Mittwoch, 15. April 2009

3. Rentner

3. 
Rentner

Frau G. mag Rentner. Manchmal. Manchmal nicht. Rentner gehören zu der Sorte Kunden, die morgens kommen und ihr den Tag verderben. Rentner mit Krückstöcken klopfen gerne vor Ladenöffnung an die Scheibe und "bitten" um Einlass. Haben es eilig. 
Diese Rentner gehören zur Sorte: Rentner ohne Zeit. 
Diese Kunden kommen immer gleich morgens, haben es eilig (Arzttermin), wollen eine Kugelschreibermine kaufen und erzählen, dass sie, seit dem sie Rentner sind, niiiemals Zeit haben. 

Rentner mit Zeit mag Frau G. dann doch etwas lieber. Diese lassen sich viel Zeit, sehen sich alles ganz genau an (entdecken dabei viele Dinge, die sie unbedingt brauchen) und erzählen. 
Hierbei gibt es wiederum 2 Arten. 1: Rentner, die interessante Dinge erzählen, lustige Sachen aus ihrem Leben und was sie mit den gekauften Geschenken machen möchten. Wo sie überall hin gereist sind, wo sie gelebt haben...etc. 
Und 2: Rentner, die krank sind. Ach, die Hüfte. Und der Rücken. Und ehe man sich versieht, wird man Experte für Rheuma und Gicht Erkrankungen, zumindest, was die Symptome betrifft. 
Leider ist Frau G. auch ein guter Zuhörer, was die Kunden sofort mitkriegen. Und so weiß sie z.B. auch über die Töchter und Enkel von Frau Herta Hirsekuchen Bescheid, die jetzt umziehen, sie selber am Wochenende mithelfen muss, die Enkelkinder beim Opa bleiben, da sie unter ADS leiden und sooo anstrengend sind. Woran aber die Kinder schuld sind, bzw, der Vater, der die Mutter verlassen hat, kurz nach der Geburt und die Mutter so gestresst war.... blah. 

Rentner, die Frau G. mag, sind Rentner, die noch die gute Erziehung von Damals genossen haben. Die sich bedanken, ebenfalls ein schönes Wochenende wünschen, freundlich sind und sich freuen, wenn man ihnen die Tür aufhält. 

Rentner, die Frau G. unheimlich findet, sind Rentner, die keuchen, deren Schweiß auf den Tresen tropft, die mit dem Gebiss klappern oder schwärende Wunden im Gesicht haben. Ekelig fand Frau G. die Rentnerin mit den Blähungen, die schwerhörig war und dachte, sie würde leise furzen. 
Und ganz gruselig fand Frau G. die Rentnerin, die sich mit letzter Kraft von der Tür zum Tresen kämpfte und dann stolz erzählte "So. Dies ist mein letzter Weg!" 

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