Der Tag an dem die Stiftverkäuferin
auszog um eine Hose zu kaufen
Bzw die Tage
Es geschah zu einer Zeit, die
ungünstiger nicht sein konnte. Sommeranfang. Frau Comorph's Hose
riss entzwei. Ja, Frau Comorph ist in Wirklichkeit die gemeine
Stiftverkäuferin, wer hätts gedacht!
Es war ihre Lieblingsjeans *schnüff *,
mittelblau, leicht verwaschen, perfekter Sitz und perfekte Länge.
Nicht zu modisch und nicht zu langweilig. Einfach ideal für Beruf
und Freizeit. Doch eines Tages kommt immer der Augenblick, an dem man
feststellen muss, dass die Hose an der ein oder anderen Stelle
fadenscheinig wird. Und dieses stellte Frau Comorph schon seit
längerem fest und infolge dessen etwas aktueller, eine Lochbildung
an dieser fadenscheinigen Stelle.
Groß war die Trauer und groß der
Kummer.
Aber was soll man lange trauern, wenn
die Auswahl der Jeansverkaufenden Läden in der kleinen Stadt doch so
groß ist, dass es Sommerlicherweise doch kein Problem sein sollte
eine identische Hose zu finden. Wir erinnern uns, der Auftrag
lautete: Kauf eine Hose, eine Jeans, mittelblau, gerades Bein, leicht
verwaschen, perfekter Sitz. Sollte nicht so schwer sein, da Frau
Comorph schlank, gerade gewachsen und proportional optimal ist.
So war der Plan.
Die Ausführung.
Die gemeine Stiftverkäuferin hat pro
Tag 45 Minuten Mittagspausenzeit um eine Hose kaufen zu gehen. Eine
Hose zu finden und anzuprobieren sollte viel weniger Zeit in Anspruch
nehmen.
Tag 1: Da Frau Comorph noch einen
Restgutschein hatte, versuchte sie ihr Glück zuerst in dem kleinen
pinkfarbenen Lädchen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte sie dort
eine Jeans erworben, die von relativ guter Qualität ist. Und sie
erinnerte sich an Unmengen von Jeans, die dort zur Erwerbung
ausgestellt waren. Diese Unmengen fand sie auch. Doch bestanden sie
meist aus großen Größen. 4 Hosen allerdings hatten die richtige
Größe und wurden mit in die Umkleidekabine genommen. Perfekterweise
waren sie sogar reduziert und kosteten weniger als die Hälfte!
Hose 1: zu groß. Hm, Größe
36...seltsam.
Hose 2: zu groß und zu lang. Ebenfalls
Größe 36
Hose 3: zu klein. Auch eine Größe 36
Hose 4: der Favourit vom Ausehen, Größe
34, aber zu groß.
Verärgert hing sie die Hosen zurück
und suchte in der Ecke mit aktueller Mode. Doch dort befanden sich
nur Röhrenjeans. Und die wollte Frau Comorph nicht. Hatte sie schon.
Auf dem Rückweg machte sie noch Stopp
im großen Warenhaus der Stadt, das nach dem Umbau mit frischem und
neuem Design warb. Doch die Modeabteilung war weder frisch noch vom
Design für die junge und modische Stiftverkäuferin geeignet. Denn
altbacken und Bauchnabelhoch hingen dort Hosen für Frauen jenseits
der Menopause. Aber man kann bei der Gelegenheit bei den super teuren
BHs schaun, denn sowas wollte man ja auch mal immer anprobieren.
Doch, der Tag stand nicht unter guten Sternen, selbst ein BH jenseits
des erträglichen Preises war nicht gewillt sich dem Körper der Frau
Comorph anzupassen. Vielleicht wäre dies der Zeitpunkt für eine
spontane und verkaufswillige Unterwäscheverkäuferin gewesen, aus
dem Nichts vor der Umkleidekabine zu erscheinen und sofort den
passenden BH aus der Rocktasche zu zaubern. Aber Verkäuferinnen gab
es hier nicht, die versteckten sich lieber.
Damit war die Pause auch vorbei.
Tag 2: Heute hatte die gemeine
Stiftverkäuferin frei und war mit dem Captain in dessen Heimatstadt
unterwegs. Er besuchte seinen Großvater und Frau Comorph nutzte die
Zeit um etwas einzukaufen. Geplant waren Lebensmittel, aber die gab
es neben dem tollen Laden mit der lauten Musik. Nach dem Eintreten
befand sie sich in einem Hosen-Mekka. Hunderte von Farben, Formen und
alles reduziert. Naja, fast alles. Es gab Millioooonen, reduzierte
Hosen, die man duchgucken konnte! Und Zeit im Überfluss. Also,
durchgucken. Und gucken. Und Hosen blättern wie Buchseiten auf der
Suche nach der Stelle wo man gestern eingeschlafen ist. Zu groß, zu
groß, zu klein, hässlich. Wer trägt bitteschön
Schlumperhosen-Jeans? Leider war ein Großteil der Jeans entweder in
der falschen Größe oder mal wieder eine Röhrenjeans. Hier lernte
Frau Comorph auch den Unterschied zwischen Skinny Jeans und
Super-Slim-Skinny und diversen anderen lustigen Bezeichnungen.
Draußen ging derweil die Welt unter in einem tosenden Gewittersturm.
Doch im Laden war es, bis auf die lästige Musik, ganz angenehm. Mit
5 Hosen begab sie sich in eine Umkleidekabine.
Hose 1: zu groß.
