Sonntag, 4. Mai 2014

Abenteuer Gastronomie




Es war inzwischen Mai, ein wunderschöner, und im Hause Comorph hatte es vor einiger Zeit Nachwuchs gegeben.
Man war eingeladen, die Jugendweihe des Neffen zu feiern, im idyllischen Nebenort, umgeben von Wäldern und Bergen. Die Sonne schien und nachdem man endlich die Koliken des Nachwuchses in Griff bekommen hatte, konnte man diesen in Jacke und Mütze hüllen, in die Sitzschale schnallen, den Kinderwagen falten und einen weiteren Großteil Babyutensilien (die man ja jetzt immer mitführen muss) in das Auto des netten Onkels laden, der bereit war alle und alles abzuholen. Leider passte nicht alles ins eigene Auto. Kleinstwagen haben Vor und Nachteile!

Herrliches Schweigen besänftigte die Kolik-Schrei-geplagten Ohren der Eltern während der Fahrt. Baby fand es zum Glück super, im Auto zu fahren. Die Feier sollte im Schanzenhotel stattfinden, am Stadtrand gelegen, hinter hundert Einbahnstraßen die steil bergauf führten. Eine schöne Gegend! Man schmiedete gleich Pläne, nach der Kaffeetafel einen Rundgang zu machen.
Nach und nach trafen auch alle Gäste ein und man betrat das Hotel. Die Nette Empfangsdame erklärte den Weg ins Restaurant und für Kinderwagen schiebende Eltern stand ein Fahrstuhl bereit. Schön. Beim Warten auf die Fahrstuhlkabine, man wartete lange, konnte man ein tolles Angebot für ein Cleopatrabad studieren. Für 2 Personen, mit Champagner, Kerzen und Ruhe... das klang wundervoll für frischgebackene Eltern. Nebenbei vermutete Frau Comorph allerdings einen Zusammenhang zwischen langem Fahrstuhlwarten und dort platzierten Angeboten.

Das Restaurant war schön. Es gab einen separaten Raum, in dem für alle 19 Personen eingedeckt war. Die Gardinen rochen frisch gewaschen und bis auf einen seltsamen staubbedeckten Tisch mit Weinflaschen in der Ecke war der Raum auch sauber. Der Kuchen wurde am Nebentisch aufgebaut und die Kellnerin fragte nach Wünschen, falls jemand nicht von dem Kaffee auf dem Tisch wollte. Frau Comorph wollte Tee. Schwarzen Tee.
„Ja, wir haben da zwei Sorten. Assam und....“ grübelte die junge Dame.
„Assam ist Ok, den nehme ich.“ Antwortete Frau Comorph. Sie bekam dann auch bald ein hübsches Teekännchen mit zwei Beuteln Assamtee gebracht.
„Darjeeling heißt der andere!“ teilte die Kellnerin freudestrahlend mit. Nunja. Kann man sich ja auch nicht so unbedingt merken. Zwei Sorten Tee. Und dann auch noch Fremdwörter.
Man bediente sich am Kaffee und stellte die Abwesenheit von Milch fest. Auch die Sahne, die zum Kuchen serviert werden sollte, glänzte mit Abwesenheit. Beides wurde nachgeordert und nachdem der Erdbeerkuchen fast verzehrt wurde, kam auch die Sahne. Ohne Löffel. Aber man will ja nicht so sein, und nahm die Kaffeelöffel. Sahne schmeckt auch pur.

Nach dem Kaffee beschloss man Spaziergänge zu machen. Baby wurde von einem Neffen mit Freundin entführt zum „Familiesein üben“. Alle anderen gingen ihrer Wege. Frau Comorph, ihr Freund und der Onkel liefen die Stufen der benachbarten Sprungschanze hinauf, um von Oben nach Unten zu schaun. Viele Menschen laufen gerne nach Oben um von dort nach Unten zu schaun und um dabei festzustellen, wie schön es doch Unten ist. Also lief man wieder nach Unten. Dabei bewunderte Frau Comorph die Blümchen am Wegesrand.

Irgendwann sammelte sie das Baby ein und gemeinsam rollten sie zurück ins Restaurant – Baby hatte Hunger. Der Kellner faltete Servierten und zeigte sich unbeeindruckt von ihrer Anwesenheit. Nach und nach traf auch der Rest der Familie ein und man sammelte sich abseits des Tisches um dem Kellner noch Zeit zu geben diverse Weingläser auf den Tisch zu stellen. Glücklicherweise hatte niemand einen Getränkewunsch, wäre er damit bestimmt überfordert gewesen. Er räumte den Kuchen ab, der nach zwei Stunden nun auch den Raum verlassen durfte, die krümelige Tischdecke jedoch blieb den ganzen Abend.
Babys Windel war inzwischen gut gefüllt und wollte gewechselt werden.
„Entschuldigen Sie bitte, wo finde ich denn einen Wickeltisch?“ ein gutes Hotel und Restaurant besitzt so etwas.
„Hmm, vermutlich hier auf der Damentoilette...“ vermutete der Kellner. Vermutete er jedoch falsch, denn auf der Damentoilette befand sich nur die Damentoilette. Die Dame an der Rezeption bekommt hier jetzt das Sternchen fürs Auskennen am Arbeitsplatz, denn sie wusste, dass es einen Wickeltisch im Erdgeschoss in der Behindertentoilette gab. Hier war es schön geräumig, es gab ein frisches Handtuch zum Unterlegen und sogar Windeln und Feuchttücher.

