Samstag, 26. Februar 2011

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen


Lange Zeit war es draußen finster und kalt. Eine dicke Schneeschicht lag auf den Wiesen und Feldern. Still war es nachts und selbst am Morgen, wenn die Sonne hinter den dicken Wolken aufging waren es nur die Amseln, die man hörte, wie sie sich über Beeren stritten, die vom letzten Herbst übrig geblieben waren.
Doch unter dem Schnee war es nicht ruhig. Ein windiges hin und her herrschte im Erdboden. Hier und da wurde geplant und entworfen. Unter dem Haselbusch gruppierten sich die Schneeglöckchenzwiebeln. Am Rande des Weges sammelten sich die Zwiebeln der Krokusse und hier und da waren sogar schon vereinzelte Märzenbecher zu sehen, deren Zwiebelchen sich noch unschlüssig waren wo sie denn dieses Jahr wohl wachsen sollen.
Die Wiesenwichtel sind am Werk. Das sind kleine Männchen, die in dunklen und erdigen Gängen unter den Wiesen und Feldern wohnen. Schon kurz nach Silvester, dem Fest an dem die Menschen laute Knaller zündeten und bunte Funkenregen zauberten, wachen sie aus ihrem Winterschlaf auf und fangen an, den Frühling vorzubereiten.
Über allem wachte der uralte Grünbart. Er lebt schon seit hunderten von Jahren. Jedes Jahr ist er als erster von allen wach und schaut nach dem Rechten. Ob denn in den dunklen Lagerhöhlen noch genügend Samen und Knollen sind, ob die Zwiebeln alle da sind oder ob nicht eine ausgehungerte Mäusefamilie darüber hergefallen ist.
Wenn er zufrieden ist, läutet er die kleine, goldene Glocke, die alle anderen Wiesenwichtel aus ihren kleinen Betten holt.
Wenn alle Zwiebelchen an ihrem Platze sind, lauscht alles auf den alten Grünbart. Denn nur er darf entscheiden, wann es Zeit ist, für die einzelnen Blümchen, die kalte Erdschicht zu durchbrechen.
Sobald der letzte Schnee weggetaut ist, Klatscht er in die Hände.
„Die Schneeglöckchen fangen an!“ ruft er und sofort machen sich die Zwiebelchen der Schneeglöckchen bereit. Das Tauwasser, das von oben auf sie herabregnet wirkt erfrischend und stärkend. Sie rütteln sich und flupp, erscheint eine kleine, grüne Spitze, die sich nach und nach durch die Erde arbeitet, bis sie zwischen dem alten Gras des letzten Jahres erscheint. Fast kann man zugucken, wie auch kleine Blättchen hervorkommen und dann, ganz zum Schluss erblüht die kleine weiße Blüte!
Alles Jubelt unter der Erde. Jetzt geht es wirklich los.
Jeden Tag wird es ein wenig wärmer und jeden Tag scheint die Sonne etwas länger und wärmt den frostigen Boden.
Sogar die wilden Kaninchen sitzen jetzt auf ihren Hügeln und lauschen, was sich da unter ihren Füßen regt.
Ein hin und hergelaufe ist das! Überall werden jetzt die kleinen Grashalme platziert, die bald schon die Wiesen wieder saftig grün werden lassen. Die Kaninchen freuen sich schon auf die leckeren ersten Gräser. Haben sie doch den ganzen Winter nur das Trockene Heu gehabt und die harten Rinden der Büsche auf den Wiesen.
Selbst die Menschen bleiben auf ihren Wegen ab und an stehen und lauschen.
Die Vögel proben ihre Frühlingslieder. Die ein oder andere Blaumeise versucht schon ein Hochzeitslied anzustimmen, wird aber von den Rotkehlchen übertönt. „Erst wenn die Krokusse blühen!“ rufen sie.
Doch lange müssen sie nicht warten. Denn nur ein paar Tage nachdem die Schneeglöckchen geläutet haben: „Der Winter ist vorbei!“ beginnen auch sie sich unter der Erde zu regen und schon durchstoßen ihre kleinen, zarten Blättchen den kahlen Erdboden.
Nun wird es auf den Wiesen und an den Wegesrändern bunt. Überall sind hunderte von kleinen Schneeglöckchenblüten zu sehen. Gelb und violett blühen die Krokusse.
Und auch zur Freude der wilden Kaninchen, sprießen die ersten zarten Gräser.
Amseln singen morgens ihre Lieder, die die Menschen auf dem Weg zur Arbeit begleiten. Hier und da stimmen auch die Blaumeisen und die Kohlmeisen mit ein. Ein Rotkehlchen trillert auf dem Zaunpfahl und eine Gruppe Spatzen tschilpt im Holunderbusch.
Die Tierwelt feiert das Frühlingserwachen.

1 Kommentar:

  1. Ja, und weißt du auch, dass dieser ganze Lärm den Braunbart weckt, der dann die Bäume inspiziert, aufweckt und bereit macht?
    Er sorgt dafür, daß die Hasel als erstes blüht gefolgt von der Forsythie und dann der Rest der großen Gesellen.

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