Freitag, 19. Juli 2013

Sommer, Sonne, Sonnenschein



Die Sonne scheint strahlend vom Himmel, es ist das absolute Sommerwetter. Blauer Himmel, warme Luft, winzige Wölkchen am Himmel, einfach herrlich! Was gäbe es schöneres, als an solch einem Tag am Strand oder am See zu liegen und ein gutes Buch zu lesen?
Stifte verkaufen! An solchen Tagen verpasst man sonst einiges.

Die Schule scheint noch in weiter Ferne, doch die Schulmaterialien wollen trotzdem besorgt werden. Besorgt laufen deswegen die Muttis durch die Geschäfte um mit den kryptischen Angaben der Lehrer hoffentlich das richtige Material zu kaufen. Glücklicherweise gibt es in dieser kleinen, harmonischen Stadt ein gut sortiertes Stiftegeschäft mit ausgebildeten Spezialverkäuferinnen, die sich u.a. auf enigmatische Verschlüsselungstaktiken der Lehrer spezialisiert haben.

So kommt es des öfteren vor, dass Lehrer Pinsel in Größen 5, 10 und 15 verlangen, wobei es niemals ungerade Größen gegeben hat. Weder als Borsten- noch als Haarpinsel. Gemeint ist: Besorgen Sie 3 Pinsel unterschiedlicher Größe, fein, mittel, breit. Hätte man in dem Fall auch einfacher angeben können, hat ja bisher nur 34 Muttis verwirrt.
Auch sind Hefte der Größe DIN A4 der Lineatur 4 gefragt. Gibt es ebenfalls nicht, liebe Lehrer, die nennt man dann 21, 25 oder 27, je nachdem ob und welchen Rand man haben möchte. Aber schickt die armen Frauen mal los, die haben ja sonst nichts zu tun.
Da die heutige, Kinder erziehende (manchmal mehr, manchmal weniger) Frau die meiste Zeit ihrer Freizeit, von der sie ausreichend hat, mit dem Studium mysteriöser Schriften verbringt, sind solche Aufgaben kein Problem. Hat sie doch im letzten Monat den Fußnagel des Monsters von Loch Ness besorgen müssen, da diese letzte Zutat gerieben den richtigen Pfiff in Tim Mälzer's Antipasti-Auflauf bringt. Vor 3 Wochen war es der Kosmetikpinsel aus Yetihaar, der durch sein weiches und dichtes Haar optimales Auftragen von Lidschatten verspricht – laut Testbericht der letzten Cosmopolitan. Und letzte Woche, das war zwar etwas schwieriger, aber man hat es auch geschafft: Original Bermudadreieck Meersalz. Denn dieses kann nur an der endlosen Küste der dort verschwundenen Insel geschöpft werden! Es ist ein besonders aromatisches, leicht roséfarbenes Meersalz mit einem Hauch Mango. Die Schauspieler der Serie Lost schwören darauf, es passt wunderbar zu Fischgerichten, eignet sich aber auch als mildes Peeling.
Von daher sollte es ja auch kein Problem sein, die Schulzettel abzuarbeiten. Ha, Kinderspiel!
Scherz beiseite: die gemeine Stiftverkäuferin hat im Sommer viel zu tun, sich den Mund fusselig zu reden, warum denn der ach-so-schlaue Lehrer einen Fehler machen sollte. Er ist ja schließlich Lehrer. Und Lehrer sind ja weise, wie man weiß, sonst wären es keine Lehrer. Doch der Großteil der Schulverzettelmuttis sieht es irgendwann ein und kauft das empfohlene Alternativprodukt. Ein kleiner Teil läuft jedoch noch immer suchend durch die Gänge von Supermarkt und Co und sucht Den EINEN Pinsel! Ein Pinsel, sie ewig zu binden... ist niemals zu finden.