Es war nun 18 Uhr und man setzte sich an den Tisch. Die Kellnerin kam um nach Getränkewünschen zu fragen. Milchkaffee gab es leider keinen, denn der Kaffeeautomat war hinüber und Malzbier stand auch nicht auf der Karte. Na, Cola war auch ne Lösung.
Die Getränke wurden gebracht und dann folgte die Speisekarte. Der geübte Restaurantbenutzer erkennt hier vielleicht den Irrsinn in der Reihenfolge. Die Zeit verging bis man gewählt und endlich bestellen durfte. Und noch viel mehr Zeit rann vorüber bis die ersten Gerichte gebracht wurden.
Frau Comorph hatte Bandnudeln mit Rucolapesto, Cocktailtomaten und Parmesan bestellt und bekam als eine der Ersten das Essen. Sehr lecker. Vor allem einhändig zu essen, da Baby zu der Zeit auf ihrem Schoß und auch wirklich nur dort schlafen wollte. Schnitzel wäre auch lecker gewesen, aber das hätte so nicht funktioniert. Später hat sie es ein wenig bereut, da die Portion doch etwas klein war. Aber immerhin hatte sie weder Putensteak noch Schweinemedallions bestellt, denn von diesen Gerichten war nicht eins genießbar. Die Putensteaks waren nicht durchgebraten und die Medallions verdorben. Auch ein Schweineschnitzel musste reklamiert werden. Insgesamt wurden bei 6 von 19 Gerichten grobe Mängel bemerkt, die zu allgemeiner Unzufriedenheit sorgten. Sogar am Nebentisch musste sich der Kellner eine Beschwerde anhören. Wer vermutet auch in einem 4-Sterne Restaurant eine solche Qualität? Zum Glück kann man bei Nudeln nichts falsch machen, dachte Frau Comorph, während sie mit halbvollem Magen nach den Schnitzeln der Sitznachbarn schielte. Als Entschädigung „da es wohl zu einigen Unzufriedenheiten“ kam, wie die Kellnerin es ausdrückte, durfte man sich ein Dessert oder einen Schnaps aussuchen. Frau Comorph wählte das Toffifee-Parfait. Für diejenigen, die hier mit den Begriffen nichts anzufangen wissen, wird auf der Karte erklärt, dass es sich bei einem Toffifee um eine Süßigkeit aus Nougat, Nuss und Karamell handelt. Tja, wer hätts gewusst? Was ein Parfait ist weiß ja schließlich jedes Kind, muss hier ja nicht erwähnt werden!
Zumindest war diese Nachspeise sehr lecker, auch wenn die hellbraune Scheibe, garniert mit einem Blatt Melisse ein wenig an ein Bild aus der Sheba Werbung erinnerte.

Am Ende des Tages war man also mehr oder weniger satt und hatte auch mehr oder weniger bekommen was man wollte. Man war sich jedoch sicher, diese Gaststätte nicht wieder zu besuchen. Baby war müde, viele waren genervt, der Kellner abwesend - sonst hätte Frau Comorph ihm noch den Weg zum Wickeltisch erklärt – und der Abend war somit gelaufen. Allein eine Cocktailtrinkende Runde am Ende des Tisches genoss noch ein wenig länger den Abend, als Familie Comorph sich verabschiedete. Zu Hause gab es erstmal eine große Scheibe Käse. ...auch wenn sie lieber ein Schnitzel gehabt hätte...

Dienstag, 15. Oktober 2013

Das Leben in vollen Zügen genießen


Diesesmal sind wir nicht im Stifteladen unterwegs. Nein, wir sind auf großer Reise, einmal hin und zurück in die Landeshauptstadt. Ok, eine große Reise wärs jetzt nicht gewesen, wenn Frau Comorph mit dem Auto gefahren wäre. Aber sie entschied sich, nunmal mit dem Zug zu fahren.

Sonntag, 14:06 der Zug fährt pünktlich ein. Oh, schaut her, ihr Leute, denn es kommt heutzutage einem Wunder gleich, wenn ein Zug mal pünktlich kommt. Aber wir wollen jetzt die Bahn nicht zu sehr loben, bevor wir nicht einen genaueren Blick auf die Szenerie geworfen haben: Bahnsteig 4 – etwa 80 Leute stehen mit und ohne Koffer herum und wollen einsteigen. Der Zug der gerade einfährt hat 4 Waggons, die jeweils zu 85% besetzt sind, denn er kommt ja schon wer weiß woher. Also drängeln sich die 80 kofferziehenden Leute noch mit hinein. Wenn man mitrechnet: ca 20 Leute pro Abteil, in dem jeweils etwa 7 Sitzplätze frei sind, also stapeln sich die restlichen 13 Personen sonstwohin. Ja, es gibt ja noch die Bereiche mit den Notsitzen zwischen den Abteilen , dachte sich Frau Comorph, in der Schlange der Schiebenden. Aber die sind auch belegt, denn manch einer mag sich nicht direkt neben eine fremde Person setzen, oder hat mehre Koffer oder einen Kinder wagen oder Fahrrad dabei. Sie quetschte sich also mit in ein Abteil, das mehr oder weniger überfüllt war und stand. Hier sollte man auch noch die Automatiktüren erwähnen: Man drückt einen Knopf und die Tür geht auf. Clever gedacht. Nur geht die Tür auch irgendwann automatisch wieder zu, egal, ob man durch ist oder nicht, weil vor und hinter einem noch Personen stehen! Was wiederum dazu führt, dass man entweder nach hinten fallen, oder sich nach vorne werfen muss. Gebremst von der Gummidichtung der Tür, die nur schlecht über Rucksack und Winterjacke gleitet. Muss ja die Zugluft abhalten, nicht dass jemand im Zug sitzt und sich erkältet.
Also: Knopf drücken, quetschdrängel, türgequetsch, ziehwürg und plopp drinne.
Weiter gings allerdings nicht mehr, denn Frau Comorph steckte diesmal zwischen den netten Weibern einer Kegelclubfahrt fest. Von vorne kam eine hilfsbereite Zugbegleiterin, die auf noch vorhandene Plätze hinwies.
„Hier kann noch einer hin!“ „Wennse den Koffer wegnehmen, kann da auch noch einer hin!“
Weil scheinbar keiner wollte, oder sich traute, setzte sich Frau Comorph zu drei glatzköpfigen Männern, die an einem Vierertisch saßen und Bier tranken. Los ging die Fahrt.

