Es gibt ja solche Tage, da weiß man
morgens schon, dass nichts gutes geschehen wird. Wenn der Akku der
Zahnbürste leer ist, man unter der Dusche gegen die Mischbatterie
stößt und mit eiskaltem Wasser erschreckt wird oder man mal wieder
vor dem absolut leeren Kleiderschrank steht und absolut nichts zum
Anziehen hat, absolut nichts! Obwohl der Schrank voll ist.
Einen solchen Start in den Tag hatte
die gemeine Stiftverkäuferin Frau G. . Natürlich kam sie auch viel
zu spät aus dem Haus, da besagte Dinge die Zeit verbrauchten. Aber
man muss auch anmerken, dass das Wetter an allem schuld war. Denn
wenn man aus dem Fenster guckt und Wolken, Wind und potentiellen
Regen sieht, denkt man nicht daran, dass es draußen knappe 20°C
sein können, selbst wenn das Thermometer dieses behauptet. Außerdem
sagte die nette Radiotante, dass es Regen, Gewitter, Hagel, Sturm und
Weltuntergang gäbe!
Eiligerweise stürmte die
Stiftverkäuferin also aus der Wohnung, in den Keller, aufs Rad und
zur Arbeit. Dort angekommen stellte sie fest, dass das Thermometer
doch recht hatte und pellte sich erstmal aus diversen
Kleidungsschichten.
Der Tag konnte also beginnen!
Voller Elan räumten die Kolleginnen
die Kartenständer aus dem Laden und warteten auf den ersten Kunden.
Und warteten. … und warteten...
Zumindest der Postbote kam und brachte
Päckchen. Aber der Rest der Bevölkerung saß vermutlich in
irgendeinem Bunker und wartete den Sturm ab.
Naja, dachte sich die gemeine
Stiftverkäuferin, tun wir halt andere Dinge. Und begann etwas
herumzukramen, Listen zu fertigen, Dinge zu bestellen. Und schwupp
war der Laden voll. Man muss den Kunden nur ignorieren, dann kommt
er! Denn wenn er weiß, man hat keine Zeit für ihn, will er bedient
werden.
Die Kunden des
Prä-Gewitter-Weltuntergangtages waren eigenartig, aber normal. Sie
hinterfragten Dinge und waren nicht Kaufentschlossen. Aber es sollte
noch schlimmer kommen. Nach der Mittagspause.
Ein Junger Mann betrat den Laden,
schätzungsweise 17 Jahre alt, in der Blüte seiner Jungend und
Schüler. Sah die Stiftverkäuferin an und fragte nach Plakatpapier.
Ich brauch Plakatpapier.
(Stiftverkäuferin im Geiste scheltend: das heißt PlakatKARTON!)
Egal. Grün!
Ist das A3?
< Das ist 50x70 cm (Bengel, du malst
doch in Kunst auf nem A3 Block,oder??)
Ist das A3??
< Nein. Das ist etwa das doppelte.
Ich brauch A3!
< Dann müssen Sie sich das
durchschneiden (herrgottimhimmelkanndassoschwersein)
Kassiert und verabschiedet. Leichtes
Kribbeln im Nacken.
Kunde betritt den Laden. Männlich,
Mitte 40.
Ich brauche Etiketten für den
Briefkasten. Keine Werbung. Ham Sie das?
< Ja, die sind draußen, am
Etikettenständer.
Wo?
< Draußen.
Kunde dreht sich verwirrt, und schaut
Richtung Tür.
Wo denn?
< draußen, draußen! (und zeigt ihm
den Weg aus dem Laden)
Leichtes Kribbeln im Nacken verstärkt
sich.
Etwas später: Eine Kundin, blond,
gelockt, hübsch, betritt den Laden und sagt:
ich brauche karten für ein konzert von
andrea berg in braunschweig ich glaube in der stadthalle oder so
haben sie da noch karten ich brauche zwei stück (mehr oder weniger
in einem Wort)
< Frau G. guckt verwirrt und
sortiert die Worte.
< Nein. Da müssen sie zum
Kartenvorverkauf.
