Sonntag, 13. Juni 2010

Tagebuch eines Umzugs - 4

Tagebuch eines Umzugs - 4
Tee, Umzug und Chaos

Der Captain kam wieder. Erschöpft, dreckig und froh, wieder im Trockenen zu sein.
Er kam, sah was Frau Comorph getan hatte, und sah, dass es gut war. Tätschelte ihren Kopf und sagte: ich bin stolz auf dich!
Nach einer ausgiebigen Diskussion einigte man sich auf den eigentlichen Umzugstag, der bisher nur ein X am Ende des Monats war. Freitag.
Tee minus 3 Tage.
Die Küche kam. Zum Glück war Frau Comorph auf der Arbeit und verkaufte lustige Stifte (die jetzt vor der WM sogar singen können), während der Captain mit den Küchenmenschen kämpfte. Es war ein gar langwieriger und grausamer Kampf. Denn, man kann es sich ja eigentlich denken: es kam wieder zu unvorhergesehenen Dingen. Dinge, die alles verzögern, Umstände bereiten und einfach gesagt: NICHT GUT sind.
Erstmal stellte man fest: die Küche kann nicht so stehen, wie geplant. Also schwupp, Herd und Spüle getauscht. Dann fehlten die Rohre um die diversen Abflüsse mit dem Abflussrohr zu verbinden. Frau Comorph hatte zwar im blauen Heimwerkerparadies mit dem Schraubenverkäufer was herausgesucht, allerdings wollten das die Küchenmenschen nicht haben. Der Captain fuhr mehrmals zum Baumarkt um dieses und jenes zu besorgen.
Auch stellte man fest: Arbeitsplatte ist zu kurz. 4cm fehlen.
Als aber Frau Comorph am Abend die Küche sah, auch wenn sie nicht perfekt war, sie stand mit Tränen in den Augen, denn sowas schönes hatte sie noch nie besessen. Keine Schmutzlücken, kein Abwaschen mehr, Schränke, die nicht von den Wänden fallen... darauf ein Bier!
Ein weiteres derweil aufgetauchtes Problem war inzwischen auch gelöst. Irgendwann fiel es Frau Comorph auf: man braucht ja einen Transporter. Hups, fast vergessen, man hat ja auch noch Möbel. Ein hin- und hergesuche brachte zu Tage: Baumarkt Transporter sind alle schon vermietet für den Tag, und diverse Mietfirmen sind extrem teuer. Auch im Bekanntenkreis war nichts reelles aufzutreiben. Doch an Tee minus 1 Tag meldeten sich die Eltern: wir haben einen Transporter. Zwar nur bis mittags, aber immerhin umsonst. Jubel!
Heimtückischerweise ereignete sich aber noch folgendes: In Rumpelhüttenhausen, wie Frau Comorph inzwischen ihr altes Heim zu benennen pflegte, wohnte ja noch ein Teil der Familie. Tante, Lebensgefährte + X Bekannte. Lässt man doch mal verlauten, wann man umzieht und gern Hilfe gebrauchen könnte. Schließlich boten sie es einem mehrmals an. Die Antwort: ...