Frau Comorph zog einen Roman aus ihrem Rucksack und begann zu lesen. Etwas eingeengt zwischen dem dicken Mann mit der Glatze rechts und der älteren Frau auf dem Koffer links. Und natürlich wurde es ab und an noch kuscheliger, wenn jemand sich hindurchzwängte um aufs Klo zu gehen. Weiter hinten im Zug wurde schrill gegackert. Woraufhin die Glatzköppe ebenfalls gackerten, denn sie meinten: je oller, je doller.
Gegenüber von Frau Comorph saß neben dem dortigen dicken Mann mit Glatze eine Ute. Und die Ute wollte ein Alster. Das erzählte sie mehrmals der Petra, links neben Frau Comorph auf dem Koffer saß. Petra wiederum rief in den hinteren Zugbereich, dass die Ute ein Alster will und prompt bekam die Ute auch ihr Alster. Netterweise wurde es ihr von einem Glatzkopp geöffnet. Petra hatte Lust auf Rotwein, denn sie hatte ja noch einen Rotwein in der Tasche, kramte allerdings ein Schnapsglas hervor. Diese Geste wurde von Gisela schräg links sofort erkannt, die ihr Schnapsglas ebenfalls hervorzog und den dazu passenden Flachmann. „Stößchen!“ Prostete man sich mit Birnenschnaps zu. 3 Glatzköppe lachten sich kringelig. „Stößchen!“
Auch Frau Comorph konnte sich nicht mehr auf den Text im Roman konzentrieren und lachte mit. War die Situation doch sehr absurd.
Ein paar Minuten später, nachdem sich die Männer über Saufgelage, Bärbel und provozierende Sprüche während des Essens beim Thailänder unterhalten hatten, beschlossen zwei von ihnen, doch schon früher auszusteigen. Yey, Platz. Frau Comorph rutschte durch und saß nun mit dem Dicken, der Ute und der Petra am Tisch. Ute und Petra bekamen eine Tasche mit lustigem Klimpern von hinten durchgereicht und freuten sich gar sehr! Der Glatzkopp schlug die Hände überm Kopp zusammen und nuschelte „neeneenee...“
Ute verteilte kleine Schnäpse aus der Tasche, natürlich auch an den Dicken. Frau Comorph lehnte dankend ab. Die Klimpertasche wurde weiter nach vorne gereicht, über die Köpfe der Mitreisenden, mit den Worten: „Wer will, soll sich was nehmen, das muss alle werden!“ Lustiges Gackern klang aus diversen Ecken. „Pröstchen!“ Brüllte man sich zu.
Dann war Petra zu warm und Ute nickte, Hitzewallungen. Auch der Dicke stimmte zu, worauf Petra feststellte, dass er sich ja gut mit Frauen auskenne. „Nur mit alten..“ erwiderte er, was er im Nachhinein bereute, aber was auch ein gröhlendes Gackern auslöste, das durch das Abteil zog, die Erklärung im Schlepptau. Frau Comorph legte ihr Buch beiseite und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr war jetzt auch warm.
Plötzlich war die Zugfahrt zu ende. Kam Frau Comorph gar nicht so lange vor wie sonst. Auf dem Bahnsteig, fast fortgeschwemmt von den ausströmenden Menschen, stand ihre Freundin um sie abzuholen.

Ja, so kann eine Zugfahrt sein, aber wie jeder weiß, auch anders.
Am ende der lustigen Tage stand die Heimreise wieder an. Der Zug fuhr um 18:55 auf Gleis 7. Ganz gemütlich erreichte man den Bahnhof um 18:15 und gönnte sich einen frisch gepressten Saft vom Saftstand. Ja, solche tollen Sachen gibt es in Hauptstädten! Das Ticket wurde gekauft, der Automat wollte die EC-Karte nicht, aber man hatte ja noch Bargeld. Ein Blick auf die Anzeigetafel zeigte an: der Zug hatte 30min Verspätung. Na toll. Also war mit einer Abfahrt um etwa 19:25 zu rechnen. Man ging also einen Tee trinken. Da man den Zügen jedoch nicht traute, ging man schon im 19:10 zum Bahnsteig 7. Aber der Zug wurde jetzt nicht mehr angezeigt. Wie seltsam. Frau Comorph fragte also an der Info, wo der Zug mit den 30min Verspätung geblieben ist.
„Ja, der ist schon weg. Der hatte doch nicht 30min Verspätung, das ist nur eine Richtlinie, nach der man sich nicht richten sollte.“ So war die Erklärung, des netten Infomannes.
So. Man verbrachte etwa 5 Minuten mit Gezeter und Geschimpfe, wobei diese 5 Minuten nur als eine Richtlinie der Bahn anzusehen sind. Der nächste Zug fuhr ja schon bald, um 19: 48. Vorsorglich verbrachte man die restlichen Minuten am Bahnsteig.
Und siehe da: der Zug war pünktlich. Was bei seinem Alter jedoch nahezu ein Wunder war. Aber so ist es immer: hin geht’s mit dem super modernen Zug und zurück nur mit dem Klapperding. Man verabschiedete sich herzlich und Frau Comorph stieg ein, bleib sogar nicht an Türen hängen, da man diese selber wieder zu schließen hatte. Auf der Hälfte der Fahrt hielt der Zug nach einem Halt an einem Bahnhof aus undefinierbaren Gründen kurz an, rollte aus, stockte und rappelte weiter. Woraufhin er bei der Ankunft im Heimatbahnhof etwa 5min Verspätung hatte.

Man lernt also: Fährst du mit dem Zug, nimm dir Zeit. Viel Zeit. Denn du kannst weder sagen, wann du losfährst, noch wann du ankommst. Aber Zugfahren macht Lust auf Forschungsreisen. Warum kommt ein Zug zu spät? Was passiert dabei? Wonach riecht es da eigentlich? Und was ist die Zusammensetzung der Pfützen auf dem Boden?
Das klären wir vielleicht ein anderes Mal...

Freitag, 19. Juli 2013

Sommer, Sonne, Sonnenschein



Die Sonne scheint strahlend vom Himmel, es ist das absolute Sommerwetter. Blauer Himmel, warme Luft, winzige Wölkchen am Himmel, einfach herrlich! Was gäbe es schöneres, als an solch einem Tag am Strand oder am See zu liegen und ein gutes Buch zu lesen?
Stifte verkaufen! An solchen Tagen verpasst man sonst einiges.

Die Schule scheint noch in weiter Ferne, doch die Schulmaterialien wollen trotzdem besorgt werden. Besorgt laufen deswegen die Muttis durch die Geschäfte um mit den kryptischen Angaben der Lehrer hoffentlich das richtige Material zu kaufen. Glücklicherweise gibt es in dieser kleinen, harmonischen Stadt ein gut sortiertes Stiftegeschäft mit ausgebildeten Spezialverkäuferinnen, die sich u.a. auf enigmatische Verschlüsselungstaktiken der Lehrer spezialisiert haben.

