschreckt sie durch ihre freimütige Runde Frau St., die manchmal etwas ängstlich in Gegenwart großer Hunde ist. Nur wenn Herr S. den Laden verlassen will, entspricht Dana-Bleib ihrem Namen. Denn Frau M. spricht mit ihr in sanften Stimmen und sie lauscht ganz ergeben. Eine Ecke später merkt Herr S., dass Dana-Bleib nicht da war und lief zurück um sie "Dana-Komm" zu rufen. Und er musste sich bemühen.
Auch andere Tiere können Frau G. belustigen. Vor allem ihr Unwesen treibende Spinnen. Frau G. beobachtete eine Weile Frau S. wie sie hinter einem Regal auf dem Boden nach einem Kabel grub, sich dort beschäftigte und wuselte. Danach begutachtete sie die monströse Spinne die keine 10cm weiter auf einer Herzgirlande saß. Ein psychologisches Experiment begann sich in ihren Gedanken zu bilden und sie rief nach Frau S.
"Schau mal, hast du das gesehen?" Fragte sie Frau S., die sich wieder in Spinnennähe befand.
Frau S. guckte, stutzte und schrie wie am Spieß.
Frau G. rieb sich die Hände und freute sich über das Ergebnis.
Aber Spinnen können sich rächen. Als Frau G. eines Tages nichts ahnend auf der Toilette saß begann eine Spinne ihr Tänzchen auf der Klorolle aufzuführen. Frau G. befand sich in einer Patt-Situation. Und Frau S. die gerade den Keller betrat wunderte sich über das anhaltende Gekicher aus dem Bad.
Den turbulentesten Tierbesuch hatte Frau G. mit einer Taube, die sich im Schaufenster verirrte. Natürlich in dem mit den hochwertigen Schreibgeräten, wackeligen Konstrukten und aufwendigen Stapeln. Natürlich musste sie hinter der Taube her krabbeln und sie wieder einfangen. Aber es gibt schlimmeres, dachte sie sich.
Die sommerlichen Insektenbesuche sammeln sich alljährlich auf den Deckenstrahlern. Jeden Herbst beginnen Frau M., Frau S. und Frau G. mit der Arbeit alle Glasplatten abzuschrauben und das dargebotene Sortiment an knusprigen Mücken, Fliegen und Wespen zu entsorgen. Wehe dem, der bei einem Unfall mit den Tierchen beregnet wird.
Tiere, egal welcher Art auch immer, bringen Aktion ins tägliche Geschäft. Manch einer freut sich, manch einer nicht.
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