….apart?
Was ist „apart“?
Der deutsche Duden sagt: a) von
eigenartigem Reiz; besonders reizvoll, geschmackvoll
b) ungewöhnlich, pikant
Wir schreiben Dezember. Ein nicht
auffälliger, weder von Wetterlagen oder Kunden her.
Eines Tages betrat eine ältere Dame
den Stifteladen und sprach die gemeine Stiftverkäuferin an:
„Ich suche ein apartes Lesezeichen.
Was haben Sie da?“
In einem kurzen, ratlosen Moment
ratterten sämtliche Artikel vor der Stifverkäuferin innerem Auge
herunter. Sie kombinierte die Bedeutung des Wortes „apart“ mit
dem Artikel „Lesezeichen“ um ein passendes Produkt zu finden. Man
stelle sich das jetzt so ähnlich wie die grünen Nummern und
Buchstaben eines Matrix-Computers vor. Doch nichts wollte
zusammenpassen.
Also zeigte die Stiftverkäuferin der
Dame die vorhandenen Lesezeichen, in absteigender Folge sortiert nach
geschätzter Übereinstimmung mit dem Adjektiv „apart“. Zuerst
zeigte sie ein elegantes Set aus schwarzen, Schreibfederförmigen
Klammern, die auf die Seiten des Buches gesteckt werden können.
„Nein, das ist nicht schön. Außerdem
gehen davon die Buchseiten kaputt.“
Als nächstes folgte ein schlichtes
„zwischen-die-Blätter-lege-Lesezeichen“ in Aluminium mit
glänzenden Herzen.
„Nein. Das ist nicht apart genug.“
Jetzt war die Stifverkäuferin ratlos. Der letzte Artikel, ein Set,
bestehend aus 3 magnetischen Lesezeichen mit je einem Apfel darauf.
Rustikal, schlicht, äpfelig.
„Ach, na da haben Sie ja was schönes
gefunden. Das ist genau DAS, was ich gesucht habe!“
Verwundert über diese Aussage,
begleitet sie die Dame zur Kasse und verabschiedete sich nach einem
standart-Kassiervorgang.
Das Lesezeichen war weder elegant, noch
reizvoll, geschmackvoll oder sonst besonders schön. Es waren Äpfel
darauf. Es war vielleicht niedlich. Oder eignete sich für Kochbücher
mit Apfelkuchenrezepten, die von einer rundlichen Frau mit karierter
Schürze gebacken werden. Da aber Apfelkuchen weder pikant noch
ungewöhnlich waren, trifft auch Bedeutung b) weniger zu.
Ein anderes mal, fragte eine ältere
Dame nach aparten Aufklebern. Aufkleber um damit Geschenke oder
Briefumschläge zu verzieren. Auch sie entschied sich für schlichte,
rosafarbene Blümchen. Apart im Sinne eines eleganten, rosafarbenen,
seidenen Abendkleides? Mit Blümchen?
Der Nikolaustag begann und die
Stiftekolleginnen fanden es nett, sich Weihnachtsmützen auf den Kopf
zu setzen. Oder in dem Fall Nikolausmützen.
Eine Kundin betrat den Laden und
schmunzelte über das Bild zweier, die da standen mit roten Mützen
auf dem Kopf.
„Oh, wie apart!“ freute sie sich.
Später wurde die Aussage noch
diskutiert, in wie fern die Bezeichnung „apart“ auf
Weihnachtsmannmützen angewendet werden kann. Sie waren weder elegant
noch besonders reizvoll.
Vielleicht geschieht hier mal wieder
eine Änderung der Bedeutung eines deutschen Wortes. Schon oft wurde
ja ein veraltetes Wort ausgegraben um im alltäglichen Wortschatz
einen neuen Platz zu bekommen.
Man denke nur an das Wort „geil“.
Bezeichnete es vor 50 Jahren die Läufigkeit einer Hündin (im
englischen „bitch“- heute auch anders verwendet), so wird es
heute von der Jungend für sämtliche anderen Gelegenheiten
verwendet. Gefolgt von „konkret“, „Pfosten“, „Tacho“,
„Wayne“ und wie sie nicht alle heißen und uns um den letzten
Nerv bringen.
Möglicherweise entsteht aus der
Jungendwort-Kultur ebenso eine ältere-Damenwörter-Kultur. In der
das Wort „apart“ einen zweiten Frühling erlebt.
Und möglicherweise versuchen sich die
älteren Damen auf die Art und Weise ebenso aus der Masse
hervorzuheben wie eine Gang 16jähriger, die „Yalla!“ und
„Käferfrühstück“ röhrt.
Beobachten wir also das Ganze und
bleiben auf dem Boden der Tatsachen, der im Winter auch mal öfter
gewischt werden muss und schauen was der Dezember noch so mit sich
bringt.
...oder es handelt sich einfach um die Tatsache, dass manche Menschen die Bedeutung ebendieser Wörter nicht nachgeschlagen haben und einfach nach Lust und Laune verwenden...
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