So kommt es des öfteren vor, dass Lehrer Pinsel in Größen 5, 10 und 15 verlangen, wobei es niemals ungerade Größen gegeben hat. Weder als Borsten- noch als Haarpinsel. Gemeint ist: Besorgen Sie 3 Pinsel unterschiedlicher Größe, fein, mittel, breit. Hätte man in dem Fall auch einfacher angeben können, hat ja bisher nur 34 Muttis verwirrt.
Auch sind Hefte der Größe DIN A4 der Lineatur 4 gefragt. Gibt es ebenfalls nicht, liebe Lehrer, die nennt man dann 21, 25 oder 27, je nachdem ob und welchen Rand man haben möchte. Aber schickt die armen Frauen mal los, die haben ja sonst nichts zu tun.
Da die heutige, Kinder erziehende (manchmal mehr, manchmal weniger) Frau die meiste Zeit ihrer Freizeit, von der sie ausreichend hat, mit dem Studium mysteriöser Schriften verbringt, sind solche Aufgaben kein Problem. Hat sie doch im letzten Monat den Fußnagel des Monsters von Loch Ness besorgen müssen, da diese letzte Zutat gerieben den richtigen Pfiff in Tim Mälzer's Antipasti-Auflauf bringt. Vor 3 Wochen war es der Kosmetikpinsel aus Yetihaar, der durch sein weiches und dichtes Haar optimales Auftragen von Lidschatten verspricht – laut Testbericht der letzten Cosmopolitan. Und letzte Woche, das war zwar etwas schwieriger, aber man hat es auch geschafft: Original Bermudadreieck Meersalz. Denn dieses kann nur an der endlosen Küste der dort verschwundenen Insel geschöpft werden! Es ist ein besonders aromatisches, leicht roséfarbenes Meersalz mit einem Hauch Mango. Die Schauspieler der Serie Lost schwören darauf, es passt wunderbar zu Fischgerichten, eignet sich aber auch als mildes Peeling.
Von daher sollte es ja auch kein Problem sein, die Schulzettel abzuarbeiten. Ha, Kinderspiel!
Scherz beiseite: die gemeine Stiftverkäuferin hat im Sommer viel zu tun, sich den Mund fusselig zu reden, warum denn der ach-so-schlaue Lehrer einen Fehler machen sollte. Er ist ja schließlich Lehrer. Und Lehrer sind ja weise, wie man weiß, sonst wären es keine Lehrer. Doch der Großteil der Schulverzettelmuttis sieht es irgendwann ein und kauft das empfohlene Alternativprodukt. Ein kleiner Teil läuft jedoch noch immer suchend durch die Gänge von Supermarkt und Co und sucht Den EINEN Pinsel! Ein Pinsel, sie ewig zu binden... ist niemals zu finden.

Vernünftige Leute, die sich den Wuselstress in den Geschäften sparen wollen, sind im Urlaub. So fallen wiederum die Außergewöhnlichen Kunden etwas mehr auf.
Ein älterer Herr betritt den Laden und bezahlt eine Karte, die er sich auf den Drehständern vor der Tür ausgesucht hat.
„Dankeschön. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Nachmittag!“
„Danke, das wünsche ich Ihnen auch. Wenn Sie noch Lust haben, einen flauschigen Hund zu streicheln, ich hab da draußen einen vor der Tür sitzen!“ sprach der Herr.
Nun, normalerweise ist dies jetzt der Augenblick, panisch zu werden, die Sittenpolizei zu rufen und schreiend im Kreis zu laufen. In dem Fall sah die gemeine Stiftverkäuferin kurz am Kunden vorbei und entdeckte dessen wartende Frau mit einem flauschigen Hündchen vor der Tür.
„ähm... nein Danke!“ Die gemeine Stiftverkäuferin gehört nicht zu der Art Frauen, die jeden Hund knuddeln, in Kinderwagen schauen und glucksende Quietschgeräusche machen. Man bewahrt Würde.
„Möchten Sie zufällig eine Wohnung mieten?“ ist ebenfalls eine Frage, mit der man im Stiftegeschäft nicht täglich rechnet. Ein älterer Herr in Hotpants und transparentem, schwarzen Muskelshirt, freudestrahlend über beide Wangen spaziert in den Laden und tönt:
"Ich werde mal ein paar Kopien anfertigen!“ was er dann auch tut und anschließend seine Wohnung feil bietet. Ernst bleiben, trotz abstrakter Kleidung! Ganz Ernst!

Würde, Ernst und Ruhe sind also die vorrangigen Eigenschaften der Verkäuferinnen in diesem Sommer. Ruhe vor allem bei gewissen Familien, die in Schwärmen den Stifteladen stürmen, durcheinanderreden und hektisch hin und her laufen. Einatmen, Ausatmen und GO!
Zuerst Kundenwunsch ermitteln: am besten bei der Mutti, die hat das Sagen. Im besten Fall, eignet man sich den Schulzettel an und arbeitet ihn von oben nach unten durch.
Kinder werden grundsätzlich ignoriert, es sei denn, sie sollen Entscheidungen treffen. Also weghören bei „MAMAAA KRIEG ICH DAAAS?“, „Gehen wir noch Spielzeug kaufen? Mama? Mama? Mama? Gehen wir noch Spielzeug kaufen? Mama? Mama? Mama? …“ und „Ich möchte DAS! MAMAAAA ich möchte DAAS!“ und so weiter. Einfach ausblenden. Ist schwer, aber mit einiger Übung geht das, die Mutti kanns ja auch.
Wenn man nun Glück hat, ist die Mutti über ihr aktuelles Arsenal an Material informiert. Wenn nicht, dauert es etwas länger.
„Schätzchen, hast du noch einen Tuschkasten? Ich weiß nicht, ob du den noch hast. War der nicht weg? Schätzchen, schau doch mal.“ Schätzchen hat jedoch kein Interesse an Tuschkästen und möchte lieber Buntstifte. „Du hast noch Buntstifte.“ „Nein, die sind alle!“ „Doch, da sind noch welche.“ „NEIIN, ich will neue.“ Man dreht sich zur Seite, sortiert ein wenig zu Sortierendes und schaltet ab. *düdel-di-düühühüüü *
„So, wo waren wir stehen geblieben...? Brauchten Sie einen Tuschkasten?“
„Ach, hmm.. ich weiß ja nicht...“
Nicht durchdrehen. Abwarten. Schauen wir uns jetzt folgendes Gespräch an:
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.25“
Stiftverkäuferin: „Ein DIN A 4 Heft Nr. 25, hab ich.“
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.28.“
SV: „Ein DIN A 4 Heft Nr.28, hab ich.“
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.27.“
SV: „Ein DIN A 4 Heft Nr.27, hab ich.“
Man sollte jedoch niemals nachfragen, wer denn Dina ist.

