Donnerstag, 23. April 2009

5. Kinder und ähnliche Unfälle

Eigentlich mag Frau G. Kinder. Wenn sie niedlich sind und sie vom Kinderwagen aus angrinsen. Sich darüber freuen, wenn sie komische Verrenkungen abseits aller Kunden zur Belustigung des Kindes macht. Kinder können sich niedlich freuen. 

Was sie auch noch niedlich fand, war die gemurmelt-genuschelte "Enschuldigunn" von einem kleinen Jungen, der ohne dass seine Mutter es bemerkte, mit einem kleinen Stempel ein Regal bearbeitete. 
Auch ein kleines Mädchen, dass sich den ersten Füller aussuchen sollte war noch niedlich. Ca 7 Jahre alt, unentschlossen bis ins kleinste Detail fragte sie nach 5 Minuten angestrengtem hin und her Überlegens, ob lieber der blaue oder pinkfarbene Füllhalter, "...vielleicht lieber pink, aber blau ist auch schön..." unschuldiges in Frau G.'s Augen guckend: "Nervt das?" 
Wobei das auch eher komisch war. 
Ebenfalls zum totlachen fand Frau G. die Töchter einer Kundin, für die der gesamte Laden ein riesiger Fantasy-Park war. 
"Hier wohne ich" Kind steht hinterm Kalender-Ständer. 
"Ich bin jetzt eine Hexe" und Kind 2 " Ich auch!" 
"hex,hex"-rufend liefen sie dann durch den Laden. Bis sie sich am Geländer zum Kellerbüro der Chefin versteckten und sie beobachteten. 
"Das ist eine Hexe!"
"Eine böööse Hexe!"
"Die darf uns nicht sehen!" gemeinsames Wegrennen. 

Dann gibt es die Kinder, über die sie sich aufregt. 
Entweder weil Frau G. beobachtet, wie ein kleiner Junge sich -Frau G.beobachtend- einen Flummi im Ärmel verschwinden lässt, oder weil sie unter die Kategorie "Piranha-Kinder" fallen.
Piranha-Kinder sind Kinder, die laut und wirr sind, alles anfassen und immer reden. Sie treten meist in Gruppen von mindestens 2 Kindern auf, stacheln sich gegenseitig auf und hinterlassen Chaos, Kopfschmerzen und Dreck. Welcher sich meist in Handabdrücken auf Glasscheiben, Kekskrümeln auf dem Boden oder Kaugummiflecken äußert. Das sind die Kinder, die Frau G. hinter her verflucht und am liebsten mit ihren Hinterlassenschaften bewerfen würde. 

Und es gibt Kinder, die Frau G. echt seltsam findet. Wie das Mädchen, dass an dem ersten lauwarmen Frühlingstag den von Strahlern und Sonneneinstrahlung unangenehm aufgeheizten Laden betrat, Sonnenbrille auf und Eis in der Hand: "puuh, mal einen Augenblick im Kühlen ausruhn..." sprach und wieder verschwand. Seltsam. 
Und Kinder, die Namen haben...die sonst keiner Hat. Aragorn ist Frau G.'s Lieblingskunde. Seine Mutter nutzt auch jede Möglichkeit ihren Sohn durch den Laden zu rufen. Wie viele Lennards und Justins sie bedient hat, weiß sie nicht mehr. Als eines Tages die Oma mit Benjamin-Friedrich und Alexander-Heinrich den Laden betrat, hatte sie Mitleid. Die Schreibversuche von Angel-Leon waren auch interessant, ebenfalls die von Summer, Sue Ann und Shirin. 

Aber was Frau G. am meisten hasst sind ADS-Kinder. Dagegen sind Piranha-Kinder lausige Goldfische. Während eines Kundengesprächs beherrschen diese Kinder die Geräuschkulisse des Ladens vollkommen. In 20 Minuten, die Frau G. braucht um der Mutter einen Füllhalter zu verkaufen, schreit das Kind ca 320 mal "Mamaaa!" 160 mal "Ich will das haben!" und 270 mal "Komm jetzt, ich will nach Haus!!" ADS-Kinder wissen nicht, dass man still sein muss, wenn sich Erwachsene unterhalten. Sie wissen nicht, dass Eltern beim 1. Mal hören, wenn sie gerufen werden, es aber manchmal einfach ignorieren. Und sie wissen nicht, dass es die Verkäuferinnen extrem auf die Palme bringt, alles anzufassen und umherzutragen. Und sie können nicht im geringsten Ahnen, dass Frau G. nachdem Mutter und ADS-Kind den Laden verlassen hat, in den Keller geht und verzweifelt den Schnaps im Kühlschrank sucht und sich alternativ die kochenden Nerven mit einer Tasse kaltem Tee abschreckt. 'zischhhhh'

Am Ende des Tages denkt sich Frau G.: Kinder sind die Engel auf Erden. Oder Piranhas im Schafspelz. 

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