Beamtenstippe – Urlaub im September
Nachdem der diesjährige Sommer sich für den Herbst hielt, begann der Herbst sich glücklicherweise für den Sommer zu halten. Denn in der letzten Septemberwoche wo Frau Comorph Urlaub hatte, schien gnadenlos die Sonne vom Azurblauen Himmel und lobenswerte 25° erheiterten ihr Gemüt. Denn sie war der Meinung, der Urlaub, der musste sein. Muss Urlaub ja eigentlich immer, aber nach dem letzten Chaos den sie als gemeine Stiftverkäuferin Frau G. erlebt hatte (denn insgeheim handelt es sich hier, liebe Leser, um ein und die selbe Person. Wer hätte das gedacht? Ist son Dr.Jekyll-Mr.Hyde-Ding), zerrte sie quasi die Urlaubswoche durch die letzten Arbeitstage heran.
Dann war er da.
Und jeder Tag barg so seine Tücken und Überraschungen. Wie es im Leben nunmal so ist. Manchmal mehr und manchmal weniger. Eigentlich hatte Fr.Comorph einen ruhigen, literarischen Teeurlaub geplant, ein paar Tage auf Balkonien, Extrem-Couching und www.Surfen.
Aber je näher der Urlaub rückte, desto mehr Aktivitäten schlingelten sich ein.
Samstag stand im Zeichen des Baßgeigenfestes. Derweilen hatte sie versucht, herauszufinden, warum eigentlich der Ortsteil Baßgeige hieß, da er doch weder musikalisch noch aus Holz bestand, eher aus einer Ansammlung Blechverkäufer. Mittags rum holte sie ihre Eltern ab und spazierte über das Fest. Die neuen Fahrzeuge bewundernd, leckere Kartoffelpuffer essend und Alster trinkend. Bei knalligem Sonnenschein ein schöner Mittag. Gerne wäre sie auch auf einem Kamel nach Hause geritten, aber ihr Daddy wollte ihr keins kaufen. Stattdessen mussten sich Mom und Dad über den aktuellen Marktwert in Kamelen von Frau Comorph unterhalten und ob es sich andersrum nicht eher lohnen würde, aber was man denn dann mit den Kamelen machen würde und ob so ein Kamelreitgeschäft wohl ein lukratives Geschäft wäre usw.
Sonntag fuhr Frau Comorph nach WR um mit ihren Freundinnen dort zu brunchen, was wiederum durch ein vergessenes Tischreservieren nur ein Frühstücken in einem von unfreundlichem Personal beheimateten Straßencafe wurde. Doch amüsant war es trotzdem.
Montag beschlossen Frau Comorph und der Captain: es ist Pilzezeit! Doch die Pilze fanden das nicht und waren nicht im Wald. Lautenthal sollte das diesjährige Jagdgebiet werden, denn es befanden sich auch noch 2 Stempelstellen in der Nähe (der Capt. Sammelt Wanderstempel, denn wenn man eh immer wandert kann man dabei auch diese Stempelchen sammeln, die einem dann Nadeln einbringen, die man sich dann an den nicht vorhandenen Hut stecken kann. Oder so). Frau Comorph fand zumindest einen schönen, roten Fliegenpilz, den sie dann aufs Umständlichste, kniend und hockend auf matschigem Waldboden, fotografierte um wenigstens eine Beute mit nach Hause zu nehmen. Leider, wie so oft verliefen sich die beiden auch mal wieder, denn Tückische Schilder säumen den Wegesrand und so machte man einen Umweg um ca 8km, wobei man auch nur 2,5 hätte laufen können. Aber das ahnt man nur, das weiß man nicht.
Dienstag stand im Zeichen des leeren Kühlschrankes. Und der abenteuerlichen Odyssee zweier, die auszogen um Dinge zu kaufen.
Station 1 war die Autowaschanlage, denn das arme Auto war den ganzen Sommer, und eigentlich auch den ganzen Winter nicht gewaschen worden. Das hatte nur der Regen getan. Hat zwar auch gereicht, aber man musste ja auch mal staubsaugen. Also wurde eine halbe Ewigkeit am Auto rumgeschrubbt.
Station 2 war der Aldi. Denn es fehlten ein paar Grundnahrungsmittel (Toast, Mettpralinen, Obst) und man war ja auch eigentlich wegen einem Duschkopf da, der im Angebot war. Matt-Chrom oder Chrom war die Frage die im Raum stand, denn beide sahen gleich aus. Der Zufall entschied.