Und letztendlich ist es auch die Zeit der Schulrucksäcke. Dieses Jahr sind die Rucksäcke der Marke Snätsch der Renner. Sie verkaufen sich meist von alleine, weil sie einfach eine gute Form, moderne Farben und praktische Etuis haben. Doch es gibt auch hier Kunden, die alles ein wenig anders sehen.
So gab es den Herrn S., der für seinen Sohn einen Rucksack zurückstellen lies, weil er ihn erst anprobieren sollte. Es sollte unbedingt der blau karierte sein. Drei Tage später kam der Herr S. wieder und fragte, ob der Rucksack noch bis zum Wochenende zurückgestellt werden kann, denn seine Frau wolle ihn noch ansehen. Einen Tag später kam der Herr S. erneut und fragte, ob man denn noch einen zweiten zur Auswahl reservieren könne, denn seine Frau fände den blauen doch noch schöner. Am Freitag kam Herr S. mit seiner Frau, jedoch ohne Sohn. Sie verkrümelten sich in der Rucksack-Ecke und sahen sich den Rucksack an. Die gemeine Stiftverkäuferin trat hinzu und fragte, ob sie denn mit Rat und Tat zur Seite stehen könne. Nein, sie werde nicht gebraucht! Aber eine Frage hätte man doch.
„Der blaue Rucksack hat keine Laschen über den Reißverschlüssen, der karierte hat welche. Gibt es den denn noch ohne?“ Hier entdeckte die gemeine Stiftverkäuferin dass es tatsächlich Unterschiede zwischen den beiden Farben eines Modelles gab. Aber sie könne nicht versprechen, dass im Falle einer Bestellung der Rucksack ohne Laschen käme, weil alle Rucksäcke der jeweiligen Farben entweder so oder so gearbeitet sind. „Aber das ist doch unpraktisch. Schauen Sie doch:
*ritsch-ritsch * bei dem blauen Rucksack geht der Reißverschluss total einfach. *ritsch... ritsch * und bei dem karierten, da hakt das etwas!“ Nunja. Man füllte den Rucksack mit Kopierpapier und probierte erneut. Die Stiftverkäuferin fand nicht, dass es hakt, es lies sich nur mit anderen Handgriffen öffnen. „Aber ich weiß ja nicht, ob mein Sohn das auch so hinkriegt. Ich krieg es ja hin. Aber mein Sohn ist Linkshänder!!!“ Oh nein. Er wird nie einen Ranzen öffnen können, dachte die Stiftverkäuferin sarkastisch. Das Problem stand also im Raum. Der Sohn fand den karierten Rucksack schöner, der blaue ließe sich jedoch einfacher öffnen. Argumente wie „er wird sich daran gewöhnen“ und „das geht mit der Zeit einfacher, wenn das Material weicher ist“ wurden ignoriert, der Sohn sei schließlich Linkshänder. Das arme Kind.
Man diskutierte insgesamt eine knappe Stunde, dann gingen die Eltern nach Hause um noch einmal über den Kauf des Rucksack nachzudenken und um ihren Sohn zu fragen, ob er denn nicht vielleicht doch lieber den blauen Rucksack haben wolle.
'Ich brauch 'nen Schnaps!' dachte die gemeine Stiftverkäuferin und wünschte sich den Herbst herbei.
Glücklicherweise ist es im Stifteladen nicht immer so. So anders. So außergewöhnlich.
Aber bald ist Herbst. Und Weihnachten ist ja auch wieder bald. :)

Sonntag, 5. Mai 2013

Der Frühling und die Düfte


Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.
Süße wohlbekannte Düfte...
obwohl. Wohlbekannt waren sie schon, süß jedoch nicht.

Der Frühling im Stifteladen. Herrlich. Die dunklen Winterfarben verschwinden und fröhliches Quietschgrün, elegantes Rosé und peppiges Pink fluten die trüben Flure. Es könnte so herrlich sein. Wären da nicht die Kunden. Nein, nicht alle. Aber manche.

Zwei Studenten betraten den Laden. Sie schlürften fruchtige Milchshakes vom gelben M und sahen sich ein wenig in der Stifteabteilung um. Sie waren auf der Suche nach hyperbelbionischen Quadratverrundungsschablonen. Nennen wir es jetzt mal so, für die unstudierte Stiftverkäuferin kam es im Endeffekt aufs gleiche hinaus. Aber sie hatte zumindest schon davon gehört und kramte sogleich in der Bestellvorgangsschublade mit den Schablonenkatalogen. Und siehe da: da waren sie.
„Was kosten die denn und können Sie die bestellen? *schlürf *“
Frau Comorph blätterte und beschloss sich Rat vom Einkaufskollegen zu holen. Sie wählte und wartete. Die Studenten warteten ebenfalls *schlürf *.
Ansonsten war es sehr ruhig, alle 5m Stand eine weitere Stiftekollegin an einem Tisch und blätterte, bestellte und notierte zu bestellende und notierende Dinge.
Ja, was kosten die...? Welche Menge... ? Welche Lieferzeit...?“
Frau Comorph telefonierte und notierte und roch...
Verbrannter Radiergummiarsch nochmal! Auf einmal kroch ein gar unglaublich garstiger Geruch unter ihren Nasenflügeln entlang, grinste ihr frech ins Gesicht und drehte eine Extrarunde um die Nasenspitze. Sie blickte zu den Unschuldsmienen der Studenten *schlürf *. Von da kamen Preiserwartende Blicke. Sie sah zur nächsten Stiftekollegin – die blätterte, stutzte und schaute kurz auf. Woher kam dieser finstere Gruftgeruch? Sie roch erneut... Es war ein Furz! Vermutlich war es die Mutter aller Furze, der Godfather of Pups, eine Blähung aus der Hölle! Kein normaler Mensch konnte so etwas produzieren. *schlürf *
Doch sie hatte die Täter im Blick. Würden sie nur nicht so unschuldig schauen. Sie waren perfekte Schauspieler der perfidesten Art.
Nunja, eine akkurate und gewissenhafte Stiftverkäuferin kann auch in Extremsituationen so tun also ob nichts wär. Innerlich ein aufgewühlter Ozean, ein Malstrom, ein Tsunami... und äußerlich kühl wie der Hintern eines Pinguins.
Irgendwie verlief das Gespräch im Dunkel der brodelnden Wolke weiter, aber den Studenten *schlürf * war der Preis zu hoch und die Lieferzeit zu lang (man hatte ja verpennt, dass man die Schablone in 2 Tagen zur Prüfung braucht!). Sie wollten es sich jedoch überlegen und am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.
Man verabschiedete sich und die Studenten *schlürf * verließen mit ihren Milchgetränken den Stifteladen. Leider ließen sie ihren Geruch dort. Und wie ein Band der Frühlingsdüfte zog er lachend durch die Lüfte. Nun kam auch die zweite Stiftekollegin um die Ecke geschossen und fragte, was der wunderliche Duft wohl sei. ...Ihre Worte waren zumindest ähnlich.
Was mag wohl in den Bechern gewesen sein? Waren nerdige Studenten unumgänglich unwissende Laktoseintollerante? Gelernt sich zu benehmen haben sie zumindest nicht! Hier ein böser Fingerzeig der gemeinen Stiftverkäuferin.