Ich dachte immer SIE wären das! (und
guckt vorwurfsvoll, warum ich es denn nun nicht sei)
< wir haben auch Karten. Aber das
sind andere. (und schwenkt den Arm in einer Geste, die zum Umschauen
animieren soll)
Kundin verlässt den Laden.
Nackenkribbeln!
Aber wir können das noch besser!
Dachte sich der nächste Kunde.
Das Wetter draußen schlug langsam um
auf noch mehr Wolken und noch mehr Sturm, Kastanienblüten betraten
den Laden und Frau G. hatte Angst um die Kartenständer. Der
Aufmerksame Leser erinnert sich.
Wie gesagt, der nächste Kunde.
Männlich, um die 40, scheinbar normal.
Ich hätte gern einen Tintenroller.
Schwarz. Der gut schreibt.
< Dieser schreibt gut. Ist aber ein
Einwegstift. (Zeigt Stift in schwarz) Für 2,50.
Was heißt das?
< Der ist nicht nachfüllbar.
Haben Sie was nachfüllbares?
< Dieser von Lamy (zeigt neuen
Stift) Der ist nachfüllbar.
Ah. (schreibt) Schreibt gut. Was kostet
die Patrone?
< Das ist dann eine Mine, die kostet
2,50.
Was hat der andere gekostet?
< 2,50
Ah, genauso viel. Haben sie auch was
mit günstigeren Patronen?
< (zeigt neuen Stift für Kinder der
mit Patronen nachfüllbar ist)
< Dieser hier, wenn es Sie nicht
stört, dass der für Kinder ist.
Nee, der ist eh für meinen Sohn.
(Schreibt) Ja, der schreibt gut. Aber der schreibt blau...
< Da können Sie eine schwarze
Patrone rein tun.
Können Sie das machen?
< (nimmt anderen Stift, tut schwarze
Patrone rein.)
(schreibt jetzt in schwarz) Ja, der ist
gut! Den nehm ich
< (Frau G. kassiert. Kunde
zufrieden)
… und der ist jetzt auch radierbar,
ja?
< (Frau G. stockt, überlegt)
Radierbar ist der nicht. Das ist ein ganz anderer.
Ja, ich brauch den radierbaren.
< x.x Warum sagen Sie das denn dann
nicht? (gemeine Stiftverkäuferin holt radierbaren Stift)
Ja, genau den. Den hat mein Sohn. Aber
da ist die Mine so schnell leer
< Das ist da leider nunmal so, da
ist nicht viel drin.
Ah. Kann ich das umtauschen?
< Den Stift schon, aber die Patronen
jetzt nicht. Die ist ja schon angefangen.
(Kunde versteht das Problem und tauscht
nur den Stift um)
Dann brauch ich dafür aber nur die
Mine!
< Die ist gerade ausverkauft...
(Kunde geht)
Gemeine
Stiftverkäuferin genervt.
Die letzten Kunden
des Tages beschwerten sich glücklicherweise nur noch über das
Wetter. Dass es ja so heiß sei. Und so schwül! Und dass es ja mal
regnen müsse, denn der Garten ist ja so trocken. Und die
Dahlienwurzeln bekommen ja auch in der Tiefe kein Wasser, weil die
Erde ja soooo (handmaß) tief trocken ist! Bei dem Winter ja kein
Wunder. Hoffentlich regnet es mal.
Die gemeine
Stiftverkäuferin dachte sich nur, hoffentlich regnet es, wenn sie zu
Hause ist. Denn mit dem Rad ist das kein Spaß.
Aber am Ende des
Tages hatte sie noch Glück, kam trocken nach Hause und konnte später
im Dunkel der Nacht das Gewitter beobachten, wie es herumzog. Hier
und da blitzte und grummelte es. Ein Regenguss kühlte die Luft,
während sie mit Herrn Kater am Fenster stand und sich wunderte, wie
das Wetter doch die Menschen beeinflusst.
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| Gewitterwetter naht! Foto wurde zwar von der Stiftverkäuferin aufgenommen, allerdings nicht in ihrem Wohngebiet! |