Hose 2-5: ebenfalls, wir kürzen das
hier jetzt etwas ab. Seltsamerweise waren die Hosen an den Beinen
passend, nur am Bauch standen sie ab. Was muss eine Frau für eine
Figur haben um dort hineinzupassen?
Verfrustet stieg sie wieder in die
eigenen Hosenbeine und schaute was es noch so gab. Immerhin gab es
hier passende BHs. Ja, und dieser befand sich außerordentlich unter
dem gewillt zu bezahlenden Betrag. Immerhin ein Erfolg der Woche.
Am anderen Ende des Ladens befanden
sich ebenfalls Jeans, doch beim genaueren Hinschauen, waren es genau
die gleichen, die sich schon am entgegengesetzten Ende befanden.
Seltsame Warenpräsentation.
So freute sich Frau Comorph zumindest
über den kleinen Sieg der Unterwäsche.
Tag 3: Da Frau Comorph aufs Mittagessen
verzichtete hatte sie nun etwas mehr Zeit und begann ihre Suche im
großen schwedischen Modehaus. Doch ein schneller Blick zeigte: hier
gibt’s nur Röhrenjeans. Ärgerlich. Farblich wären sie zwar ganz
nett, aber eine Röhre wollten wir ja nicht.
Weiter geht’s zum schicken kleinen
Lädchen an der Ecke. Dort hingen tatsächlich die perfekten Jeans,
aber den Preis war Frau Comorph nicht bereit zu zahlen!
Unverschämtheit. Was denken die sich? Weiter in den bunten Laden mit
der lauten Musik – den gab es hier auch -, doch hier gab es die
gleichen Hosen noch einmal, die sie einen Tag zuvor anprobiert hat.
Langsam kroch die Überlegung durch die
staubigen Hirnwindungen: was, wenn es gar keine Hose gibt, so wie die
alte war? Was, wenn man nun doch nur eine Röhrenjeans nehmen muss?
Eine enge, modische, zu der man nie die passenden Schuhe hat? Aber
zumindest hätte man dann eine Hose...
Zurück zum schwedischen Modeladen.
Dort hingen viele verschiedene Röhrenjeans. Beim Durchschauen fand
sich sogar eine gerade geschnittene, mittelblaue, leicht verwaschene
Jeans. Doch nun stand Frau Comorph vor dem nächsten Problem:
Verdammt.. welche Größe?? 34, 32, 28, 29?
Also anprobieren. Sie nahm die kleinste
Größe mit, eine 29, dazu ein paar gleichgrößige (ja,
gleichgrößige!) Röhrenjeans, annehmbarem Designs. Doch, das
kannten wir schon: alles zu groß! Was für eine Welt ist das
eigentlich?? Die kleinste Hose war eine 26, die war allerdings zu
klein. Eine 27 gab es, die passte auch, gefiel aber nicht, war auch
30cm zu lang. Wie traurig. Dann war die Pause auch schon wieder
vorbei.
Wieder ein Tag ohne Hose.
Tag 4.
Langsam machte sich Frau Comorph
Gedanken, ob sie tatsächlich noch eine Hose finden würde. Oder ob
es gänzlich unmöglich sei, zumindest in diesem Sommer.
Viele Möglichkeiten blieben nicht
mehr. Das Internet, so groß es auch war, wurde schon früh
ausgeschlossen, da einfach die Möglichkeit des Anprobierens nicht
gegeben war. Und bei den seltsamen Hosengrößen war es absolut
unumgänglich.
2 Geschäfte gab es noch, die man in
der Pause aufsuchen konnte. Doch standen die Chancen schlecht. Bei
Clemens und August hatte sie selten etwas schönes gefunden. Und dann
gab es noch den bunten Teenie Laden. Doch die Zeiten waren eigentlich
vorbei.
Aber es gab noch Zeichen und Wunder in
dieser seltsamen Welt. Denn als Frau Comorph den grellen Laden mit
laut tönender Musik betrat, schien ein Licht vom Himmel und
leuchtete auf eine Hose, die einer Offenbarung gleich kam.
Gut, man sollte nicht übertreiben. Sie
war mittelblau, leicht verwaschen und günstig. Allerdings war sie
doch eine Röhre. Oder Slim-Skinny-Style. Aber sie war günstig und
bestand aus so einem zauberhaft weichen Stoff, dass Frau Comorph es
bis heute nicht satt ist, über ihre Beine zu streichen und sich an
der Weichheit des Jeansstoffes zu erfreuen. Negativerweise sollte
hier aber auch die kleine böse Stimme im Hinterkopf erwähnt werden:
Jaaa, dann hält sie aber auch nicht lange!
Aber sie war nicht teuer, hatte ein
schönes Blau, die perfekte Länge und überhaupt sind Röhrenjeans
der letzte Schrei und fetzen total.
So soll uns diese Geschichte einer
Frau, die auszog um eine Hose zu kaufen, nahebringen, wie doch die
Welt von der Modeindustrie dominiert wird. Sagt noch einmal, ihr
werdet nie bunt karierte Schlumperhosen tragen, bis es überall nur
noch bunt karierte Schlumperhosen gibt. Dann findet ihr die so
genial! Gut, das trifft jetzt nicht auf jede Modesünde zu.
Aber Frau Comorph für ihren Teil hat
aus der Mode gelernt. Sie besitzt nun 3 Röhrenjeans und hat nicht
ein perfektes Paar Schuhe dazu. Außer den Ballerina. Aber die kann
man ja nicht bei Regen tragen.....



