Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte.
Süße wohlbekannte Düfte...
obwohl. Wohlbekannt waren sie schon,
süß jedoch nicht.
Der Frühling im Stifteladen. Herrlich.
Die dunklen Winterfarben verschwinden und fröhliches Quietschgrün,
elegantes Rosé und peppiges Pink fluten die trüben Flure. Es könnte
so herrlich sein. Wären da nicht die Kunden. Nein, nicht alle. Aber
manche.
Zwei Studenten betraten den Laden. Sie
schlürften fruchtige Milchshakes vom gelben M und sahen sich ein
wenig in der Stifteabteilung um. Sie waren auf der Suche nach
hyperbelbionischen Quadratverrundungsschablonen. Nennen wir es jetzt
mal so, für die unstudierte Stiftverkäuferin kam es im Endeffekt
aufs gleiche hinaus. Aber sie hatte zumindest schon davon gehört und
kramte sogleich in der Bestellvorgangsschublade mit den
Schablonenkatalogen. Und siehe da: da waren sie.
„Was kosten die denn und können Sie
die bestellen? *schlürf *“
Frau
Comorph blätterte und beschloss sich Rat vom Einkaufskollegen zu
holen. Sie wählte und wartete. Die Studenten warteten ebenfalls
*schlürf *.
Ansonsten
war es sehr ruhig, alle 5m Stand eine weitere Stiftekollegin an einem
Tisch und blätterte, bestellte und notierte zu bestellende und
notierende Dinge.
„Ja,
was kosten die...? Welche Menge... ? Welche Lieferzeit...?“
Frau
Comorph telefonierte und notierte und roch...
Verbrannter
Radiergummiarsch nochmal! Auf einmal kroch ein gar unglaublich
garstiger Geruch unter ihren Nasenflügeln entlang, grinste ihr frech
ins Gesicht und drehte eine Extrarunde um die Nasenspitze. Sie
blickte zu den Unschuldsmienen der Studenten *schlürf *. Von da
kamen Preiserwartende Blicke. Sie sah zur nächsten Stiftekollegin –
die blätterte, stutzte und schaute kurz auf. Woher kam dieser
finstere Gruftgeruch? Sie roch erneut... Es war ein Furz! Vermutlich
war es die Mutter aller Furze, der Godfather of Pups, eine Blähung
aus der Hölle! Kein normaler Mensch konnte so etwas produzieren.
*schlürf *
Doch
sie hatte die Täter im Blick. Würden sie nur nicht so unschuldig
schauen. Sie waren perfekte Schauspieler der perfidesten Art.
Nunja,
eine akkurate und gewissenhafte Stiftverkäuferin kann auch in
Extremsituationen so tun also ob nichts wär. Innerlich ein
aufgewühlter Ozean, ein Malstrom, ein Tsunami... und äußerlich
kühl wie der Hintern eines Pinguins.
Irgendwie
verlief das Gespräch im Dunkel der brodelnden Wolke weiter, aber den
Studenten *schlürf * war der Preis zu hoch und die Lieferzeit zu
lang (man hatte ja verpennt, dass man die Schablone in 2 Tagen zur
Prüfung braucht!). Sie wollten es sich jedoch überlegen und am
nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.
Man
verabschiedete sich und die Studenten *schlürf * verließen mit
ihren Milchgetränken den Stifteladen. Leider ließen sie ihren
Geruch dort. Und wie ein Band der Frühlingsdüfte zog er lachend
durch die Lüfte. Nun kam auch die zweite Stiftekollegin um die Ecke
geschossen und fragte, was der wunderliche Duft wohl sei. ...Ihre
Worte waren zumindest ähnlich.
Was
mag wohl in den Bechern gewesen sein? Waren nerdige Studenten
unumgänglich unwissende Laktoseintollerante? Gelernt sich zu
benehmen haben sie zumindest nicht! Hier ein böser Fingerzeig der
gemeinen Stiftverkäuferin.
Was
die Jugend jedoch gelernt hat ist: Fragen stellen. Diesbezüglich
werfen wir heute einen Blick auf die Rückfrage einer absoluten
Verneinung. Es gibt mehrere Arten einer Verneinung. Eine ist nicht
absolut (ich glaub ich hab heut keine Lust, ein Eis zu essen) und
lässt sich mit gezielter Hinterfragung doch auf eine positive
Antwort bringen (ja, ok, weil du es bist..).
Aber
es gibt auch absolute Verneinungen ( Er lebt nicht mehr) die sich
nicht zum positiven bringen können. (Wirklich nicht? - Ach, jetzt wo
ich genau hinschaue...) Nein, manchmal ist ein Nein, einfach ein
Nein.
Hier
nun mehrere Beispiele von Kundenanfragen:
„Haben
Sie Holzperlen?“
„Nein.“
„Garnicht?“
Oder:
„Haben
Sie Filz?“
„Nein.“
„Garnicht?“
Interessanterweise
fragen junge Leute immer mit dem gleichen Wort-of-hell nach. Auch die
nette Praktikantin, die den Stifteladen für kurze Zeit besuchte,
verstand sich geschickt darin dieses lustige Fragespiel zu spielen.
„Haben
Sie Kinder?“ Blickt die gemeine Stiftverkäuferin und ihre Kollegin
an.
„Nein.“
antworten beide.
„Garnicht?“
„...
ach wo Sie so fragen, ich glaube, ich habe da vermutlich schon so
ein-zwei uneheliche Kinder, die irgendwo bei den Vätern leben
könnten...! NEIN!“
Merkt
euch also folgendes: Wenn ihr im Stifteladen einkaufen geht und
irgendeinen Stifteladenunkompatiblen Artikel nachfragt wie Perlen,
Stoffe, Häkelnadeln, Blumentöpfe und ähnliches, und ihr ein „Nein“
zur Antwort bekommt, dann ist das „Nein“ auch ein „Nein“ und
kein „ach, ich guck doch mal eben, ich kenn mich hier nicht aus,
vielleicht in der Schublade mit den Kugelschreiberminen...“-Nein.
Aber da die gemeine Stiftverkäuferin eine nette solche ist,
antwortet sie auf die absolute Hinterfragung: „Nein, wirklich
nicht. Schauen Sie da bitte im diesbezüglichen Spezialgeschäft.“
So
zieht der Frühling nicht nur Düfte
sondern
gern auch Fragen durch die Lüfte,
die
den Verkäuferinnen die Haare sträuben
während
Bienen die Blumen bestäuben,
Träumen
Veilchen schon
-Horch,
ein genervter Unterton!-
Den
habt ihr schon vernommen.
Frühling,
ja du bist's, jetzt kannste kommen.