Vernünftige Leute, die sich den Wuselstress in den Geschäften sparen wollen, sind im Urlaub. So fallen wiederum die Außergewöhnlichen Kunden etwas mehr auf.
Ein älterer Herr betritt den Laden und bezahlt eine Karte, die er sich auf den Drehständern vor der Tür ausgesucht hat.
„Dankeschön. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Nachmittag!“
„Danke, das wünsche ich Ihnen auch. Wenn Sie noch Lust haben, einen flauschigen Hund zu streicheln, ich hab da draußen einen vor der Tür sitzen!“ sprach der Herr.
Nun, normalerweise ist dies jetzt der Augenblick, panisch zu werden, die Sittenpolizei zu rufen und schreiend im Kreis zu laufen. In dem Fall sah die gemeine Stiftverkäuferin kurz am Kunden vorbei und entdeckte dessen wartende Frau mit einem flauschigen Hündchen vor der Tür.
„ähm... nein Danke!“ Die gemeine Stiftverkäuferin gehört nicht zu der Art Frauen, die jeden Hund knuddeln, in Kinderwagen schauen und glucksende Quietschgeräusche machen. Man bewahrt Würde.
„Möchten Sie zufällig eine Wohnung mieten?“ ist ebenfalls eine Frage, mit der man im Stiftegeschäft nicht täglich rechnet. Ein älterer Herr in Hotpants und transparentem, schwarzen Muskelshirt, freudestrahlend über beide Wangen spaziert in den Laden und tönt:
"Ich werde mal ein paar Kopien anfertigen!“ was er dann auch tut und anschließend seine Wohnung feil bietet. Ernst bleiben, trotz abstrakter Kleidung! Ganz Ernst!

Würde, Ernst und Ruhe sind also die vorrangigen Eigenschaften der Verkäuferinnen in diesem Sommer. Ruhe vor allem bei gewissen Familien, die in Schwärmen den Stifteladen stürmen, durcheinanderreden und hektisch hin und her laufen. Einatmen, Ausatmen und GO!
Zuerst Kundenwunsch ermitteln: am besten bei der Mutti, die hat das Sagen. Im besten Fall, eignet man sich den Schulzettel an und arbeitet ihn von oben nach unten durch.
Kinder werden grundsätzlich ignoriert, es sei denn, sie sollen Entscheidungen treffen. Also weghören bei „MAMAAA KRIEG ICH DAAAS?“, „Gehen wir noch Spielzeug kaufen? Mama? Mama? Mama? Gehen wir noch Spielzeug kaufen? Mama? Mama? Mama? …“ und „Ich möchte DAS! MAMAAAA ich möchte DAAS!“ und so weiter. Einfach ausblenden. Ist schwer, aber mit einiger Übung geht das, die Mutti kanns ja auch.
Wenn man nun Glück hat, ist die Mutti über ihr aktuelles Arsenal an Material informiert. Wenn nicht, dauert es etwas länger.
„Schätzchen, hast du noch einen Tuschkasten? Ich weiß nicht, ob du den noch hast. War der nicht weg? Schätzchen, schau doch mal.“ Schätzchen hat jedoch kein Interesse an Tuschkästen und möchte lieber Buntstifte. „Du hast noch Buntstifte.“ „Nein, die sind alle!“ „Doch, da sind noch welche.“ „NEIIN, ich will neue.“ Man dreht sich zur Seite, sortiert ein wenig zu Sortierendes und schaltet ab. *düdel-di-düühühüüü *
„So, wo waren wir stehen geblieben...? Brauchten Sie einen Tuschkasten?“
„Ach, hmm.. ich weiß ja nicht...“
Nicht durchdrehen. Abwarten. Schauen wir uns jetzt folgendes Gespräch an:
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.25“
Stiftverkäuferin: „Ein DIN A 4 Heft Nr. 25, hab ich.“
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.28.“
SV: „Ein DIN A 4 Heft Nr.28, hab ich.“
Mutti: „Ein Dina A 4 Heft Nr.27.“
SV: „Ein DIN A 4 Heft Nr.27, hab ich.“
Man sollte jedoch niemals nachfragen, wer denn Dina ist.