Was die Jugend jedoch gelernt hat ist: Fragen stellen. Diesbezüglich werfen wir heute einen Blick auf die Rückfrage einer absoluten Verneinung. Es gibt mehrere Arten einer Verneinung. Eine ist nicht absolut (ich glaub ich hab heut keine Lust, ein Eis zu essen) und lässt sich mit gezielter Hinterfragung doch auf eine positive Antwort bringen (ja, ok, weil du es bist..).
Aber es gibt auch absolute Verneinungen ( Er lebt nicht mehr) die sich nicht zum positiven bringen können. (Wirklich nicht? - Ach, jetzt wo ich genau hinschaue...) Nein, manchmal ist ein Nein, einfach ein Nein.
Hier nun mehrere Beispiele von Kundenanfragen:
Haben Sie Holzperlen?“
Nein.“
Garnicht?“
Oder:
Haben Sie Filz?“
Nein.“
Garnicht?“
Interessanterweise fragen junge Leute immer mit dem gleichen Wort-of-hell nach. Auch die nette Praktikantin, die den Stifteladen für kurze Zeit besuchte, verstand sich geschickt darin dieses lustige Fragespiel zu spielen.
Haben Sie Kinder?“ Blickt die gemeine Stiftverkäuferin und ihre Kollegin an.
Nein.“ antworten beide.
Garnicht?“
... ach wo Sie so fragen, ich glaube, ich habe da vermutlich schon so ein-zwei uneheliche Kinder, die irgendwo bei den Vätern leben könnten...! NEIN!“
Merkt euch also folgendes: Wenn ihr im Stifteladen einkaufen geht und irgendeinen Stifteladenunkompatiblen Artikel nachfragt wie Perlen, Stoffe, Häkelnadeln, Blumentöpfe und ähnliches, und ihr ein „Nein“ zur Antwort bekommt, dann ist das „Nein“ auch ein „Nein“ und kein „ach, ich guck doch mal eben, ich kenn mich hier nicht aus, vielleicht in der Schublade mit den Kugelschreiberminen...“-Nein. Aber da die gemeine Stiftverkäuferin eine nette solche ist, antwortet sie auf die absolute Hinterfragung: „Nein, wirklich nicht. Schauen Sie da bitte im diesbezüglichen Spezialgeschäft.“

So zieht der Frühling nicht nur Düfte
sondern gern auch Fragen durch die Lüfte,
die den Verkäuferinnen die Haare sträuben
während Bienen die Blumen bestäuben,
Träumen Veilchen schon
-Horch, ein genervter Unterton!-
Den habt ihr schon vernommen.
Frühling, ja du bist's, jetzt kannste kommen.




Sonntag, 17. März 2013

Liebe Leser/innen,
Wenn ihr wissen möchtet, wie alles begann, dürft ihr nun folgenden Link anklicken! 


http://marianne-gro.blogspot.de/




Vielen Dank an meine Mama für diesen tollen Text! :)

Mittwoch, 23. Januar 2013

Der kompetente Hosenverkäufer




Eines Montags, es war kalt und Winter, musste der Captain zum Friseur. Also verband man den Weg in die Kälte mit einem Ausflug in die örtlichen Mode Basare. In den meisten Geschäften bekam man nämlich genau das: Tünnef und Tand für teure Taler. Nur ohne spaßiges Handeln.
Aber das es auch anders geht (hier, kurz eingeworfen: Ja, man schreibt „anders“ tatsächlich ohne t am Ende. Auch wenn viele Leute im www gerne „anderst“ schreiben, weiß der Geier warum, ist es tatsächlich falsch. Nebenbei Erlerntes - immer wieder gern!)
.. jedenfalls, geht es auch anders.

