Neues von der Stifteverkäuferin – Teil 8
Weihnachten im Stifteladen
Weihnachten fängt nicht wie bei uns zu Hause erst Anfang Dezember an, sondern Ende September. Die Supermärkte kennen da noch weniger Erbarmen und fangen nach den Sommerferien mit Spekulatius und Dominosteinen an, damit man sich den mühsam erarbeiteten Bikinibauch schonmal Weihnachtsrund futtern kann. Speck ansetzen, wird eh bald kalt. Ausserdem haben Aldi und Co. Im Dezember eh keine leckeren Eierlikörkugeln mehr.
Im Stifteladen beginnt die Weihnachtszeit etwas später. Trotzem hat Frau G. Bei 20° Sonnenschein, im T-Shirt Weihnachtsmänner, Engelchen und diverse mit Kunstschnee bestäubte Niedlichkeiten ausgepackt. Farbliche Arrangements sind oberstes Gebot.
Während sich die Kollegin in der Mittagspause das letzte Eis des Jahres gönnt, dekoriert Frau G. pummelige Raffael-Engel. Kleine, dicke Männchen mit Tüchern auf den Schenkeln, sitzen wie fette Männer in der Sauna dicht an dicht im Regal. Temperatur passt zumindest.
Gold, flitterkram, „Oh du fröhliche“-Servietten, Pummelengel überall. Karton leer.
Zu oberst tummeln sich dieses Jahr schlanke Weihnachtsmänner, in Grün. Denn Grün ist das neue Rot, und der Schlankheitswahn löst die Keksbäuche ab. Immerhin lassen sie sich auch noch im Frühling verkaufen... Gartenzwerge sehen ähnlich aus.
Noch Modischer geht’s weiter: denn Lila ist Trend. Lila Hirsche, lila Servietten, lila Elchkerzen.
Frau G. übertrifft sich selbst und möchte gleich einziehen... etwas vermisst sie schon das lila Wohnzimmer vom letzten Jahr. * glitzer *

Und extrem geht’s weiter. Denn der Postbote bringt passende Highheels mit, in lila und weiß, glitzerig und mit Strass besetzt.
Auch gibt es für die Weihnachtsmannmuffel glitzernde Bulldoggen. Glänzend, Pink, mit Krönchen und Flügeln. Sinn? Heut nicht. Kitsch! Wir sind Amerika! Wir sind Kitsch. Vor allem sind wir nicht normal.
Für den Herren von Welt wäre das Hündchen auch in blau zu haben ^^.


Manchmal fehlt es Frau G. an der guten alten Weihnachtszeit... man hat einen vernünftigen Herbst und freut sicht auf die Adventszeit, wo in den Häusern umher die Sterne in den Fenstern aufgehen. Damals blinkte es noch nicht in Neonfarben. Und ganz so hoch waren die Stromrechnungen des Dezembers 1987 auch noch nicht. Aber was solls... wir sind ja jetzt die Zukunft.
Derweil herrscht auch vorweihnachtliche Flaute in den Geschäften, denn die Menschen müssen erst mitkriegen, das Weihnachten und der Kampf ums beste Geschenk längst begonnen hat. Heute allerdings beschäftigte sich Frau G. damit, Bleistiftstriche von Bleistiften zu radieren. Muss ja ordentlich aussehen.
Frohe Weihnachten allerseits
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