Und letztendlich ist es auch die Zeit der Schulrucksäcke. Dieses Jahr sind die Rucksäcke der Marke Snätsch der Renner. Sie verkaufen sich meist von alleine, weil sie einfach eine gute Form, moderne Farben und praktische Etuis haben. Doch es gibt auch hier Kunden, die alles ein wenig anders sehen.
So gab es den Herrn S., der für seinen Sohn einen Rucksack zurückstellen lies, weil er ihn erst anprobieren sollte. Es sollte unbedingt der blau karierte sein. Drei Tage später kam der Herr S. wieder und fragte, ob der Rucksack noch bis zum Wochenende zurückgestellt werden kann, denn seine Frau wolle ihn noch ansehen. Einen Tag später kam der Herr S. erneut und fragte, ob man denn noch einen zweiten zur Auswahl reservieren könne, denn seine Frau fände den blauen doch noch schöner. Am Freitag kam Herr S. mit seiner Frau, jedoch ohne Sohn. Sie verkrümelten sich in der Rucksack-Ecke und sahen sich den Rucksack an. Die gemeine Stiftverkäuferin trat hinzu und fragte, ob sie denn mit Rat und Tat zur Seite stehen könne. Nein, sie werde nicht gebraucht! Aber eine Frage hätte man doch.
„Der blaue Rucksack hat keine Laschen über den Reißverschlüssen, der karierte hat welche. Gibt es den denn noch ohne?“ Hier entdeckte die gemeine Stiftverkäuferin dass es tatsächlich Unterschiede zwischen den beiden Farben eines Modelles gab. Aber sie könne nicht versprechen, dass im Falle einer Bestellung der Rucksack ohne Laschen käme, weil alle Rucksäcke der jeweiligen Farben entweder so oder so gearbeitet sind. „Aber das ist doch unpraktisch. Schauen Sie doch:
*ritsch-ritsch * bei dem blauen Rucksack geht der Reißverschluss total einfach. *ritsch... ritsch * und bei dem karierten, da hakt das etwas!“ Nunja. Man füllte den Rucksack mit Kopierpapier und probierte erneut. Die Stiftverkäuferin fand nicht, dass es hakt, es lies sich nur mit anderen Handgriffen öffnen. „Aber ich weiß ja nicht, ob mein Sohn das auch so hinkriegt. Ich krieg es ja hin. Aber mein Sohn ist Linkshänder!!!“ Oh nein. Er wird nie einen Ranzen öffnen können, dachte die Stiftverkäuferin sarkastisch. Das Problem stand also im Raum. Der Sohn fand den karierten Rucksack schöner, der blaue ließe sich jedoch einfacher öffnen. Argumente wie „er wird sich daran gewöhnen“ und „das geht mit der Zeit einfacher, wenn das Material weicher ist“ wurden ignoriert, der Sohn sei schließlich Linkshänder. Das arme Kind.
Man diskutierte insgesamt eine knappe Stunde, dann gingen die Eltern nach Hause um noch einmal über den Kauf des Rucksack nachzudenken und um ihren Sohn zu fragen, ob er denn nicht vielleicht doch lieber den blauen Rucksack haben wolle.
'Ich brauch 'nen Schnaps!' dachte die gemeine Stiftverkäuferin und wünschte sich den Herbst herbei.
Glücklicherweise ist es im Stifteladen nicht immer so. So anders. So außergewöhnlich.
Aber bald ist Herbst. Und Weihnachten ist ja auch wieder bald. :)

1 Kommentar:

  1. Hihi, wer keine Probleme hat, schafft sich welche - oh graus. Man gut, dass ich das nicht durchstehen muss. Du Ärmste

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