Sonntag, 9. Dezember 2012

apart

….apart?

Was ist „apart“?
Der deutsche Duden sagt: a) von eigenartigem Reiz; besonders reizvoll, geschmackvoll
b) ungewöhnlich, pikant

Wir schreiben Dezember. Ein nicht auffälliger, weder von Wetterlagen oder Kunden her.
Eines Tages betrat eine ältere Dame den Stifteladen und sprach die gemeine Stiftverkäuferin an:
„Ich suche ein apartes Lesezeichen. Was haben Sie da?“
In einem kurzen, ratlosen Moment ratterten sämtliche Artikel vor der Stifverkäuferin innerem Auge herunter. Sie kombinierte die Bedeutung des Wortes „apart“ mit dem Artikel „Lesezeichen“ um ein passendes Produkt zu finden. Man stelle sich das jetzt so ähnlich wie die grünen Nummern und Buchstaben eines Matrix-Computers vor. Doch nichts wollte zusammenpassen.
Also zeigte die Stiftverkäuferin der Dame die vorhandenen Lesezeichen, in absteigender Folge sortiert nach geschätzter Übereinstimmung mit dem Adjektiv „apart“. Zuerst zeigte sie ein elegantes Set aus schwarzen, Schreibfederförmigen Klammern, die auf die Seiten des Buches gesteckt werden können.
„Nein, das ist nicht schön. Außerdem gehen davon die Buchseiten kaputt.“
Als nächstes folgte ein schlichtes „zwischen-die-Blätter-lege-Lesezeichen“ in Aluminium mit glänzenden Herzen.
„Nein. Das ist nicht apart genug.“ Jetzt war die Stifverkäuferin ratlos. Der letzte Artikel, ein Set, bestehend aus 3 magnetischen Lesezeichen mit je einem Apfel darauf. Rustikal, schlicht, äpfelig.
„Ach, na da haben Sie ja was schönes gefunden. Das ist genau DAS, was ich gesucht habe!“
Verwundert über diese Aussage, begleitet sie die Dame zur Kasse und verabschiedete sich nach einem standart-Kassiervorgang.
Das Lesezeichen war weder elegant, noch reizvoll, geschmackvoll oder sonst besonders schön. Es waren Äpfel darauf. Es war vielleicht niedlich. Oder eignete sich für Kochbücher mit Apfelkuchenrezepten, die von einer rundlichen Frau mit karierter Schürze gebacken werden. Da aber Apfelkuchen weder pikant noch ungewöhnlich waren, trifft auch Bedeutung b) weniger zu.
Ein anderes mal, fragte eine ältere Dame nach aparten Aufklebern. Aufkleber um damit Geschenke oder Briefumschläge zu verzieren. Auch sie entschied sich für schlichte, rosafarbene Blümchen. Apart im Sinne eines eleganten, rosafarbenen, seidenen Abendkleides? Mit Blümchen?

Der Nikolaustag begann und die Stiftekolleginnen fanden es nett, sich Weihnachtsmützen auf den Kopf zu setzen. Oder in dem Fall Nikolausmützen.
Eine Kundin betrat den Laden und schmunzelte über das Bild zweier, die da standen mit roten Mützen auf dem Kopf.
„Oh, wie apart!“ freute sie sich.
Später wurde die Aussage noch diskutiert, in wie fern die Bezeichnung „apart“ auf Weihnachtsmannmützen angewendet werden kann. Sie waren weder elegant noch besonders reizvoll.

Vielleicht geschieht hier mal wieder eine Änderung der Bedeutung eines deutschen Wortes. Schon oft wurde ja ein veraltetes Wort ausgegraben um im alltäglichen Wortschatz einen neuen Platz zu bekommen.
Man denke nur an das Wort „geil“. Bezeichnete es vor 50 Jahren die Läufigkeit einer Hündin (im englischen „bitch“- heute auch anders verwendet), so wird es heute von der Jungend für sämtliche anderen Gelegenheiten verwendet. Gefolgt von „konkret“, „Pfosten“, „Tacho“, „Wayne“ und wie sie nicht alle heißen und uns um den letzten Nerv bringen.
Möglicherweise entsteht aus der Jungendwort-Kultur ebenso eine ältere-Damenwörter-Kultur. In der das Wort „apart“ einen zweiten Frühling erlebt.
Und möglicherweise versuchen sich die älteren Damen auf die Art und Weise ebenso aus der Masse hervorzuheben wie eine Gang 16jähriger, die „Yalla!“ und „Käferfrühstück“ röhrt.

Beobachten wir also das Ganze und bleiben auf dem Boden der Tatsachen, der im Winter auch mal öfter gewischt werden muss und schauen was der Dezember noch so mit sich bringt.

1 Kommentar:

  1. ...oder es handelt sich einfach um die Tatsache, dass manche Menschen die Bedeutung ebendieser Wörter nicht nachgeschlagen haben und einfach nach Lust und Laune verwenden...

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