Der Captain hatte einen neuen Plan. Es war die Idee, eine schwarze Hose zu kaufen, zu der man einen Wollmantel tragen konnte. Denn, siehe da: er hatte keine Alltagshose in schwarz. Und dieses wollte man hier ändern. Man betrat also ein modisches Kleidungsgeschäft für Herren.
Düstere Atmosphäre mit lauter Musik erklang und auf rostigen Fässern wurden T-Shirts präsentiert. Der Boden und die Wände waren schwarz und behangen mit werbezeigenden Flatscreens.
Man quetschte sich durch die ausladenden Kleiderständer und fand: ein schwarzes Hemd mit außergewöhnlich gutem Schnitt.
*wusch * wie der Dschinn aus der Flasche materialisierte sich plötzlich der nette Hosenverkäufer hinter dem Captain und pries seine Ware an.
„Hi! Welche Größe brauchst du denn?“ und er zog sofort das gewünschte Hemd aus dem Stapel. Anschließend beschrieb er Material, verdeckte Knöpfe und schlanken Schnitt.
„Probier es mal an, ob es passt!“ und er wies auf eine Umkleidekabine.
„Ich bräuchte noch eine Hose, schwarz, schlicht. Habt ihr da was?“ war des Captain's Frage.
„Jaa, natürlich.“
Wir huschten hinter dem hübschen jungen Mann her und er präsentierte: Eine Hose! Jawohl, genau so wie der Captain sie haben wollte. Nunja, fast.
„Diese Hose ist zwar nicht ganz schwarz, aber sie hat einen gewachsten Faden, weswegen sie sich nicht, bzw langsamer auswäscht, wie man das zum Beispiel bei normalen schwarzen Jeans hat, die nach einigen Wäschen doch eher grau aussehen, aber sie hat keine Bleichung und nur diese modischen Knittern am oberen Teil, weswegen sie trotzdem super aussieht und was brauchst du für eine Größe, bestimmt eine 32 und 32er Länge?“
Der Captain ein wenig verwirrt, stimmte dem zu und fragte noch nach einer richtig schwarzen Jeans.
„Ja, hier hab ich auch eine ganz schwarze Hose, allerdings ein lässigerer Worker-Schnitt, die ist dann natürlich nicht zum Hemd zu tragen, aber so vielleicht ganz toll zum Kapuzenpulli für die Freizeit eben, die hab ich aber *wühl * nicht mehr in deiner Länge da, nur in einer 30er Länge, aber probier sie trotzdem einmal an, vielleicht passt sie ja!“
Der Captain nahm sie an sich und man ging zu den Umkleidekabinen.
Frau Comorph hielt die Hosen und der Captain schlüpfte ins Hemd.
*wusch * Der Hosenverkäufer kam angelaufen.
„Und, haste schon an, passt es denn? Was hat er denn angezogen?“ fragte er Frau Comorph.
„ähm...das Hemd..“
Der Captain zog den Vorhang auf und präsentierte: Das Hemd! Sofort zuckelte der Hosenverkäufer an den Ärmeln, zupfte hier und da und sagte: „Ja, das passt doch perfekt, was meinst du?“
Der Captain stimmte zu, Frau Comorph auch und reichte dem Captain die nicht so ganz schwarze Jeans.
Der Captain zog sich um.
„Und, kommt ihr auch aus dieser idyllischen Kleinstadt?“
„... Ja.“
„Hat ja schon wieder geschneit, da braucht man morgens immer noch ne halbe Stunde länger um das Auto frei zu kratzen.“
„.. ja, das stimmt.“
Und dank dieses netten Smalltalks verging die Hosenumziehzeit wie im Fluge und der Captain führte uns seine Hose vor. Jedoch zu groß.
*wusch * der Hosenverkäufer rannte fort und erschien sofort wieder mit der passenden Hose auf dem Arm.
„Probier mal die, die ist eine Nummer kleiner, passt dann bestimmt besser!“
Gesagt getan, und sie passte tatsächlich besser. Doch der Captain, der weite Hosen gewöhnt war, war zweifelnd, ob denn die etwas engeren Beine, seinen Beinen trotzdem schmeicheln würden. Frau Comorph fand die Hose toll.
Hose Nr.2, die Worker-Look-Hose passte allerdings nicht, sie sah echt seltsam aus. Aber der Nette Hosenverkäufer wusste auch hier Rat:
„Ich hab da noch einen dunkelblaue Jeans, die ist fast schwarz, die sieht super aus, vielleicht probierst du die ja mal.“
Und er holte die Jeans schneller als ein Hund nach seinem Stöckchen jagte.
Diese Hose passte auch gut, gefiel der Frau Comorph allerdings nicht so gut, doch der Captain war von der Hose überzeugt. Die passt, die ist gut, die wird mitgenommen.
„Ich hab da sogar noch ein paar passende Stiefel zu, die sind gerade im Angebot. Echt Leder, schwarz, moderner Schnitt und die kannst du sogar über den Hosenbeinen tragen. Welche Größe hast du denn?“
Und er holte die Stiefel, jedoch waren sie in der Größe des Captains ausverkauft. Er probierte die größere Größe, man wollte ja nett sein, aber sie passten wirklich nicht.
Der Captain zog den Vorhang zu und zog sich wieder seine Klamotten an.
„Zu der blauen Jeans musst du unbedingt einen Gürtel tragen. Hast du einen passenden, sonst schau ich mal, wir haben hier auch einige die dazu passen würden...“
„Der Captain hat ganz viele Gürtel.“ sprach Frau Comorph.
Der Hosenverkäufer lief weg.
Der Hosenverkäufer kam wieder.
„Brauchst du Socken? Wir haben gerade ein Angebot. 1 Paar für 7 Euro und 5 Paar für 20 Euro! Oder Unterwäsche?“
Er lief weg und kam mit einer Boxershorts wieder.
„Eine für 15 Euro und 2 für 29 Euro. Die sind total toll! Sieht doch gut aus, oder?“ und er hielt die Shorts Frau Comorph unter die Nase.
Hier nun musste die Frau Comorph ein Ende sprechen, denn sie musste aufs Klo und hatte keine Lust mehr noch länger vor der Umkleidekabine zu verweilen.
„Lieber Hosenverkäufer, vielen Dank, wir haben kein Interesse an weiteren Artikeln. Aber es gibt ein Sternchen für versuchte Zusatzverkäufe!“
Der Hosenverkäufer stockte.
„Ah. Kommst du aus dem Handel?“
„Ja.“
„Ah. Wo bist du denn?“
„Stifteladen“
„Ah.“
Und dann erklärt er das Prinzip des Verkaufens im modischen Herrenladen, während man zu dritt zur Kasse ging und der Captain einen Schrecken bekam, hatte er doch so viel Geld ausgegeben. Ohne es zu merken. Ja, der Hosenverkäufer war ein guter Verkäufer.

Und erst zu Hause sprach der Captain dann den Satz aus, den ein wahrer Verkäufer gerne hört: Jetzt hab ich so viel gekauft und brauch eigentlich was ganz anderes!

Ja, in diesem Laden hat die gemeine Stiftverkäuferin einen Artgenossen gefunden. Doch mögen tut sie ihn nicht. Denn der Captain klagt noch immer über die Hosen, die er kaufte, ohne dass er sie brauchte. Und eigentlich etwas ganz anderes haben wollte... und das jeden Tag. Mehrmals.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Zahnfleischtage



Wenn eine Stiftekollegin krank ist, ist das nicht so schlimm. Wenn dagegen eine weitere Kollegin im Urlaub ist, ist das schlimmer. Die Restlichen 3 Stiftverkäuferinnen arbeiten dann 6 Tage durch und freuen sich auf den Sonntag. Das ist Montags nicht so schlimm, Freitags jedoch schon wieder anders! Normalerweise endet ein Freitag Abend mit den Worten: Leckt mich am Arsch, wir sehen uns im nächsten Leben! Also Montag. 2 Tage Wochenende, yey!
Aber ein Freitag in diesem Fall ist anders. Man denkt: Waah. Noch 1x arbeiten. Und nur bis 4!