Station 3 war der Marktkauf, denn der Hase brauchte noch Bier. Hier traf man dann auch auf das eigenartige Schild: Beamtenstippe. Der Captain ganz verwundert: „was mag wohl beamten-Stippe sein (englische Aussprache)?“
Frau Comorph schmunzelnd: „Das ist BEAMTEN-Stippe (deutsche Aussprache)!“
Infolgedessen begann eine Diskussion, was wohl damit gemeint war, denn das eine wie auch das andere ließen seltsame Rückschlüsse ziehen:
Beamten-Stippe: wird aus ausgemusterten Beamten hergestellt, die sich nicht für den Ruhestand eignen. Da sie unkündbar sind, fällt diese Möglichkeit sie loszuwerden weg. Also werden sie fein zerkleinert, unauffindbar für Spürhund und Kripo zu einer leckeren Mahlzeit verarbeitet, die immer Montags im netten Schnellimbiss serviert wird.
beamten-Stippe: besteht ebenfalls aus zerkleinerten Menschen, allerdings unabsichtlich. Denn geheimerweise wurde bereits die Heisenbergsche-Unschärferelation mittels dem letztens erfundenen Heisenberg-Kompensator umgangen, welcher die zielgenaue Übermittlung subatomarer Partikel ermöglicht – kurz beamen möglich gemacht hat. Bei vielen Erstversuchen ist auf der anderen Transporterplattform statt eines kompletten Menschen nur eine Masse durcheinander geratener Zellen, Moleküle und Atome in unsortierter Art angekommen. Ein sogenannter Zellbrei, der zwar ordnungsgemäß dem Sondermüll beigefügt werden sollte. Aber da es leider die Regel gibt, dass pro Haushalt nur ein Organ pro Monat entsorgt werden darf (und es sich hier um eine geheime Organisation in einem geheimen Hinterhaus -Bromberger Straße 4b, neben der Garage nr. 10- handelt) wurden die Mitarbeiter zu Stillschweigen verdammt, und die Überreste kostengünstig weiterverwendet. Lange Rede – schnelles Mittagessen, die beamten-Stippe war geboren.
Ansonsten fuhr man noch beim Lidl rum um den dort wohnenden Energydrink zu testen. Außerdem wurde eine neue Druckerpatrone besorgt, denn die Oma wollte eine email versenden und wusste nicht mehr genau, ob sie dafür auch Tinte mitschicken muss, damit der Empfänger sie auch ausdrucken kann. Das war der Dienstag.
Mittwoch und Donnerstag war Frau Comorph Darstellerin eines Musikvideos, welches in Goslar gedreht wurde. Leider erlebte sie hier auch ihre erste Autopanne, denn selbiges wollte nicht mehr anspringen. Hinzugerufene Personen erschienen zahlreich. Zum Glück nicht auch noch der ADAC, denn sie konnte mit ihrem modernen Tastenlosen Telefon währen eines „Drücken Sie jetzt die 1“-Gesprächs nicht auf die Tasten zugreifen. Tja... Technik. Nachdem Frau Comorphs Freundin mit Verlobtem Autotechniker und Kumpel hinzureiste, hatte ihr Dad schon das Auto unwissentlich repariert: eine Sicherung war gelockert und wieder fest gedrückt worden. Vermutlich wurde sie durch die zahlreichen Schlaglöcher irgendwann herauskatapultiert. Natürlich dann, wenn Frau Comorph am Steuer sitzt.
Am Freitag las Frau Comorph endlich über lange Zeit hinweg ein Buch. Gezwungenermaßen, denn sie wartete 3 Stunden im Auto auf den Captain, der für ca ne Stunde zu einer Besprechung wollte. War nicht schlimm, denn das Buch war spannend und bot reichhaltig beschriebene Seiten, die die Stunden in einem spannenden Kampf zwischen Gut und Böse untergehen ließen. Anschließend besuchten sie den Schwiegeropa in WR und auf dem Rückweg setzte Frau Comorph den Captain noch zu etwas Arbeit ab. Der Tag, sonnig wie er war, schrie danach Heide zu pflanzen. Also pflanzte Frau Comorph Heide. Das fand auch der Kater gut, der Heide gerne mag und ihr später ein Häufchen Kotzblumen auf den Teppich erbrach.
Die Woche war sehr interessant, nur leider zu kurz. Immerhin beinhaltete sie bis jetzt 1,5h Balkonien, diverse Literaturstunden, 6 verschiedene Sorten Tee und sogar etwas couching und surfing war drin.
Zumindest ist jetzt erst mal Wochenende. Das brauch man auch bei solch einem Urlaub.


