Tag X
Tee! (wieso eigentlich Tee? fragt mal das Militär. Die haben sich das schließlich ausgedacht.)
Die Sonne strahlte als Frau Comorph und der Captain morgens um 6:30 das Bett verließen. Schnell wurde gefrühstückt und alles zurecht gerückt, denn um Punkt 8:00 fand sich das Umzugsteam ein: Frau Comorphs Eltern und Dark Angel, die sich bereit erklärt hatte, zu helfen.
Man trank noch einen Tee oder einen Kaffee dann gings los.
Des Katers langsame Verwirrtheit steigerte sich im Laufe des Vormittags, als er beobachten musste, wie alles, was er gekannt hatte, verschwand. Es wurden Dinge bewegt, die so schwer waren, dass sie für Frau Comorph am Boden festgeklebt zu sein schienen. Spiegeltüren sind ja sowas von schwer...
Als dann endlich der Transporter voll war und die Wohnung leer (bis auf diverse Kleinigkeiten) fuhr man zur neuen Wohnung. Eigentlich war jetzt der Punkt erreicht, wo die Muskeln schon um Hilfe schrien, die Gelenke am glotschen waren, die Füße am schmerzen.. und vor allem Frau Comorphs Knie. Denn beim ca 58. mal Hinunter laufen der Treppe in Rumpelhüttenhausen passierte es: Natürlich nicht, während sie einen Sack Bettwäsche trug. Nein, ha! Ein Wäschekorb voller Geschirr (welches schon vor einem halben Jahr durch den Absturz eines selbstmordgefährdeten Hängeschrankes extrem dezimiert wurde, bei dem zum Glück Frau Comorph nur leicht verletzt wurde, da sie in der geräumigen Küche noch zurück hüpfen konnte, als sie die Schranktür öffnete und sich der Schrank ihr entgegen neigte um sich in den Tod zu stürzen.) Eine Stufe mogelte sich vorbei, war überflüssig, zufällig aus dem Blickwinkel und lachte über den Fall Frau Comorphs auf die Knie. *schnuuuup-krawusssch* Ein Scheppern verhallte im Treppenhaus. Und Frau Comorph humpelte von dannen. Knie bekam wunderschöne Farben und tat weh.
Aber man denkt sich jetzt: Krach im Treppenhaus, direkt vor der Tür der Tante...war da nicht was? Ja, die Familie im Haus. Helfen? Nö. Irgendwie versteckte sich jedweder Bekannter der helfenderweise erwartet wurde. Nur Frau Comorphs Mom bekam die Tante kurzfristig zu Gesicht, als sie verwirrten Blickes kurz im Treppenhaus auftauchte. Verständlicherweise kann man sich jetzt denken, was Frau Comorph davon hielt.

Man stand also kaputt usw mit dem voll beladenen Transporter vor dem neuen Haus, in dem sich die Wohnung im 3. Stock befand.
Man musste ja. Also fing man an, langsam und ächzend alles hoch zu tragen. Tapfer schlug man sich, und irgendwann beschlossen auch die Muskeln nicht mehr um Hilfe zu schreien, wurden sie ja eh nicht beachtet. Nach endloser Zeit war man tatsächlich fertig. Alles befand sich proforma an seinem Platz. Aber fertig war man noch lange nicht.
Dark Angel verließ das Chaos und Frau Comorphs Bruder betrat die Szene. Das Bett und der Kleiderschrank wurden aufgebaut. Das Bett bezogen und alles ein wenig von A nach B gerückt. Man verabschiedete die fleißigen Helfer und begann hier und da noch ein wenig zu wuseln. Mangels Sofa schichtete Frau Comorph ein paar Decken übereinander und tat so als ob es das genialste der Welt wäre. Und alles war begeistert! Nachdem man auch irgendwann Speisekarten von Lieferrestaurants gefunden hatte, bestellte man sich Dönerteller! Der Dönerfahrer sprach dann auch den Satz des Tages: *ächz* und *keuch* So weit oben wohnen Sie??
Frau Comorp zuckte kurz das Auge und sie erwähnte die Worte "Umzug", "Hoch und Runter" und "Anstellen!!"
Doch das Essen hat noch nie so gut geschmeckt, trotz Frau Comorphs eigentlicher Dönerabneigung.
Die Nacht brach herein, Tee war vorbei und alle waren kaputt.

Der Kater bezog sein Heim unter dem Bett. Geheuer wars ihm noch nicht. Alles neu, Kratzbaum horizontal, statt kletterbereit, überall Chaos und Anarchie, wirre, laute Geräusche und Menschen... bekam man doch vor Aufregung Durchfall und testete die Reinigungsfähigkeit des neuen Teppichbodens.

Aber, wenn man jetzt denkt, damit wars das gewesen, der täuscht sich. Denn auch im Nachhinein, treten Katastrophen noch und nöcher auf!


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