Samstag. Müde Gesichter stehen im hell erleuchteten Stifteladen, die Luft ist raus, der Spaß aufgebraucht. Was bleibt ist trockenes Verkaufen ohne Spaß und Scherz. Die Kunden jedoch, man weiß nicht woher, die wissen das! Und sie nutzen es aus.
Morgens kommen sie gar nicht. Frau Comorph und ihre Kollegen stehen im Halbschlaf in düsteren Ecken und wischen etwas Staub von den Regalen. Noch 6 Stunden.
Man hat sich nichts mehr zu erzählen. Man schweigt. Langsam rollen Staubfussel durch den Laden.
Die gemeine Stiftverkäuferin wischt das Bad und kocht Tee.
Noch 5 Stunden.
Frühstückspause. Hier wiederum wird das plötzliche Verschwinden einer Stiftverkäuferin von der Bildfläche sofort von den draußen lauernden Finsterkunden genutzt. Ein Schwadron, bestehend aus Schulranzenmutti, Kinderwagen mit schreiendem Säugling, 3 jähriger Nervensäge und 6 jährigem Schulranzenkunden stürmt den Laden, bewaffnet mit einem gut vorbereiteten Katalog an Spezialfragen. Eine Kollegin ausgeschaltet. Sie kontert Fragen wie: Was wiegt der Ranzen, ist der nicht zu schwer und warum hat der von Stiftung Warentest kein „Sehr Gut“ erhalten? Gekonnt mit passenden Antworten. Schweres Gefecht am Schulranzenregal.
Frau Comorph trifft auf Rentnerehepaar.
„Ich hab einen teuren Stift gekauft“ zeigt auf 30,- Kuli. „Die Mine schreibt nicht richtig!“ finstere Miene, da die Supermarke den Kunden beschissen hat!
„Bringen Sie den Stift und den Kassenbon mit, ich kann das dann reklamieren.“
„Jaaa. Aber Sie können mir doch die Mine gleich mit geben. Dann bring ich Ihnen das nächste mal die alte mit.“
Im Hintergrund schreit der Säugling.
„Nein, das geht leider nicht.“
„Sie WOLLEN bloß nicht!“
„Nein, (langsam platzt mir der Kragen) ich muss das belegen, ich kann Ihnen die nicht einfach so mitgeben.“
„Ja, warum denn nicht? Dann muss ich ja nochmal kommen!“
Im Hintergrund schreien Säugling und 3 Jähriger, weil er nicht das tolle silberne Auto bekommt.
„Ich kann das mit dem Kassensystem nicht einfach ausbuchen, dass ich Ihnen eine Mine schenke, das gibt Ärger mit der Buchhaltung, weil ein Artikel nicht ohne Gegenbeleg ausgetauscht werden kann..“
Kunde verlässt den Laden, sauer, ist auch nie wieder aufgetaucht.
Frau Comorph geht zur Pause und trinkt eine Tasse beruhigenden Tee.
Noch 4 Stunden.
Das Schulranzenschwadron schlendert aus dem Laden, nimmt dabei göttlicherweise den damit verbundenen Kinderkrach mit.
5Minuten Ruhe, die Stiftverkäuferinnen räumen auf.
Gerade als sich die Begebenheiten im Laden auf eine normales Maß eingependelt haben, trifft ein neues Schwadron ein. Diesmal sind es verschiedene Kunden, die sich im Vorfeld gesammelt haben um gemeinsam an den Nerven der Verkäuferinnen zu rütteln. Diverse Rentner, eine Gruppe albernder Jugendlicher, eine Frau mit pubertierender Tochter, die Konfirmationseinladungen und die damit verbundene lange Beratung benötigt, eine Stammkundin mit Hund und ein Kunde mit Pudel.
Während nun eine Kollegin die Einladungskarten verkauft und ein Auge auf die Jugendlichen hat, kümmert sich Frau Comorph um das Kassieren der Trauerkartenkaufenden Rentner, berät den Kunden mit dem Hund, der ein wütendes Gebell mit dem Pudel anfängt, dessen Herrchen bei der anderen Kollegin einen Kuli kauft, beschwichtigt weitere Rentner, die einen Moment an der Kasse warten müssen. Und wie auf ein geheimes Zeichen stürmen alle wieder aus dem Laden.
Noch 3 Stunden bis Feierabend. Die Mittagspausenzeit fängt an und nacheinander verschwinden die Stiftverkäuferinnen in den Keller um dort eine halbe Stunde lang abzuschalten.
Kurz vor Feierabend, man räumt das letzte mal den Laden auf, Frau Comorph sucht eine Feierabend Deko aus, eine andere Stiftekollegin wäscht das Geschirr ab und bringt den Müll raus. Alles ist ruhig und still. Zu ruhig. Der Wahnsinn kratzt bereits an den Hirnrinden der Verkäuferinnen. Jeden Moment kann noch ein unverhoffter Kunde den lange herbeigesehnten Feierabend versauen. Noch 15 Minuten. Die Stiftekolleginnen räumen die Kartenständer rein und kontrollieren ein letztes Mal den Laden.
Eine Kundin betritt den Laden und möchte noch schnell ein Schulheft kaufen. Das ist schnell erledigt. Die Feierabend Deko wird ausgebreitet. Noch 3 Minuten.
Eine Kundin und ihre Tochter betreten den Laden.
„Haben Sie noch auf?“ Eine seltsame Frage, wenn man schon im Laden steht. Dieser aber schon halb unbeleuchtet ist, die Ständer im Inneren stehen und auf dem Boden eine Schulranzendeko steht.
„Ja, was kann ich für Sie tun?“ fragt die gemeine Stiftverkäuferin.
„Wir möchten Konfirmationseinladungen basteln und brauchen da noch ein paar Aufkleber.“
Die nächsten Minuten verbringt Frau Comorph mit der Dame, die in ihrem Handy nach Bildern von Einladungskarten sucht und nicht verstehen will, dass es die Aufkleber aus dem Internetz nicht im Stifteladen gibt, auch nicht auf Bestellung und auch nicht in diversen Katalogen.
Nach gefühlten Stunden verlässt die Kundin dann den Stifteladen und Frau Comorph kann endlich Feierabend machen. Den hat sie auch verdient, denn das leichte Hirnrindenkratzen ist in den letzten Minuten zu einer Freddy Krueger Kralle geworden, die ihr die Geduld zerfleischt.
„Ich frag mich, wie du dabei so ruhig bleiben kannst.“ sagte später die Kollegin zu Frau Comorph.
„Das frag ich mich manchmal auch.“ antwortete sie, in Gedanken bei ihren Kundenförmigen Voodoopuppen zu Hause.
Gerade an Zahnfleischtagen muss man die Geduld eines Katzendompteurs haben, die Ruhe eines Bierdeckelturmbastlers und die Ausgeglichenheit eines Shaolinmönches. Denn nur so hat auch der letzte Kunde das Gefühl ordentlich beraten worden zu sein.
Aber, liebe potentielle Stiftekunden: wehe euch, beträtet ihr demnächst den Stifteladen kurz vor Feierabend und stellt wahnwitzige, wunderliche wieso-weshalb-warum-Fragen, dann sieht euch vor! Denn die Stiftverkäuferin kann auch wie die wildgewordene Katze, den Dompteur zerfleischen, Bierdeckel wie Ninjasterne werfen und austreten wie Shaolinmönche, denen man mit dummen Fragen die Meditationsruhe stört. Und notfalls... es gibt immer einen großen Vorrat an angespitzten Bleistiften!